Neues Leben für den Harder „Löwen“

Vorarlberg / 10.07.2022 • 13:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der „Löwen“ im Harder Ortszentrum ist verkauft. Die markante Fassade bleibt erhalten, mit dem Besitzer des Nebengebäudes muss der Käufer noch verhandeln.
Der „Löwen“ im Harder Ortszentrum ist verkauft. Die markante Fassade bleibt erhalten, mit dem Besitzer des Nebengebäudes muss der Käufer noch verhandeln.

Nur ÖVP stimmte gegen Verkauf – Projektentwickler übernimmt auch „Kreuzschwesternhaus“.

Hard Ein Jahr lang wurde beraten, jetzt ist das Geschäft fixiert: Die Marktgemeinde Hard verkauft den markanten „Löwen“ im Ortszentrum an Projektentwickler Inside96, Joe Welte, um rund zwei Millionen Euro. Mit im Paket ist das denkmalgeschützte alte Holzhaus in der Landstraße 8, das „Kreuzschwesternhaus“. Gegen den Verkauf stimmten lediglich zehn der elf ÖVP-Mandatare. Vor neun Jahren erwarb Hard den alten Gasthof um 1,2 Millionen Euro, ab 2015 zogen Flüchtlinge ein. Nach dem Aus als Flüchtlingsunterkunft Ende 2020 war die Zukunft des „Löwen“ umstritten. Schließlich lud die Marktgemeinde Projektentwickler und Bauträger dazu ein, Vorschläge für eine sinnvolle Verwertung des Objektes und des unweit davon stehenden „Kreuzschwesternhauses“ zu machen. Es langten lediglich zwei Vorschläge ein.

Das „Kreuzschwesternhaus“ an der Brückenwaage wechselte ebenfalls den Besitzer.
Das „Kreuzschwesternhaus“ an der Brückenwaage wechselte ebenfalls den Besitzer.

Nach den Präsentationen war den Mitgliedern des Entwicklungsausschusses sowie Vertretern der Fraktionen und der Wirtschaftsgemeinschaft klar: Inside96 aus Röthis mit Geschäftsführer Joe Welte hat die besseren Ideen. Erarbeitet wurde der Vorschlag mit dem renommierten Architekturbüro Marte Marte, Feldkirch. Wichtig für Hard: die markante Fassade des „Löwen“ mit ihren Zinnen bleibt erhalten. Der rückwärtige Anbau samt Saal wird abgebrochen. Die Projektentwickler müssen noch das Einvernehmen mit dem Eigentümer eines Hausteiles, das an den „Löwen“ angebaut ist (ehemals Tutzerhaus), finden. Sollte das nicht klappen, kann der geplante Neubau neben dem „Löwen“ nicht realisiert werden. Das hätte laut Kaufvertrag eine Rückabwicklung des Geschäftes zur Folge. Der abgestufte markante Neubau wäre klar vom Altbau abgesetzt und sollte im Erdgeschoss einen Marktplatz, in den Obergeschossen Büros und Wohnungen enthalten.

Erste Vorschläge für den „Löwen neu“: Rechts die erhaltene Fassade, links der markante Neubau, für den allerdings noch weitere Vereinbarungen nötig sind.
Erste Vorschläge für den „Löwen neu“: Rechts die erhaltene Fassade, links der markante Neubau, für den allerdings noch weitere Vereinbarungen nötig sind.

Im Altbau ist ein gemütliches Lokal eingeplant, man soll also im „Löwen“ samt kleinem Gastgarten künftig wieder einkehren können. Auch hier ist das Obergeschoss für Praxen, Büros sowie Wohnraum vorgesehen. Beide Objekte wären unterirdisch durch eine Tiefgarage verbunden.
Architekt Marte stellte auch schon Vorschläge für eine künftige Verkehrsführung im Bereich zwischen „Löwen“ und der Dorfbachbrücke in Form einer Begegnungszone vor.

Denkmalschutz

Noch unklar ist die Zukunft vom über 350 Jahre alten „Kreuzschwesternhaus“. Die Fassade steht unter Denkmalschutz, die geringe Raumhöhe innen darf geändert werden. Joe Welte hofft, dass vielleicht mit den Eigentümern des angebauten Nachbarhauses eine Vereinbarung für eine gemeinsame Lösung zu finden ist. „Jetzt kann ich Kontakt aufnehmen, weil Hard den Verkauf beschlossen hat. Ohne diesen Vertrag hätte ich keinen Sinn in Gesprächen gesehen.“ Er sieht auch hier Büronutzung, vielleicht Möglichkeiten für die Verköstigung von Spezialitäten usw.
Inside96, Weltes „Büro für urbane Lebensräume“, war in Hard bereits an der Planung für die Gestaltung beim alten Gasthaus „Post“ (Stadelmannhaus) beteiligt.

ÖVP: Zu viele Fragen offen

Nach der Präsentation durch Joe Welte und Architekt Bernhard Marte vor der Gemeindevertretung meldeten etliche ÖVP-Mandatare heftige Bedenken an. Zwar gab es Lob für das Projekt, es wurde aber für eine längere Überlegungszeit plädiert. Zu viele Fragen seien noch offen, meinte etwa Ersatzmann und Ziviltechniker Markus Flatz. Andreas Lunardon wollte das Vorhaben im Baurecht abgewickelt sehen, und Marius Amann fragte nach, weshalb das Schwesternhaus mitverkauft werde. ÖVP-Klubobmann Rene Bickel betonte, dass es zu früh sei für eine Entscheidung. Sein Antrag, den Beschluss zu verschieben, fand allerdings lediglich die elf Stimmen der ÖVP, während SPÖ, FPÖ und Harder Liste dagegen stimmten.

Aufwertung für den Ortskern

Bürgermeister Martin Staudinger, SPÖ, berichtete von der einhelligen Zustimmung, die es im Vorfeld aus allen Fraktionen für die Ideen von Inside96 gegeben habe. Für ihn bedeutet das Vorhaben eine wertvolle Aufwertung des Harder Ortskerns, abgesehen von den erwünschten Einnahmen durch den Verkauf. Zudem sei von der ÖVP im Vorfeld kein einziger der jetzt aufgelisteten Kritikpunkte vorgebracht worden. Für die Grünen sprach sich Georg Klapper für den Verkauf aus, für die Harder Liste Melitta Kremmel und für die FPÖ Sandra Jäckel.
Schließlich wurde über den Verkauf der beiden Häuser um den Betrag von 2,73 Millionen Euro abgestimmt. 23 der 33 Mandatarinnen und Mandatare stimmten zu. Von der ÖVP gab es zehn Gegenstimmen. AJK