Energiesparen als Ziel

Vorarlberg / 28.07.2022 • 19:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die EU-Staaten einigten sich zuletzt auf einen Notfallplan zur Drosselung des Gaskonsums.   APA/Schneider
Die EU-Staaten einigten sich zuletzt auf einen Notfallplan zur Drosselung des Gaskonsums.   APA/Schneider

Wo die größten Potenziale in Vorarlberg liegen und was die Gemeinden planen.

SCHWARZACH Wie kann die Gasversorgung zukünftig und vor allem im kommenden Winter sichergestellt werden? Wohl kaum eine Frage beschäftigt Europa derzeit so wie diese. Die Länder der Europäischen Union einigten sich zuletzt auf einen Notfallplan zur Drosselung des Gaskonsums. Demnach sollen die einzelnen Mitgliedsstaaten diesen im Zeitraum von 1. August 2022 bis 31. März 2023 freiwillig um 15 Prozent senken. Dazu lassen sich auch für Vorarlberg entsprechende Berechnungen anstellen. Unterdessen sind in den Gemeinden Energiesparprojekte geplant.

Industrie voran

Wolfgang Seidel, Sprecher des Energieinstituts, kann konkrete Zahlen, nennen. Gemäß dem Ziel der EU, den Gasverbrauch bis zum Frühjahr 2023 um 15 Prozent zu senken, müsste jener in Vorarlberg (derzeit etwa 2300 Gigawattstunden pro Jahr) um 350 Gigawattstunden reduziert werden, erklärt er. Etwas über die Hälfte des Gasverbrauchs entfällt auf die Industrie (1200), knapp 45 Prozent auf die Haushalte und der Rest hauptsächlich auf Gewerbe, gefolgt von Landwirtschaft und Mobilität. Blickt man sich den Energieverbrauch insgesamt an, stehen die Gebäude an erster Stelle. 51 Prozent entfällt auf das Heizen, Kühlen und den Betrieb. Danach folgen die Industrie (27 Prozent) und der Verkehr (21 Prozent).

Würde man die Raumtemperatur in gasbeheizten Gebäuden im Schnitt um zwei Grad senken, wären das die ersten 100 eingesparten Gigawattstunden, rechnet das Energieinstitut vor. Vorantreiben ließe sich die Reduktion durch den weiter forcierten Ersatz von Gasheizungen und eine niedrigere Temperatur beim sogenannten Brauchwasser, sollte es mit Gas aufgewärmt werden. Gemeint ist damit grundsätzlich Wasser, das nicht zum Trinken vorgesehen ist, aber beispielsweise in der Landwirtschaft, im Gewerbe oder aber auch im Haushalt genutzt wird. Insgesamt 1400 Gigawattstunden mache der Energieverbrauch von Gas und Gewerbe aus, die in leicht höherem Ausmaß kurzfristige Einspar- oder schwierigere Ersatzmaßnahmen ergreifen müsste, erläutert Seidel. „Das ist deutlich gegen den Trend, denn der Energieverbrauch in der Industrie ist in den letzten 15 Jahren um 14 Prozent gestiegen.“ Gleichzeitig sei auch die Produktion nach oben gegangen.

Auf die Frage, in welchen Bereichen die öffentliche Hand in der Lage wäre, zu drosseln, verweist Seidel auf das Energielenkungsgesetz. Im Detail sei es aber noch nicht bekannt. „Und natürlich können und werden Land und Gemeinden in ihrem eigenen Wirkungsbereich Maßnahmen setzen.“

Long Table geplant

Dazu ist für Anfang September ein Long Table geplant. Bei diesem Treffen wollen Vertreter von Land und Energieinstitut gemeinsam mit den Bürgermeistern des Landes über Energieeinsparungspotenziale diskutieren und in weiterer Folge Projekte entwickeln. „Die E5-Gemeinden sind in diesem Bereich zwar schon erfahren“, sagt Seidel. Dennoch müsse man zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder darüber nachdenken, wofür Energie aufgewendet werden soll. Zuletzt haben etwa die Feldkircher nach Nürnberger Vorbild beschlossen, ab August historische Gebäude wie die Schattenburg nachts nicht mehr zu beleuchten. Einige Gemeinden fassten „Mission-Zero“-Beschlüsse, um den Bedarf an fossilen Energien wie Erdgas möglichst weit zu senken. Ziel dabei ist, CO2-Emissionen zu reduzieren und den Rest zu kompensieren.

Großes Thema ist laut Seidel die erwähnte Sanierung und der Ersatz von Öl- und Gasheizungen durch erneuerbare Systeme. So wird etwa in Zwischenwasser der Gaskessel im Nahwärmenetz durch einen Biomassekessel ersetzt. „Andere Gemeinden wiederum beziehen Biogas aus Vorarlberg anstelle von russischem Erdgas.“ In Gemeindegebäuden in Höchst und Koblach soll Energie gespart werden, indem die Nutzer für das Thema sensibilisiert werden. Dabei geht es beispielsweise um den richtigen Umgang mit Sonnenschutz oder der Beleuchtung. Zudem nehmen Gebäudewarte an Schulungen zu Energieeffizienz teil.

Einzelne Maßnahmen, die derzeit breit diskutiert werden, wie etwa Tempo 100 oder Einschränkungen bei der künstlichen Beschneiung kann der Sprecher des Energieinstituts noch nicht kommentieren, da dazu keine Berechnungen vorlägen. Er hält aber fest: „Wir werden wieder beginnen müssen, den Energieeinsatz in allen Bereichen zu hinterfragen und zu diskutieren, wofür wir Energie aufwenden wollen, und wofür nicht mehr – grundsätzlich einmal unabhängig davon, wie viel die Einzelmaßnahme bringt.“ Das gelte für den Privathaushalt wie für die Wirtschaft oder die öffentliche Hand.

Gemeinsam mit Vertretern von Land und der illwerke vkw wollen die Experten des Energieinstituts jedenfalls den Vorarlbergern künftig mehr Beratungen zum Thema Energiesparen anbieten und Maßnahmen aufzeigen. VN-MEF, RAM

„Wir werden beginnen müssen, den Energieeinsatz in allen Bereichen zu hinterfragen.“

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