Gewaltiger Felssturz im Nenzinger Himmel beobachtet

Vorarlberg / 15.08.2022 • 13:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gewaltiger Felssturz im Nenzinger Himmel beobachtet
Am Freitag musste die Polizeiflieger zur Abklärung in die Silvretta. APA, Eisele

Am Freitag konnte man vom Nenzinger Himmel gleich zwei Bergstürze im Rätikon beobachten.

Nenzing Gegen 14:25 Uhr erhob sich weit sichtbar eine Staubwolke vom Schafberg, als die Felsmassen gen Tal stürzten. Doch damit nicht genug, kurz nach 18 Uhr kam es zu einem zweiten Bergsturz, gut sichtbar vom Nenzinger Himmel aus.

Beim ersten Felssturz am Nachmittag ist gut ersichtlich, welchen Weg das Gestein nahm. <span class="copyright">Eisele</span>
Beim ersten Felssturz am Nachmittag ist gut ersichtlich, welchen Weg das Gestein nahm. Eisele

Günter Eisele hielt beide Felsstürze fotografisch fest, die großen Staubwolken deuten auf bedeutende Bergstürze hin. Die alarmierte Notrufzentrale entsandte den Polizeihubschrauber Libelle zur Abklärung ins Gebirge. Das Ergebnis war beruhigend, der Sturz geschah im freien Gelände. Anzeichen, dass jemand durch die Gerölllawine gefährdet wurde, waren nicht ersichtlich.

Eine gewaltige Staubwolke verhüllt den Berghang. <span class="copyright">Eisele</span>
Eine gewaltige Staubwolke verhüllt den Berghang. Eisele

Reinhard Jochum, Obmann des Alpenvereins Nenzing, gibt ebenfalls Entwarnung: “Kaputt gegangen ist nichts”, beruhigt er. Weder Wanderwege noch Straßen lagen im Sturzgebiet, niemandem sei etwas passiert. Das Ausmaß der Bergstürze sei durchaus beachtlich gewesen, räumt Jochum ein: “So etwas haben wir jetzt nicht allzu oft.” Wenig überrascht ist der Obmann des Alpenvereins Vorarlberg, Andreas Schmid. Schließlich sei der Schafberg regelrecht mit Schotter übersäht. Und die extremen Wetterereignisse machen solche Felsstürze nur wahrscheinlicher.

Brüchige Berge durch Klimawandel

Tatsächlich lässt der Klimawandel nicht nur gut sichtbar die Eisgletscher abschmelzen, sondern taut auch Permafrostböden im Hochgebirge auf. Durch die locker werdenden Böden und Schmelzwasser verlieren Felsgrate und Bergflanken an Stabilität, das Gelände wird brüchig.

Der zweite Bergsturz am Abend, der Berghang ist mit Staubwolken eingedeckt. <span class="copyright">Eisele</span>
Der zweite Bergsturz am Abend, der Berghang ist mit Staubwolken eingedeckt. Eisele

Betroffen sind vor allem Gebiete oberhalb von 2000 Metern Seehöhe wie die Silvretta im Süden des Landes. Bereits seit Jahren warnt der Alpenverein vor den veränderten Bedingungen am Berg, die auch vom Verein als Wegeerhalter viel abverlangen. Doch auch viele Routen wurden durch die neuen Bodenverhältnisse gefährlicher.

Entsprechend empfiehlt der Alpenverein den Berggehern, sich gut vorzubereiten. So ist ein Helm zum Schutz vor Steinschlägen oft angebracht. Immer empfiehlt es sich jedoch, sich im Vorfeld etwa bei Hüttenpächtern oder Tourismusbüros über das Gelände kundig zu machen.