Kühe haben nichts gegen Wanderer, es sei denn …

Vorarlberg / 04.07.2022 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wandern zwischen weidenden Kühen. Sind die Tiere nicht gestresst und die Wanderer diszipliniert, gibt es keine Probleme. <span class="copyright">APA</span>
Wandern zwischen weidenden Kühen. Sind die Tiere nicht gestresst und die Wanderer diszipliniert, gibt es keine Probleme. APA

Appell von Älplern und Politik an die Wanderer: Vorsicht auf Flächen mit Mutterkühen und Kälbern.

Bregenz Alle Jahre wieder um diese Zeit: Tausende Erholungssuchende frequentieren unsere Alpen, wandern und kehren ein und sorgen in Einzelfällen auch für Ungemach. Und zwar dann, wenn sie durch falsches Verhalten Mutterkühe reizen, die mit ihren Kälbern auf den Alpen sömmern. In Vorarlberg mit seinen gut 500 Alpen gibt es 140, die in Summe etwa 2200 Mutterkühe beherbergen.

Gefahr Hund

Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen, verursacht durch unvorsichtiges Verhalten. Wenn Wanderer etwa mit Hunden die Weiden von Mutterkühen queren, oder durch zu große Nähe und falsche Gesten die Tiere reizen. Seit 2014, als in Tirol eine deutsche Touristin, die mit einem Hund unterwegs war, von einer Mutterkuh zu Tode getrampelt wurde, und das erstinstanzliche Urteil den Alpenbesitzer haftbar machte, ist auf den Alpen ein neues Zeitalter angebrochen. Zwar wurde das Ersturteil in der Berufung korrigiert, die Problematik wurde jedoch allen Betroffenen voll bewusst. Seitdem gibt es für Wanderer und Älpler klar festgelegte und rechtlich verbindliche Verhaltensregeln.

Geändertes Verhalten

“Tatsächlich registrieren wir seit diesem Schlüsselereignis insgesamt ein geändertes Verhalten der Wanderer”, berichtet Martin Rusch, beim Land Vorarlberg für die Alpwirtschaft zuständig. Viele der Alpen mit Mutterkühen sind nun entsprechend ausgeschildert, um auf die Gefahren aufmerksam zu machen. “Verpflichtend für die Alpbesitzer ist das allerdings nicht. Mit den Vereinbarungen zwischen Tourismus und Alpwirtschaft können wir jedoch zufrieden sein. Es gibt zehn klar verständliche Verhaltensregeln für den Umgang mit Weidevieh. Hält man diese ein, gibt es keine Probleme”, ist sich Rusch sicher. Die wichtigste Regel: Sollte eine Mutterkuh angreifen, sofort den Hund von der Leine lassen.

“Das Ereignis von 2014 mit dem Tod einer Touristin hat zu einer Verhaltensänderung geführt.”

Martin Rusch, Alpverantwortlicher Land

Regeln befolgen

Diese Verhaltensregeln kann auch Christoph Freuis, Geschäftsführer des Alpwirtschaftsvereins, allen Wanderern wärmstens ans Herz legen. “Sie sind auch in allen Beherbergungsbetrieben auf den Alpen ausgehängt. Man muss sie einfach nur befolgen”, formuliert Freuis seinen Appell.

Vorfälle mit aggressiven Mutterkühen, die Wanderer angegriffen haben, hat es heuer noch nicht gegeben. Aber die Saison ist noch lange. “Wir müssen stetig sensibilisieren”, sagt Freuis. Mit zahlreichen Wanderern ist auf den Alpen jedenfalls auch heuer wieder zu rechnen. “Es werden nach den Coronajahren auch wieder mehr ausländische Touristen darunter sein”, glaubt Freuis.

Verhaltensregeln Mutterkuhalpen

Kontakt zum Weidevieh vermeiden, Tiere nicht füttern

Ruhig verhalten

Begegnung von Mutterkühen und Hunden vermeiden

Beim Angriff einer Kuh den Hund sofort von der Leine lassen

Wanderwege nicht verlassen

Versperrt Weidevieh den Weg, mit großem Abstand umgehen

Bei Herannahen von Weidevieh ruhig bleiben, nicht den Rücken zukehren

Bei ersten Anzeichen von Unruhe Weidefläche zügig verlassen

Umzäunungen respektieren

Grundsätzlich auf Alpen Respekt vor Mensch und Tier zeigen

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