Staatsschutz legt erneut Fokus auf Lecher Hotel Aurelio

Vorarlberg / 28.07.2022 • 22:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Luxushotel Aurelio in Lech am Arlberg ist erneut in den Schlagzeilen. Aurelio
Das Luxushotel Aurelio in Lech am Arlberg ist erneut in den Schlagzeilen. Aurelio

Der Nachrichtendienst wird gegen einen Cousin Oleg Deripaskas aktiv.

Wien Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) hat laut Innenministerium nach dem Inkrafttreten neuer EU-Sanktionen Ende vergangener Woche zuständige Gerichte in Vorarlberg informiert, dass die Vermögenswerte von Pawel Jesubow einzufrieren sind. Jesubow, ein Cousin des russischen Oligarchen Oleg Deripaska, wird im Register der wirtschaftlichen Eigentümer des Finanzministeriums als „indirekter wirtschaftlicher Eigentümer“ des Hotels Aurelio in Lech am Arlberg geführt.

Wichtiger Waffenlieferant

„Eine von der DSN durchgeführte Überprüfung der natürlichen und juristischen Personen des 7. Sanktionenpaketes erzielte einen Treffer. Aus diesem Grund wurden am 22. Juli die zuständigen Gerichte verständigt“, erklärte am Donnerstag ein Sprecher des Innenministeriums. Die Rede ist vom 46-jährigen Pawel Aleksejewitsch Jesubow, einem nahen Verwandten des bereits am 8. April 2022 von der EU sanktionierten Oleg Deripaska.

Deripaska, der ein wichtiger Lieferant von Waffen und militärischer Ausrüstung für die russischen Streitkräfte sei, habe seinem Cousin Jesubow „erhebliche Vermögenswerte“ übertragen, darunter über die im Eigentum von Jesubow stehende russische Holdinggesellschaft Gost Hotel Management auch ein Hotel in Lech in Österreich, heißt in der am 21. Juli veröffentlichten Begründung des Sanktionsbeschlusses. Im Amtsblatt der Europäischen Union fehlte dabei das genaue Geburtsdatum sowie der eigentlich obligatorische russische Vatersname des nunmehr Sanktionierten.

In öffentlichen Firmenbüchern selbst lässt sich Jesubows Eigentümerschaft des Hotels Aurelio nicht unmittelbar belegen. Die Besitzerstruktur erinnert an eine russische Matrjoschka mit zumindest sechs Puppen: Das Lecher Hotel gehört der österreichischen Aurelio GmbH & Co KG, die ihrerseits der zypriotischen Dornton Limited gehört. Letztere steht im Eigentum der im Sanktionsbeschluss genannten Gost Hotel Management, die der russischen GmbH Ewoljuzija gehört, die selbst der russischen GmbH Polarjon gehört, die ihrerseits wiederum im Besitz der russischen Aktiengesellschaft Tensor steht. Wer die Aktien dieser AG hält, scheint im russischen Firmenregister nicht auf.

Im österreichischen Grundbuch wurden die Sanktionen gegen Jesubow bisher noch nicht vermerkt: Eine Vertreterin des für Lech zuständigen Bezirksgerichts Bludenz erklärte am Donnerstag, dass noch kein diesbezügliches Schreiben der DSN eingelangt sei. 

Nawalny-Stiftung kritisch

Die Stiftung des inhaftierten Putin-Gegners Alexej Nawalny verlangte von Österreich erst im Juni, das kleine Nobelhotel „Aurelio“ in Lech am Arlberg im Rahmen der Russland-Sanktionen der EU „einzufrieren“. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „profil“. Eigentümer der Mutterfirma des Hotels sei zwar nicht mehr der russische Industrielle Oleg Deripaska, aber sie gehöre nun seinem Cousin, argumentierte die Nawalny-Stiftung. Ein Hebel, um in den USA und in Europa Druck gegen Präsident Wladimir Putin aufzubauen, wären konsequente Sanktionen gegen russische Oligarchen. 

Der russische Milliardär Oleg Deripaska gilt als Vertrauter Wladimir Putins.
Der russische Milliardär Oleg Deripaska gilt als Vertrauter Wladimir Putins.