Nur noch Maske statt Quarantäne

Vorarlberg / 25.07.2022 • 22:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Vorarlberg begrüßt mögliche Abschaffung. Experte sieht Abwägungsfrage.

wien, schwarzach Wie geht es mit der Isolationspflicht nach einer Corona-Infektion weiter? Darüber haben Bund und Länder am Montag in einer Videokonferenz beraten. Eine Entscheidung steht noch aus, die Bundesregierung könnte sie beim Ministerrat morgen, Mittwoch, verkünden. Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP), die persönlich im Bundeskanzleramt war, begrüßt eine mögliche Abschaffung und den Übergang in eine Krankenstandsregel. „In Vorarlberg ist eine solche Möglichkeit schon vor Wochen empfohlen worden.“ Schöbi-Fink zufolge würde damit auch der hohe Verwaltungsaufwand reduziert.

SPÖ-regierte Länder kritisch

Derzeit müssen sich Infizierte mindestens fünf Tage lang isolieren. Danach gelten Verkehrsbeschränkungen: Wer symptomfrei ist, darf weitere fünf Tage mit FFP2-Maske wieder unter Menschen gehen oder sich freitesten. Vor Kurzem hatte ein Verordnungsentwurf der Bundesregierung für Aufsehen gesorgt: Demnach könnten für Infizierte nur noch Verkehrsbeschränkungen gelten, keine Isolation mehr gelten. Mit Maske dürften sich Betroffene fast überall frei bewegen. Betretungsverbote wären für sie an sensiblen Orten wie Krankenhäusern, Pflegeheimen und Volksschulen in Kraft. Besonders in den SPÖ-regierten Bundesländern Wien, Kärnten und Burgenland hatten die Überlegungen für Ärger gesorgt. Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) kritisierte nach den Beratungen:  „Ich sehe den Vorstoß der Bundesregierung als Schritt in die falsche Richtung.“

In den Gesprächen von Bund und Ländern waren auch Verbesserungen bei der Verteilung von Medikamenten und beim Covid-19-Register für hospitalisierte Patientinnen und Patienten Thema. Es ist zwar bereits seit Mai in Betrieb, allerdings meldete erst ein Teil der Bundesländer regelmäßig Daten ein.

Der Gesundheitsexperte und Covid-Berater der Vorarlberger Landesregierung, Armin Fidler, hält die Isolationsfrage für ein heikles Thema. Immerhin gebe es sowohl für als auch gegen die Abschaffung gute Gründe. Argumentiere man damit, dass die Krankheit bei den meisten Menschen relativ leicht verläuft, mit grippeähnlichen Symptomen, die etwa in einer Woche abgeklungen sind, dann ließe sich ähnlich wie bei anderen respiratorischen Krankheiten an die Selbstverantwortung appellieren, meint er. „Länder wie die Schweiz und Dänemark verfahren schon so.“

Der Mediziner gibt außerdem zu bedenken: „Wir registrieren nur noch einen Bruchteil der Infektionen.“ Derzeit seien etwa ein Viertel der getesteten Menschen positiv. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO müsste die Positivrate eigentlich bei unter fünf Prozent liegen, um die Epidemie im Griff zu haben. „Viele Menschen lassen sich nicht mehr testen, da sie nur einen leichten Verlauf haben. Da macht es keinen Sinn, nur jene mit einer Isolation zu belegen, die von einer Infektion wissen.“ Die Dunkelziffer sei ohnehin schon hoch, die Infektionszahlen im Vergleich mit anderen Ländern also wenig aussagekräftig. „Sie hängen von der Testfrequenz ab und sagen höchstens etwas über die Dynamik aus.“

„Nur eine Seite“

Geht es um das Personal in sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern, spricht der Gesundheitsexperte ebenfalls von einer Abwägung. „Man muss sich fragen: Wie viel Schaden wird produziert? Ist es ein größeres Risiko für die Bevölkerung, wenn ich jemanden, der positiv ist, mit FFP2-Maske arbeiten lasse? Oder habe ich ein rigoroses Quarantäneregime, dafür aber 15 Prozent der Belegschaft zu Hause und 50 Prozent abgesagte Operationen?“ So eine Situation habe es bereits in der Delta-Welle in Vorarlberg gegeben. „Es wird häufig nur die eine Seite gesehen. Das ist aber nicht legitim.“ Demnach solle immer zwischen zwei potenziellen Risiken abgewogen werden. „Man kann nicht eine Maßnahme gegen ein Null-Risiko vergleichen.“ VN-RAM

„Von Vorarlberg ist eine solche Möglichkeit schon vor Wochen empfohlen worden.“