„Einfach zu sagen, die in Wien wollen nicht“

Vorarlberg / 29.07.2022 • 17:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Güterterminal Wolfurt: Der Güterverkehr sorgt für Kopfzerbrechen. <span class="copyright">VN/Lerch</span>
Güterterminal Wolfurt: Der Güterverkehr sorgt für Kopfzerbrechen. VN/Lerch

Einseitige Perspektiven zur Unterflurtrasse.

Bregenz, Wien Derzeit brüten die ÖBB unter dem Titel Zielnetz 2040+ über die Anforderungen an das Schienennetz in Österreich. Aus Vorarlberger Sicht ist hier ein Kernelement die Verkehrssituation im Großraum Bregenz. Franz Hammerschmid ist für den Schienenausbau verantwortlich.

 

Stichwort „Zielnetz 2040+“, was braucht es in Vorarlberg?

Hammerschmid Die große Frage ist, was wollen die Menschen in Österreich für ein Angebot im Zugfahrplan, mit Verbindungen, Intervallen und Haltestellen. Eingebunden sind unter anderem auch das Land Vorarlberg, das Infrastruktur- und das Finanzministerium. Es zeigt sich, dass der Bedarf im engmaschigen Nah-, Fern- und Güterverkehr im Rheintal steigt. Hier braucht es zusätzliche Gleiskapazitäten, wie wir es auch zwischen Freilassing und Salzburg gemacht haben. In beiden Fällen geht es um die Herausforderung, S-Bahn, Railjet und Güterverkehr möglichst ohne Behinderung zu vereinen.

 

Womit wir bei der Unterflurtrasse in Bregenz wären. Schauen die ÖBB hier rein auf die eigenen Bedürfnisse?

Hammerschmid Ich weiß, es ist einfach zu sagen, die in Wien wollen nicht. Die vorgestellte Studie entstand im Auftrag des Landes, gemeinsam mit den ÖBB. Die Debatte wird stark aus der Sicht der Anrainer geführt. Die Sicht des Fahrgastes kommt zu kurz, wie auch die des Steuerzahlers. Eine Unterflurlösung bedeutet etwa auch längere und komplexere Wege mit Koffer und Kinderwagen. Dann kommen noch Sicherheitsfragen, etwa der Brandschutz.

 

Und damit auch gegen einen Pfändertunnel für den Güterverkehr?

Hammerschmid Man könnte natürlich den Bahnhof in den Pfänder verlegen. Die Erfahrungen zeigen jedoch, je weiter weg die Bahnhöfe von der Bevölkerung sind, desto weniger werden sie genutzt.

Bei einem Bahntunnel rein für den Güterverkehr muss man sich die Mengen ansehen. Wenn ich auf der Weststrecke nach Salzburg über 100 Güterzüge am Tag habe und hier unter zehn, müsste ich mich vor dem Rechnungshof verantworten, ob dies ein sinnvoller Einsatz des Steuergeldes ist. Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass sich Güterzüge weiterentwickeln. Die moderne Generation ist so leise, da kann man sich auf dem Bahnsteig unterhalten wenn einer durchfährt. Für Vorarlberg ist außerdem vor allem der Ost-West-Verkehr von Bedeutung, sei es über Feldkirch oder Lustenau.

 

Eine der großen Bremsen im Ost-West-Verkehr ist die Arlbergstrecke.

Hammerschmid Wo es geht, bauen wir aus, so wie derzeit der zweigleisige Ausbau des Klosterbogens bei Bludenz. Mit dem, was möglich ist, gewinnen wir an Fahrplanstabilität und hier und dort ein paar Minuten. Aber keine halbe Stunde, die notwendig wäre, damit unsere Züge früher in die Netze in Deutschland und der Schweiz übernommen werden. Dafür bräuchte es einen Arlbergbasistunnel zwischen Bludenz und Tirol. Ich habe bislang noch keine Forderung von Experten nach einem Arlberg-Basistunnel gehört.

 

Ein ewiges Wunschkind ist auch die schnelle Verbindung von Zürich über Bregenz und München nach Wien.

Hammerschmid Zwar gibt es Zusagen, Deutschland hat jedoch derzeit ganz offensichtlich andere Prioritäten. Dies muss man als ÖBB akzeptieren.

 

Liechtenstein sprach sich gegen FL.A.CH aus. Wird es im Zielnetz wieder ein Thema werden?

Hammerschmid Das Ergebnis der Volksabstimmung ist bedauerlich. Im Vorarlberger Abschnitt werden wir die geplanten Modernisierungen der Haltestellen vornehmen. Im Fürstentum ist es unsere Aufgabe, die Gleisanlagen funktionsfähig zu halten. Weiterführende Planungen gibt es derzeit nicht. Wir müssten uns ansonsten auch die Frage gefallen lassen, ob wir die Volksabstimmung nicht verstanden haben. Aber wir stehen immer für Gespräche zur Verfügung. VN-RAU