Rekordjahr für die gelben Quälgeister

Vorarlberg / 26.07.2022 • 18:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Klaus Zimmermann hält fest: „Wespen sind nicht aggressiv.“ VN
Klaus Zimmermann hält fest: „Wespen sind nicht aggressiv.“ VN

Außergewöhnlich viele Wespen. Schuld dran ist der warme Mai.

SCHWARZACH Sie mögen Süßes und bereiten Menschen dadurch nicht selten Unbehagen. Bedrohlich kreisen sie um das Marmeladebrot oder den Apfelsaft, ruckartige und abweisende Bewegungen enden nicht selten mit einem schmerzhaften Stich.

„Man kann heuer von einem Wespenjahr sprechen“, sagt Klaus Zimmermann (63), Experte der Inatura in Dornbirn. Er fügt an: „Es ist genau gegenteilig zum letzten Jahr. Damals machten sich die Wespen rar.“

Schuld an der Wespeninvasion ist laut Zimmermann hauptsächlich der trockene und warme Mai. „In diesem Monat legen die Königinnen Eier, die Arbeiterinnen entstehen. Heuer fanden sie dafür ideale Bedingungen vor. Im Fall von Schlechtwetter wären sie niemals so aktiv gewesen“, sagt Zimmermann. Nichts zu tun habe die starke Präsenz der Hautflügler mit dem milden Winter. „Weil auch ein milder, nasser Winter für die Wespenentwicklung sehr schädlich sein kann, so wie ein extrem kalter.“

Nicht aggressiv

Aggressiv, hält Zimmermann unmissverständlich fest, sind die Wespen nicht. „Auch wenn wir Menschen dieses Gefühl haben, weil sie um unser Essen herumfliegen und manchmal auch mitten drauf. Sie lieben Süßes und Eiweiß. Das ist alles, was sie interessiert.“

Freilich können Wespen sehr wohl angriffig werden, etwa wenn sie ihre Nester in Gefahr sehen. „Erschütterungen ihrer Behausungen können die Wächterinnen mobilisieren und zum Stechen animieren. Dieses Signal senden sie an andere Mitglieder des Nests aus, die dann ihrerseits auch zustechen.“ Nester sollte man als Laie nicht anrühren. „Wenn man sich bedroht fühlt, sollte man einen Schädlingsbekämpfer informieren, der das Nest fachmännisch entfernt“, rät Zimmermann. Nur diese Experten seien befugt, Wespenbehausungen zu bewegen. Nicht alle Wespenarten erscheinen vielen Menschen lästig. „Es sind die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe, die um unser Essen kreisen“, erklärt Klaus Zimmermann. „Andere Arten interessieren sich dafür nicht.“ Um ungestört im Freien eine Mahlzeit verzehren zu können, rät der Experte zur Positionierung einer kleinen Menge Süßigkeiten oder Fleisch auf einem offenen Teller abseits des Esstisches. „Macht man das, hat man von den Wespen in der Regel Ruhe.“

Gefahr für Allergiker

Allergiker sind beim Anblick von Wespen freilich in höchster Alarmbereitschaft. Für sie kann ein Wespenstich tödliche sein. Daher führen die meisten von ihnen stets ein Notfallset mit sich. VN-HK

Eine Wespe auf dem Marmeladebrot. Das gefällt nicht allen. APA
Eine Wespe auf dem Marmeladebrot. Das gefällt nicht allen. APA