„Das war wie eine Explosion“

Vorarlberg / 01.09.2022 • 23:11 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In Liechtenstein hat die Erde gebebt. Nach den Erdstößen wurde in Vaduz das Parlamentsgebäude geräumt.<span class="copyright">reuters</span>
In Liechtenstein hat die Erde gebebt. Nach den Erdstößen wurde in Vaduz das Parlamentsgebäude geräumt.reuters

Heftiges Erdbeben in Liechtenstein auch in Vorarlberg deutlich spürbar.

Vaduz Um 13.57 Uhr war es mit der Ruhe im beschaulichen Liechtenstein vorbei. Ein heftiges Erdbeben hat am Donnerstagnachmittag das Fürstentum erschüttert. Nach Angaben des Österreichischen Erdbebendienstes der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) erreichten die Erdstöße eine Magnitude von 3,8. Das Beben war auch im Vorarlberger Oberland und in der Ostschweiz zu spüren. auch ein schwächeres Vorbeben wurde von den Menschen wahrgenommen. Tatsächlich war das Beben weiträumig zu bemerken, Auch in der deutschen Gemeinde Schwörstadt im Landkreis Lörrach in Baden-Württemberg. Dort soll die Erde mit einer Stärke von 3,1 gezittert haben.

Das Epizentrum lag nordöstlich der Hauptstadt Vaduz, die nur 15 Kilometer von Feldkirch entfernt liegt. Schadensmeldungen gingen indes keine ein. Der Eidgenössische Erdbebendienst der ETH Zürich sprach von zwei Erdstößen mit einer Stärke von 2,1 und 3,9 auf der Richterskala. Nach Informationen der Liechtensteiner Landespolizei haben sich die Erdbeben in einem Abstand weniger Sekunden kurz nacheinander ereignet. Die Polizei bekam daraufhin sehr viele Anrufe von besorgten Bürgerinnen und Bürgern.

Während einer Erdbeben-Debatte im Landtag erzitterte der Saal.
Während einer Erdbeben-Debatte im Landtag erzitterte der Saal.

Ironie der Ereignisse: In Vaduz bebte die Erde genau in dem Moment, als das Liechtensteiner Parlament gerade das Postulat zur Erdbebenversicherung für das Fürstentum behandelte. Das erste Beben während des Votums von Bettina Petzold-Mähr sorgte bei der FBP-Abgeordneten noch für ein Schmunzeln. Als dann der zweite, deutlich stärkere Erdstoß das Parlamentsgebäude erschütterte, ließ Landtagspräsident Albert Frick den Saal räumen. Die Abgeordneten eilten daraufhin sofort ins Freie.

<p class="infozeile">Es war ein lautes Grollen zu hören. Die Wände, die Decke und der Boden haben gewackelt. Danach haben wir sicherheitshalber das Gebäude für kurze Zeit verlassen. <strong><span class="namen">Nathalie Bacher</span> </strong>aus Hard, Rechtsanwältin in Vaduz</p>

Es war ein lautes Grollen zu hören. Die Wände, die Decke und der Boden haben gewackelt. Danach haben wir sicherheitshalber das Gebäude für kurze Zeit verlassen. Nathalie Bacher aus Hard, Rechtsanwältin in Vaduz

Genauso erging es vielen anderen Menschen in Liechtenstein, die vom kräftigen Erdbeben unvermittelt überrascht wurden. Die Erschütterungen sorgten in der Stadt Vaduz und den Gemeinden des Landes für große Verunsicherung in der Bevölkerung. Vielerorts rannten die Personen aus den Häusern, Geschäften und Firmen auf die Straßen. Am eigenen Leib das Erdbeben in Liechtenstein miterlebt hat auch die Vorarlberger Rechtsanwältin Natalie Bacher aus Hard, die in einer Anwaltskanzlei in Vaduz beschäftigt ist. „Plötzlich zitterte das ganze Gebäude. Wir wussten zunächst überhaupt nicht was da passiert ist und haben sicherheitshalber das Haus verlassen.“ Dem Schweizer Erdbebendienst zufolge handelte es sich um zwei Beben mit Epizentrum in einer Tiefe von 500 Metern auf Triesenberger Gemeindegebiet. So waren die Erdstöße auch im Großraum Feldkirch und im Walgau deutlich wahrnehmbar. Wie etwa im Nenzinger Ortsteil Mittelberg. Im dortigen Gewerbegebiet hat Wolfgang Pfaff seinen Malerbetrieb. „Ich saß gerade am Schreibtisch, als plötzlich die gesamte Stahlkonstruktion unserer Halle vibriert hat. Es war so, als hätte es eine Explosion gegeben. Als ich ums Gebäude herumgelaufen bin, konnte ich aber nichts feststellen.“

<p class="infozeile">Ich bin im Büro am Schreibtisch gesessen, als plötzlich die ganze Stahlkonstruktion unserer Halle vibriert hat. Das war, als hätte es eine Explosion gegeben. Alles hat gewackelt. <span class="namen"><strong>Wolfgang Pfaff,</strong></span> Malerbetrieb in Nenzing</p>

Ich bin im Büro am Schreibtisch gesessen, als plötzlich die ganze Stahlkonstruktion unserer Halle vibriert hat. Das war, als hätte es eine Explosion gegeben. Alles hat gewackelt. Wolfgang Pfaff, Malerbetrieb in Nenzing

Erdbeben mit dieser Stärke gebe es im Schnitt einmal pro Jahr, sagte Philipp Kästle vom Schweizer Erdbebendienst gestern gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Das St. Galler Rheintal sei ein Gebiet mit erhöhter Häufigkeit von Erdbeben. Das letzte ähnlich starke Ereignis in der Region habe es im Dezember 2013 bei Sargans gegeben.