Jagdwahnsinn auf der Kanisfluh: Umweltabteilung kündigt Prüfung an

Vorarlberg / 13.08.2022 • 05:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der professionelle Jagdfilmer (l.) und die beiden Jagdpächter sorgen mit ihrem Vorgehen für heftige Diskussionen. <span class="copyright">Screenshot</span>
Der professionelle Jagdfilmer (l.) und die beiden Jagdpächter sorgen mit ihrem Vorgehen für heftige Diskussionen. Screenshot

Neues Video zeigt irritierende Details. Unterschiedliche Meinungen bei Gesprächen.

Schnepfau Der Jagdwahnsinn auf der Kanisfluh sorgt weiter für Kopfschütteln. Am Freitag fanden Gespräche mit der Jägerschaft statt. Ein neues Video offenbart indes weitere irritierende Details des Steinbockabschusses.

„Die Geiß ist unglücklich in sehr unwegsamem Gelände verendet“, schildert der professionelle Jagdfilmer, der die beiden deutschen Pächter der Eigenjagd Wirmboden-Kanisfluh in Schnepfau begleitet hat, auf Instagram. Sie liege „etwa 50 Meter tief im Abgrund. Einzige Möglichkeit: Abseilen von oben und das Seil wieder hoch.“

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Der Jagdausflug gipfelte wie berichtet darin, dass sich die Weidmänner samt Steinbock mit dem Hubschrauber von der Kanisfluh runterfliegen ließen. Das Bergmassiv, das auch gerne als das Wahrzeichen des Bregenzerwaldes bezeichnet wird, wurde vor knapp zwei Jahren unter Landschaftsschutz gestellt. Seither darf man dort weder zelten noch das Gelände ohne zwingenden Grund mit einer Drohne oder dem Hubschrauber in einer Höhe von weniger als 300 Meter überfliegen. Das Trio aus Deutschland schleppte sich mit Hilfe von zwei ortskundigen Bergsteigern bis zu den steilen Felsen auf der Nordseite der Kanisfluh. Am Berg wurde auch ein Nachtlager aufgeschlagen.

“Sensationshascherei”

An dieser Stelle sei noch nie ein Steinwild erlegt worden, unterstreicht der Bregenzer Bezirksjägermeister Hans Metzler. „Ein vernünftiger Jäger würde da nie hinaufgehen, weil dort der Einstand des Wildes ist“, betont er. Außerdem sei es keine gezielte Jagd gewesen. Die Pächter hätten einfach gewartet, bis irgendein Steinwild auf die Fläche kommt. “Das hat nichts mit Jagdethik zu tun. Das ist Beutetrieb oder Sensationshascherei”, ärgert sich der Bezirksjägermeister. Für den „Wahnsinn“ macht Metzler nicht zuletzt den Obmann verantwortlich, der Steinwild in den Abschussplänen freigebe und dem Pächter so vorgaukle, dass man dort Steinwild jagen kann.

Die Deutschen haben die 250 Hektar große Eigenjagd Wirmboden-Kanisfluh in Schnepfau seit 1. April dieses Jahres von der gleichnamigen Agrargemeinschaft gepachtet. Fachleute gehen davon aus, dass sie pro Jahr an die 14.000 Euro dafür bezahlen. Im Gegenzug hätte ein über elf Jahre alter Bock ebenfalls einen Marktwert von über 10.000 Euro.

Zwei Meinungen

In Bezug auf den Ablauf des Jagdausflugs gingen die Meinungen ein bisschen auseinander, berichtet Hubert Schatz, beim Land für jagdfachliche und wildökologische Angelegenheiten zuständig, von den Gesprächen. Laut dem Jagdaufseher, der die Weidmänner von dem Trip abhalten wollte, sei das alles schon von langer Hand vorbereitet gewesen. Die Wirmboden-Pächter hätten gesagt, dass sie sich nicht mehr runtergetraut und deswegen einen Hubschrauber gebraucht hätten. Den Mindestabstand mit der Drohne wollen sie ebenfalls eingehalten haben. “Jagdrechtlich haben sie in dem Sinn nichts gemacht, was verboten wäre.  Aber im Grunde genommen geht man da nicht rauf jagen”, hält Schatz fest. 

Was die Landschaftsschutzverordnung betrifft, könnte der Jagdwahnsinn allerdings noch Konsequenzen haben. “Wir schauen uns das ganz genau an”, kündigt Umweltlandesrat Daniel Zadra an. Im Paragraf 3 sei klar geregelt, dass in dem Gebiet weder mit Drohnen noch mit Hubschraubern geflogen werden darf. Ausnahme gelten nur bei zeitgemäßer und ordnungsgemäßer land- und forstwirtschaftlicher sowie jagd- und fischereilicher Nutzung. Zadra: “Ob das hier der Fall ist, ist mehr als fraglich. Daher ist zu überprüfen, ob ein Strafverfahren sowohl gegen die Jagdpächter als auch gegen das Luftfahrtunternehmen einzuleiten ist.” VN-GER