Bezirksgericht: Der Freund lag tot im Bett, weil…

Vorarlberg / 02.09.2022 • 13:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Am Bezirksgericht Bregenz wurde ein ominöser Fall um eine Leiche im Schlafzimmer verhandelt.  vn/gs

23-jährige Angeklagte sollte vor Gericht erklären, weshalb ihr Lebensgefährte sterben musste.

Bregenz Dieser Prozess am Bezirksgericht Bregenz ist ungewöhnlich. Weil das, worum es geht, rätselhaft ist. Angeklagt ist eine 23-jährige Südeuropäerin. Die Frau hatte an einem Morgen ihre Wohnung im Vorarlberger Unterland verlassen, als ihr Freund noch schlief. So jedenfalls behauptet es die Beschuldigte vor Richter Christian Röthlin.

„Blass und röchelnd“

Tatsache aber ist, dass der Mann tot im Bett gelegen war. So fand ihn später der Arzt vor. Die angeklagte Freundin des Verstorbenen hingegen beteuert vor Gericht: „Als ich damals aufwachte und wegging, war er zwar nicht wach, aber blass und röchelnd. Außerdem bewegte er sich. Weil das bei ihm aber nichts Ungewöhnliches ist, dachte ich mir nichts dabei“, schildert die 23-Jährige und erwähnt noch: „Nach Mitternacht ist mein Freund noch mit einem Bekannten weggegangen. Als er zurückkam, fiel ihm aus der Tasche eine orangefarbene Tablette.“ Sie selbst hätte dann um 8.30 Uhr zu einem dringenden Termin nach Feldkirch eilen müssen. Es sei um die Betreuung ihrer Kinder gegangen, begründet sie.

Eine geladene Zeugin und Bekannte der 23-Jährigen sagt jedoch aus: „Sie (die Beschuldigte) kam damals zu mir ins Geschäft, um 50 Euro abzuholen. Sie war blass und wirkte ängstlich und nervös, anders als wie sonst. Als ich sie fragte, ob sie denn okay sei, antwortete sie, dass sie jetzt gehen müsse. Denn sie hätte noch viel zu tun.“

Der ominöse „Chauffeur“

Dann wäre da noch ein weiterer Angeklagter, der Näheres über das Geschehen erzählen könnte. Dem Mann, im Prozess als „Chauffeur einer Bekannten“ bezeichnet, war von der Beschuldigten ein Wohnungsschlüssel ausgehändigt worden. An jenem Vormittag traf er im Rahmen eines Besuchs auf den Leblosen im Schlafzimmer.

Doch der Mann bleibt der Verhandlung fern. Richter Röthlin stützt sich deshalb auf die polizeiliche Einvernahme des Betreffenden, der darin angab: „Ich habe den Schlafenden geohrfeigt und ihm Wasser ins Gesicht geschüttet, doch er wachte nicht auf.“ Dann sei er gegangen. Ohne sich um ärztliche Hilfe zu kümmern.

Bei der Verhandlung am Bezirksgericht sind Familienmitglieder des Verstorbenen anwesend. Dabei werfen sie immer wieder die groteske Anekdote „Die Angeklagte hat vorher angekündigt, dass ihr Freund langsam sterben werde“ in den Raum.

Unterlassene Hilfeleistung

Die Obduktion des Leichnams ergab später Intoxikation ( Vergiftung) aufgrund der Einwirkung von Methadon und Kokain und Erstickungstod als Todesursache. Weil nicht mehr über die Hintergründe des damaligen Geschehens zu erfahren waren, verurteilt Richter Röthlin die Angeklagte wegen des Vergehens der unterlassenen Hilfeleistung zu einer unbedingten Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu je sechs Euro (1800 Euro) und den zweitbeschuldigten „Chauffeur“ zu hundert Tagessätzen zu je vier Euro. Des Richters kurze Begründung: „Es wäre Ihnen damals zumutbar gewesen, ärztliche Hilfe zu rufen. Doch Sie haben es unterlassen.“