Die Axt bleibt im Wald

Vorarlberg / 18.07.2022 • 22:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Brennholz ist auf dem Großmarkt knapp. In Vorarlberg sieht die Situation etwas anders aus. DPA/Thissen
Brennholz ist auf dem Großmarkt knapp. In Vorarlberg sieht die Situation etwas anders aus. DPA/Thissen

Nachfrage nach Ofenholz steigt, Bedarf ist aber deckbar.

Schwarzach Manch einer mag sich derzeit mit Brennholz eindecken, um frühzeitig für den Winter vorbereitet zu sein. Ein Blick in den Onlinekatalog mancher Baumärkte wirkt hier ernüchternd. Der Raummeter Hartholz liegt bei knapp 200 Euro, der Raummeter Weichholz bei über 160 Euro, sofern diese derzeit lieferbar sind.

So auch bei Obi. Begründet wird der hohe Preis mit der Marktsituation. In die Kalkulation fließen neben dem Einkaufspreis bei nationalen wie internationalen Händlern außerdem auch die Kosten für Transport, Personal und Marktfläche.

Holz vorhanden

Öffnet man die Preisliste des Vorarlberger Waldverbands, ist die Situation immerhin etwas entspannter. Im Direktverkauf empfiehlt der Waldverband bei Ofenholz Preise von bis zu 156 Euro für den Raummeter Hartholz. Im Vergleich zum Vorjahr stellt dies ebenfalls ein Plus von 20 Prozent dar, räumt Thomas Ölz von der Landwirtschaftskammer Vorarlberg ein. Dies sei aber nach Jahren mit nur geringen Preisanpassungen notwendig geworden.

„Ofenholz war bislang für die Waldbesitzer ein Defizitsortiment, mit der Preissteigerung können wir nun kostendeckend verkaufen“, betont Ölz. Dies ist auch notwendig, denn die Nachfrage nach Brennholz steigt, während der Preis für Nutzholz sinkt. Und die Preisanpassung war überfällig.

Knapp wäre das Brennholz auch heuer nicht. „In Vorarlberg gibt es derzeit gut 120 Heizwerke. Wir hätten das Potenzial, um doppelt so viele zu bedienen“, sieht er Fernwärme made in Vorarlberg gut abgesichert. Günstiger als Heizöl bleibe man weiterhin: Pro Kilowattstunde Energie zahle man bei Öl derzeit 13,9 Cent, bei Holz 6,5 Cent.

Pellets stockt auf

Bei den Pellets ist die Lage in Vorarlberg noch im funktionierenden Rahmen. „Um diese Jahreszeit fahren wir normalerweise mit dem halben Fuhrpark, nun halt mit dem ganzen“, räumt Bernd Hagen von Ländle Pellets ein. Weit mehr Verbraucher als üblich nutzen den Sommer, um ihr Lager zu füllen.

Die Herausforderung ist derzeit vor allem, dennoch für den Winter das eigene Lager aufzufüllen. Denn während der normale Konsument mit einer Einlagerung über den Winter kommt, müssen Großabnehmer wie die Hotellerie das Pelletslager mehrmals jährlich auffüllen. Während in anderen Regionen die Versorgungslage angespannter ist als in Vorarlberg, sorgt sich Hagen mehr um die Fahrzeuge. Denn wegen Corona sind die Lieferketten für Neuwagen und Ersatzteile der Sonderfahrzeuge immer noch unterbrochen.

Umstellung zeitaufwendig

Nur wer nun aufgrund der Versorgungslage auf Holz umsteigen will, wird sich gedulden müssen. Einerseits ist längst nicht jedes Haus für einen Holzofen geeignet. Andererseits berichten Ofenbauer bereits seit Längerem von vollen Auftragsbüchern. Ein schneller Umstieg ist damit eher schwierig. VN-RAU

„Bei Holz aus Vorarlberg bleibt das Geld in der Region und unterstützt die Waldwirtschaft.“

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