Wenn das Leben unleistbar wird

Vorarlberg / 19.07.2022 • 22:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

DOWAS-Chef Peter Brunners Kundschaften werden mehr.

Schwarzach Die Armutsfalle kann heutzutage schnell zuschnappen. Scheidung, Schicksalsschläge, Krankheit. Und wenn dann auch noch ein soziales bzw. familiäres Umfeld fehlt, sind solche Menschen gleich einmal Klienten beim DOWAS, womöglich auf der Suche nach einer Notschlafstelle. Dass sich die Situation gerade im Hochpreisland Vorarlberg aufgrund der Teuerung zuspitzt, bestätigte DOWAS-Geschäftsführer Peter Brunner bei Vorarlberg LIVE im Gespräch mit VN-Chefredakteur Gerold Riedmann.

Mehr Klienten für DOWAS

„Es sind ganz unterschiedliche Lebensläufe, die Menschen in die Armut stürzen“, weiß Peter Brunner. Aktuell sei die Notschlafstelle in Bregenz wieder nahezu voll. „Nur noch ein Platz ist frei, und das kann sich schnell ändern.“ Oft reicht die Kapazität der Einrichtung nicht aus, um allen Suchenden zu helfen. „In den letzten sechs Monaten mussten wir 130 Personen abweisen, die bei uns einen Notschlafplatz suchten“, berichtet der DOWAS-Chef.

Notschlafstellen werden unterschiedlich lange von einzelnen Personen genützt. Zwischen vier und 24 Nächten beträgt die Aufnahmedauer. „Wir begleiten die Menschen dann auch zurück in ein normales Leben.“ Erhöht hat in jüngster Zeit auch die Zahl der Beratungen beim DOWAS. Und zwar um 15 Prozent.

Nach Meinung von Peter Brunner rutschen Menschen in Vorarlberg vor allem deswegen in die Armut, weil die Löhne zu niedrig seien und mit den stets steigenden Lebenshaltungskosten nicht mithalten. Speziell die Wohnungskosten seien für viele nicht mehr leistbar. Brunner verlangt nach mehr Investitionen in den gemeinnützigen Wohnbau. „Wobei auch in diesem Segment die Kosten schon sehr hoch sind. Vom privaten Wohnbau muss man diesbezüglich gar nicht mehr reden.“

Höhere Löhne würden helfen

Die von der Regierung gesetzten Maßnahmen begrüßt Brunner grundsätzlich. „Alles, was dazu beiträgt, die Lebenssituation von in Not geratenen Menschen zu verbessern, ist natürlich zu begrüßen. Einige der Maßnahmen sind aber wohl weniger zielführend.“ Brunner bezieht sich dabei auf die Einmal-Zahlungen, die nur ein Tropfen auf den heißen Stein seien. Zielführend seien die Wohnbeihilfen. Nachschärfen müsse man noch bei der Sozialhilfe. Wirklich verbessern könne die Situation aber vor allem eine deutliche Erhöhung der Mindestlöhne. VN-HK