G7 fordern Rückzug aus AKW

Vorarlberg / 10.08.2022 • 22:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das AKW Saporischschja wird von den Russen kontrolliert. AP
Das AKW Saporischschja wird von den Russen kontrolliert. AP

Russland erhebt Vorwürfe gegen UN. Örtlicher Notstand auf der Krim ausgerufen.

Kiew, Moskau Nach den Explosionen auf dem Militärstützpunkt Saki auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim haben die Behörden den Notstand in dem Landkreis ausgerufen. Verwaltungschef Sergej Aksjonow sagte am Mittwoch der russischen Nachrichtenagentur Interfax, dass mindestens 252 Bewohner des benachbarten Kurorts Nowofjodorowka in Notunterkünfte umgesiedelt werden. Die Gasversorgung zweier Ortschaften wurde demnach vorübergehend abgestellt. Bei den Explosionen am Dienstag ist nach offiziellen Angaben mindestens ein Mensch ums Leben gekommen, 14 Menschen wurden verletzt.

Laut Aksjonow laufen strafrechtliche Ermittlungen zu den Explosionen. Das russische Verteidigungsministerium nennt bisher einen Verstoß gegen die Brandschutzregeln als wahrscheinlichste Ursache des Vorfalls. Experten vermuten, dass diese Version aus Imagegründen präsentiert wird. Moskau wolle seine Verletzlichkeit durch ukrainische Waffensysteme nicht eingestehen, hieß es. Zahl und Wucht der Explosionen legten dagegen einen gezielten Angriff der Ukraine nahe. Es wäre die erste militärische Attacke auf Ziele auf der Schwarzmeerhalbinsel, die Russland 2014 annektiert hat. Beobachter gingen zunächst von einem Sabotageakt aus, da die ukrainischen Truppen vom Ort des Geschehens mehr als 200 Kilometer entfernt sind und bisherigen Berichten zufolge über keine Raketen mit dieser Reichweite verfügen. 

Raketenbeschuss

Im ukrainischen Gebiet Dnipropetrowsk sind durch nächtlichen Raketenbeschuss offiziellen Angaben zufolge mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen, informierte der Chef der regionalen Militärverwaltung, Walentyn Resnitschenko. Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben durch Raketenbeschuss eine Brücke beim Staudamm von Nowa Kachowka im Süden der Ukraine unbrauchbar gemacht. “Der Treffer war akkurat, aber wirksam”, teilte das Armeekommando Süd am Mittwoch mit. Von der Besatzungsverwaltung gab es dazu bisher keine Informationen. Auf der Südseite des Kachowka-Stausees befindet sich das von russischen Kräften kontrollierte AKW Saporischschja. Nachdem am Wochenende die Nuklearanlage selbst unter Beschuss geriet und beschädigt wurde, geben sich beide Seiten die Schuld für die Vorfälle. Die Außenminister der G7 haben Moskau aufgefordert, das Kernkraftwerk unverzüglich wieder der vollständigen Kontrolle der Ukraine zu unterstellen. “Es ist Russlands fortdauernde Herrschaft über das Kernkraftwerk, die die Region gefährdet”, kritisierte die Runde. 

Der Chef des ukrainischen Atomkraftbehörde Enerhoatom, Petro Kotin, forderte die Rückeroberung des AKWs rechtzeitig vor dem Winter. Der russische Beschuss habe drei Leitungen beschädigt, die Saporischschja mit dem ukrainischen Stromnetz verbinden würden. Russland wolle dagegen die Anlage an sein Netz anschließen. Das russische Außenministerium hat indes bezüglich der Eskalation um das Atomkraftwerk schwere Vorwürfe gegen die UN erhoben. Außenamtssprecherin Maria Sacharowa warf den verantwortlichen Stellen vor, eine Inspektionsreise der Internationalen Atombehörde (IAEA) verhindert und damit eine Eskalation der Lage provoziert zu haben.

Der erste Frachter seit Kriegsbeginn ist in der Ukraine gelandet. RTS
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Die Raketeneinschläge haben im ukrainischen Dorf Kuschuhum riesige Krater hinterlassen. RTS
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