Mit Kraft und Stil am Berghang

Vorarlberg / 25.07.2022 • 18:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Im Walgau packen bei der Aktion Heugabel viele Freiwillige mit an.

FRASTANZ Sonnenschein, Heugeruch und ein Traktor mit Ballenpresse, der Richtung Berg unterwegs ist: Am Bazorahang in Frastanz hat die Heusaison begonnen. Marcel Regensburger (21) lädt auf einer Wiese gerade einen Heuschieber ab, der die Arbeit erleichtern soll. Sein Geschäftspartner Maximilian Dalpez (26) hat gerade in Schnifis gemäht und setzt seine Arbeit jetzt am Bazorahang fort. Unterdessen sind zahlreiche freiwillige Helfer mit Laubbläsern im Gelände im Einsatz.

Im Rahmen der Aktion Heugabel der Naturschutzinitiative „Walgau Wiesen Wunder Welt“ erhalten die Landwirte bei ihren Heuarbeiten heuer wieder Unterstützung von etwa 20 freiwilligen Helfern. Diese packen mit Heugabel oder anderen Geräten mit an. Ziel dieser Aktion ist es, die Artenvielfalt im Walgau zu erhalten. „Es läuft sehr gut“, berichtet Projektleiterin Marina Fischer. So schwitzten 2021 über 200 Erwachsene und rund 50 Kinder freiwillig mit, um Magerheu-, Ried- und Streuobstwiesen zu erhalten. Sie unterstützten 19 Landwirte. 600 Halbtage lang hieß es ran an den Hang.

Dalpez und Regensburger bewirtschaften gemeinsam 14 Hektar Wiesenfläche im Walgau. „Wir bewirtschaften die Mager- und Ried-Wiesen hauptsächlich zur Erhaltung der Kulturlandschaft“, erklärt Dalpez. „Der Ertrag dieser Hänge reicht uns vielleicht für zwei Wochen, immerhin haben wir 60 Blobe Ziegen und Böcke.“

Alles Handarbeit

Die beiden betreiben die Landwirtschaft im Nebenerwerb. Aufgrund der steilen Lage ist es ihnen nicht möglich, mit Maschinen zu fahren. „Das erschwert die Arbeit immens, hier ist alles Handarbeit“, sagt Dalpez. Obwohl die Helfer zwischenzeitlich mit Laubbläsern statt mit Rechen das Heu zusammentragen, sei das gesamte Team mit einem Hektar Wiese einen ganzen Tag lang beschäftigt. Die Aktion Heugabel soll den Landwirten bei ihrer Aufgabe helfen, die Wiesen vor Verbuschung und Verwaldung zu bewahren. Sie ist auch über die Walgau-Grenzen hinaus bekannt. „Wir bekommen auch Anfragen von Landwirten aus anderen Teilen des Landes“, sagt Projektleiterin Fischer. „Aber leider gilt die Aktion nur für das Walgau.“

Vorarlberg hat österreichweit gesehen den höchsten Anteil an Magerwiesen. Nach Angaben von Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger gibt es über das Land verteilt 2600 Hektar Magerwiesen, 2500 Hektar Streufläche und rund 2700 Hektar Gutweiden. „Vom finanziellen Ertrag her rechnet sich die Bewirtschaftung dieser Flächen nicht. Hier geht es um die Leidenschaft der Landwirte für ihre Arbeit und darum, das Landschafts- und Kulturbild des Landes zu erhalten.“ Er sieht die Bewirtschaftung dieser Flächen als wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Futterflächen. „Ob Vorarlberg in Zukunft noch so attraktiv sein würde, wenn diese Flächen nicht bewirtschaftet würden, ist ungewiss“, meint Moosbrugger. Bewusstseinsbildung bzw. Verständnis für die Arbeit der Landwirte, so wie es im Walgau der Fall ist, sei daher immens wichtig. VN-SAH, MEF

„Vom finanziellen Ertrag her rechnet sich die Bewirtschaftung dieser Flächen nicht.“