Ältere am stärksten armutsgefährdet

Vorarlberg / 21.08.2022 • 16:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ältere am stärksten armutsgefährdet
Symbol/DPA

Bundesweit trifft es eher Junge, hierzulande ab 65-Jährige und überwiegend Frauen.

SCHWARZACH Die Teuerung trifft einkommensschwache Haushalte am härtesten. Das wird von Wirtschaftsforschern bestätigt und ist soweit keine Überraschung: Wer wenig Geld zur Verfügung hat, muss einen größeren Teil davon für Dinge wie den Energieverbrauch aufwenden, bei denen die Teuerungsraten weit überdurchschnittlich sind.

Ältere am stärksten armutsgefährdet

Zu einkommensschwachen Haushalten zählen in jedem Fall solche mit armutsgefährdeten Frauen, Männern und Kindern. In Vorarlberg handelte es sich laut einer Erhebung der Statistik Austria in den Jahren 2019 bis 2021 um durchschnittlich 18 Prozent der Bevölkerung. Wobei die Unterschiede nach Altersgruppen erheblich sind: Anders als in Österreich insgesamt ist die Armutsgefährdung nicht bei den Jüngsten am größten, sondern bei den Ältesten. Bei ab 65-Jährigen beträgt der Anteil der Betroffenen 27, bei bis 17-Jährigen 21 Prozent. Bei 18- bis 64-Jährigen, die sich überwiegend im klassischen Erwerbsalter befinden und Geld verdienen, sind es „nur“ 15 Prozent.

Ausgleichsmaßnahmen

Von Armutsgefährdung spricht man, wenn das verfügbare Monatseinkommen eine bestimmte Schwelle unterschreitet. Bei allein lebenden Menschen beträgt sie beispielsweise 1371 Euro, bei zwei Erwachsenen unter einem Dach 2057 Euro und bei einer dreiköpfigen Familie mit einem Kind 2469 Euro. Mit der Zeit steigen diese Werte, ohne ausreichende Ausgleichsmaßnahmen könnte es nun also passieren, dass es mehr und mehr Armutsgefährdete gibt. Zu den ab 65-Jährigen, die in Vorarlberg bereits davon betroffen sind, gibt es keine Auswertung nach Geschlecht. Michael Diettrich, Sprecher der Armutskonferenz, bestätigt aber, dass viel eher Frauen als Männer darunter sein dürften. Sie bringen alles in allem wesentlich weniger Einkommen und damit auch Pensionsansprüche zusammen.

Stark steigende Kosten

Jetzt schlägt auch noch die Teuerung zu. „In Vorarlberg trifft sie besonders Seniorinnen, die noch allein ein Haus bewohnen und mit stark steigenden Kosten konfrontiert sind“, so Diettrich. Staatliche Unterstützungen würden die wachsende Belastung lindern. Im Übrigen unterstützt der Experte unter anderem den Ansatz, kleinere Pensionen stärker zu erhöhen.

Längerfristig sieht Michael Diettrich die Notwendigkeit, zur Armutsbekämpfung die Erwerbsbeteiligung und die Einkommensverhältnisse von Frauen zu verbessern: „Das ist auch ein familienpolitisches Thema, gerade hier in Vorarlberg, wo immer von Wahlfreiheit die Rede ist. Wahlfreiheit ist jedoch erst dann gegeben, wenn Bedingungen geschaffen sind, dass Frauen arbeiten gehen können und es auch befürwortet wird. Die Vorstellung, dass Mütter zu Hause bleiben, ist noch zu sehr verankert. Genau das ist jedoch eine Armutsfalle.“