Bittere Strafe für Dieb von Kräuterbitter

Vorarlberg / 21.07.2022 • 22:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte zeigte sich reumütig: „Ich weiß nicht, warum ich damals so ein Trottel war.“ vn/gs
Der Angeklagte zeigte sich reumütig: „Ich weiß nicht, warum ich damals so ein Trottel war.“ vn/gs

Sechs Monate Gefängnis wegen des Diebstahls von Sandwiches und Spirituose um 5,36 Euro.

feldkirch Zuletzt habe er in der Außenstelle Dornbirn der Justiz-
anstalt gearbeitet, erinnert sich der Angeklagte vor Richterin Silke Sandholzer. Ansonsten sei er seit vier Jahren beschäftigungslos, ergänzt der vom Balkan stammende 46-Jährige noch.

Es war ein aufmerksamer Kunde, der den Beschuldigten im vergangenen April beobachtete, wie er in einem Hofermarkt zwei Sandwiches und eine Packung Kräuterbitter einsteckte. Gesamtwert: 5,36 Euro. Der Zeuge informierte einen Angestellten, der Dieb wurde auf dem Parkplatz gestellt. Auch die Geschäftsführerin des Marktes eilte hinzu. Um dann vom überführten Langfinger mit Drohungen wie „Ich bringe dich um! Ich hetze dir die Russenmafia an den Hals!“ beflegelt zu werden.

„Da wurde uns schon mulmig“, sagt einer der Zeugen bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. Vor allem, weil die Polizei erst eine halbe Stunde später erschienen sei.

Mehrere Alkoholvergiftungen

Vor Gericht zeigt sich der aus der Strafhaft vorgeführte Angeklagte weit weniger aggressiv, vielmehr reumütig und geständig. Geständig insofern, als dass dies alles schon stimmen würde. „Ich war damals betrunken und weiß nicht mal mehr, ob ich bei der Polizei einen Alko-Test machte“, stimmt der 46-Jährige die alte Leier seines tristen Daseins an. „Ich war schon mehrere Male wegen Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Sechs Wochen Entzug in der Valduna haben mir gar nichts geholfen“, räumt er ein. Seine Bewährungshelferin bestätigt, dass es das österreichische System dem von ihr Betreuten nicht leicht gemacht hatte: „Da waren ständige Sperren beim AMS und ein eineinhalbjähriges Bemühen, Papiere für ihn zu bekommen“, führt sie an.

Der Alkohol wurde für ihn zum täglichen Wegbegleiter. Dann Diebstahl, Diebstahl und immer wieder Diebstahl. Bereits 18 Vorstrafen heimste sich der 46-Jährige damit ein. Zu viel für Richterin Sandholzer, die nun eine unbedingte Haftstrafe ausspricht – und zwar aussprechen muss, denn: „Bei ihrer Vorstrafenbelastung gibt es nichts mehr, was das Gericht sonst noch tun kann.“

Inbrünstig entschuldigt

Sechs Monate Freiheitsstrafe, zusätzlich noch der Widerruf von drei Monaten Haft auf Bewährung aus einer früheren Verurteilung, lautet die Entscheidung der Richterin. Der Verurteilte ist damit einverstanden. Zuvor aber entschuldigte er sich noch bei der von ihm so dreist bedrohten und beleidigten Hofer-Marktleiterin voller Inbrunst: „Ich bin kein Mörder! Ich weiß nicht, warum ich damals so ein Trottel war. Es tut mir wahnsinnig leid und ich wünsche dir alles Gute.“ VN-GS