Lange Ohren auf hohen Bergen

Vorarlberg / 27.07.2022 • 17:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Martin Meyer und der schöne Seppl. Der Esel wird oft für Veranstaltungen gebucht.
Martin Meyer und der schöne Seppl. Der Esel wird oft für Veranstaltungen gebucht.

Auf der Alpe Alpila im Montafon verbringen fünf muntere Esel ihre Sommerfrische.

TSCHAGGUNS Die neunjährige Sophie stapft freudig auf den Vierbeiner mit den langen Ohren zu, liebkost und herzt ihn. „Das ist Linda. Meine Eselin und beste Freundin“, strahlt das Mädchen. Neben Linda befindet sich Seppl. Er bewegt sich weg von Sophie und Linda. „Seppl ist ein bisschen eifersüchtig“, meint die Neunjährige, während ihr Opa schmunzelt. Der Opa heißt Martin Meyer (61). Er bewirtschaftet die Alpe Alpila oberhalb von Grabs seit 21 Jahren. Fast ebenfalls so lange wacht Mayer neben Rindern auf einem anderen Teil der Alpe auch über Esel. Der Satteinser Eselzüchter Helmut Illmer brachte ihm dereinst ein Tier auf die Alpe, später kaufte er eine hochträchtige Eselin. Diese brachte im Abstand von mehreren Jahren drei Junge auf die Welt. „Ich habe jeder meiner Töchter einen Esel geschenkt“, erzählt Meyer.

Auf der Alpila-Alpe sind heuer neben Linda und Seppl noch drei weitere Tiere bei ihm. Zwei stammen von Helmut Illmer, einer der Kostgänger kommt aus Sigmarszell. Über Seppl gerät Meyer ins Schwärmen. „Der wird oft für Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Erntedankfeste gebucht. Er hat auch schon Bräute in die Kirche getragen.“

Die Esel haben es dem Älpler angetan. „Es sind genügsame Tiere, trittsicher und pflegeleicht. Nur den Regen vertragen sie nicht so gut. Wenn es herunterlässt, musst du schauen, dass sie irgendwo einen Unterstand haben.“

Der Esel an Weihnachten

Esel haben das Leben von Martin Meyer seit frühester Kindheit an bereichert. Nie vergessen hat er, wie ihm sein Vater einst an Weihnachten einen Esel organisiert hat, der, einem Brauch folgend, mit Heu und einer Buddel Schnaps beladen, wie ein Weihnachtswunder vor der Tür stand. „Der Esel war mein größtes Christkind“, schwärmt der Nenzinger Landwirt noch heute.

Die Liebe zu den gutmütigen Langohren hat Meyer auf seine Enkelin übertragen. „Sie kommt am ersten Ferientag gleich zu mir auf die Alpe und weint, wenn sie am letzten Ferientag wieder gehen muss.“ Sophie kommt natürlich nur mit Linda. Auf der Alpe kann sie ihre Freundschaft mit der Eselin voll ausleben. Der Opa weiß mehrere Geschichten von aufgeweckten Eseln auf seiner Alpe zu erzählen. Jene von einem Langohr namens Hannibal ist eine besondere. „Der brachte irgendwie einen Türschlüssel zum Umdrehen. Das machte er einmal, als meine Frau auf der Toilette in der Hütte nebenan saß. Da ging plötzlich die Tür auf und Hannibal stand vor ihr. Sie erschrak zu Tode.“

Keine dummen Esel

Dass man im Volksmund oft von „dummen Eseln“ spricht, gefällt Martin Meyer gar nicht. „Esel sind das Gegenteil von dumm. So checken sie zum Beispiel ihre Umgebung genau ab, bevor sie sich auf fremdem Gelände fortbewegen. Wenn möglich gehen sie immer den kürzesten Weg. Esel sind kluge Tiere.“

Die Esel auf der Alpila sind eine Attraktion für Wanderer. „Sie lassen sich ja auch streicheln. Nur füttern sollte man sie nicht. Weil dann werden sie aufdringlich“, weiß Meyer. VN-HK

Die Alpe Alpila liegt auf auf fast 1700 Metern Seehöhe. Am Dienstag war es dort mit 15 Grad angenehm kühl. 
Die Alpe Alpila liegt auf auf fast 1700 Metern Seehöhe. Am Dienstag war es dort mit 15 Grad angenehm kühl. 
Sophia und ihre Linda sind ein Herz und eine Seele. Aber natürlich mag die Neunjährige auch alle anderen Esel auf der Alpe.VN/RHOMBERG
Sophia und ihre Linda sind ein Herz und eine Seele. Aber natürlich mag die Neunjährige auch alle anderen Esel auf der Alpe.VN/RHOMBERG