Warum den Landwirten der Sommer langsam unheimlich wird

Vorarlberg / 19.07.2022 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wo ist das Wasser? Es wird auf den Alpen hoffentlich nicht wieder so wie 2018, als die anhaltende Trockenheit fast alle Quellen versiegen ließ. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Wo ist das Wasser? Es wird auf den Alpen hoffentlich nicht wieder so wie 2018, als die anhaltende Trockenheit fast alle Quellen versiegen ließ. VN/Paulitsch

Noch keine Panik, aber wachsende Unruhe: Erwerbs- und Hobbylandwirte sehnen Regen herbei.

Schwarzach Die Profis, sprich Erwerbslandwirte, wissen sich – noch – zu helfen. Kommt das Wasser nicht von oben, wird es von unten angezapft und mit Menschenhand auf die Felder gebracht. Doch nicht alle, die Früchte und Obst anbauen sind Profis und verfügen über hochtechnisierte Bewässerungsanlagen. Viele Hobbygärtner bangen zusehends um ihr mit viel Liebe angepflanztes Obst und Gemüse. “Derzeit leiden vor allem verschiedene Beerensorten. Weil Beeren Flachwurzler sind, und bei diesen ist das Wasser schnell weg”, erklärt Ulrich Höfert, Obstbaureferent bei der Landwirtschaftskammer. “Die Beeren trocknen aus, ihre Blätter welken, die Früchte werden auf jeden Fall kleiner.”

Die Hummeln werden träge

Einige Erwerbsobstbauern benützen derzeit sogar ihre Frostberegnungsanlagen zur Bewässerung. Auf den großen Gemüseanbauflächen werden Wasserleitungen verlegt. “Das ist natürlich mit sehr viel Aufwand verbunden”, erzählt Harald Ramml, Gemüsebaureferent der Landwirtschaftskammer. Grund: Die sechs Meter langen Zuleitungsrohre müssen von einem Ort zum anderen verlegt werden, um die gesamte Fläche zu bewässern. “So lange es genug Wasser gibt, so lange können wir der Hitze und der Trockenheit trotzen”, sagt Ramml. Problematisch wird es langsam in den Gewächshäusern, wo die für die Bestäubung zuständigen Hummeln immer mehr auslassen, weil sie träge werden.

Heu einbringen ist dieser Tage und Wochen angesagt. Die Trockenheit könnte verhindern, dass noch einmal Gras nachwächst. <span class="copyright">VN/Hartmann</span>
Heu einbringen ist dieser Tage und Wochen angesagt. Die Trockenheit könnte verhindern, dass noch einmal Gras nachwächst. VN/Hartmann

Älpler besorgt

Sorgenfalten bilden sich schön langsam bei den Älplern heraus. “Es kann jetzt schnell gehen, dass die Situation ungemütlich wird”, beschreibt Christoph Freuis, Geschäftsführer des Alpwirtschaftsvereins, die Situation. Das Problem: “Wenn es so weitergeht, wächst bald kein Gras mehr nach. Das bedeutet, wir bekommen einen Futtermangel.” Noch ist es nicht so wie vor vier Jahren, als Hitze und Trockenheit sogar Wassertransporte in die Berge zum Tränken der Tiere notwendig machte. “Aber wir müssen schon wieder feststellen, wie Bäche und Gräben austrocknen. Und es sieht derzeit ja nicht nach Regen aus”, ist Freuis wenig optimistisch.

Wir müssen wieder feststellen, wie Bäche und Gräben austrocknen. Und es sieht derzeit nicht nach Regen aus.”

Christoph Freuis, GF Alpwirtschaftsverein

Christian Meusburger, bei der Landwirtschaftskammer für Pflanzenbau zuständig, gibt sich zuversichtlicher. “Noch läuft alles gut, wir zehren von den Wasserreserven vom Frühjahr. Die Hälfte der Heuernte ist schon eingefahren. Ein Problem gibt es jedoch bald mit dem Nachwachsen des Grases.”

Durchlöchertes Gemüse nach einem Hagelunwetter: Viele Landwirte fürchten, dass die Hitzewelle so zu Ende gehen könnte. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Durchlöchertes Gemüse nach einem Hagelunwetter: Viele Landwirte fürchten, dass die Hitzewelle so zu Ende gehen könnte. VN/Paulitsch

Furcht vor Hagelunwetter

Was Höfert, Rammel und Meusburger am meisten fürchten: “Ein Ende der Hitzewelle in Form von Hagelunwettern, die vieles zerstören”, zeichnet Rammel jenes Szenario, das bereits heuer verschiedentlich Realität wurde und auch ein weiteres Mal wie ein Damoklesschwert über den Feldern schwebt.

Vor dem Hagel nicht mehr zu fürchten braucht man sich in Fraxern. Dort hat ein anderes Unheil wieder einmal fast die gesamte Ernte vernichtet. “Zu uns kam praktisch über Nacht die Kirschessigfliege, die alles Tafelobst zerstört hat. Wenigstens konnten wir die angestochenen Kirschen noch zum Schnapsbrennen verwenden”, erzählt Landwirt Bertram Nachbaur.