Peter Schröder

Kommentar

Peter Schröder

Raubtierkapitalismus

Vorarlberg / 10.07.2022 • 16:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Überall auf der Welt: Wir werden von Erpressern heimgesucht: Mit einer als „Preissteigerungen“ verharmlosten Inflation. Die buchstäblich zu Elend und Tod vieler Menschen führt, weil sie sich zum Überleben notwendige Dinge nicht mehr leisten können.

Die Täter berufen sich auf das „Gesetz von Angebot und Nachfrage“. Als ob es ein von Menschen nicht zu verhinderndes automatisches Naturgesetz wäre. In Wirklichkeit zwingt nichts und niemand die Täter, Preise für alles Mögliche in schwindelnde Höhen zu treiben. Die Internationale der Raffkes könnte in sehr, sehr vielen Fällen einfach auf höhere Preise verzichten und dabei Einbußen bei ihren dann immer noch oft Milliardengewinnen hinnehmen. Schlicht „den Gürtel enger schnallen“, wie sie es von ihren Opfern verlangen.

Die Reichen wurden in der Krise nur noch reicher und die Armen nur noch ärmer.

Das gilt erst recht für die bereits mit staatlichen Gießkannen-Milliarden-Subventionen (aus dem Staatshaushalt) aufgepäppelten Täter. Mit der amtlichen Schutzbehauptung, den „Verlust von Arbeitsplätzen“ verhindern zu müssen. Das mag in etlichen Fällen zum gewünschten Erfolg führen. Aber in skandalös vielen anderen verhinderte es die Zunahme der Arbeitslosigkeit jedoch nicht. Stattdessen spülte es nur massenhaft viel Geld in viele Firmenkassen. Wie wir alle wissen, wurden die Reichen in der gegenwärtigen Krise nur noch reicher und die Armen noch ärmer. Und die Schere zwischen Löhnen und Preisen wurde und wird immer größer.

Was können Normalbürger dagegen tun? Konsumverzicht leisten? Etwa den Einkauf von Lebensmitteln reduzieren oder nicht zur Apotheke gehen? Den Zehn-Kilometer-Weg von und zum Arbeitsplatz (falls noch vorhanden) per pedes absolvieren? Nach dem Zwangsrauswurf aus der Wohnung im Stadtpark oder auf dem Acker „Camping machen“? Schließlich auch noch die von Hilfsorganisationen betriebenen „Tafeln“ für Notleidende schließen?

Traurige Wahrheit: Die Erpressten können wenig tun. Konsumenten-Boykotte sind (siehe oben) in aller Regel kontraproduktiv (vielleicht mit Ausnahme des Verzichts auf den einen oder anderen Kurzurlaubs-Flug an Partystrände wie in Mallorca). Wirksame Problembewältigung könnte „die Politik“ leisten: Etwa mit einer spürbaren Besteuerung von offenkundigen „Krisengewinnen“ und notfalls auch mit gezielten staatlichen Preiskontrollen. Eben Beendigung des Raubtier-Kapitalismus. Hören wir da etwas von „Sünde gegen die Marktwirtschaft“? Aber haben wir nicht immer die „SOZIALE Marktwirtschaft“ gepriesen? Und wo ist da die Sünde beim Sozialbegriff?

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at