Sanktions-Slalom um ­Deripaska-Hotel „Aurelio“

Vorarlberg / 02.09.2022 • 22:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Luxushotel Aurelio erlebte offenbar einen weiteren Weiterverkauf. HB
Luxushotel Aurelio erlebte offenbar einen weiteren Weiterverkauf. HB

Eingefroren und aufgetaut: Das Deripaska-Hotel will sich aus der Sanktionsfalle winden.

LECH Es ist ein Wirtschaftskrimi im Umfeld von russischen Oligarchen und EU-Sanktionen – und er spielt mitten am Arlberg. Die verworrene Eigentümerschaft des berühmtesten Vorarlberger Hotels – des Luxushotels Aurelio in Lech – ist um ein großes Kapitel reicher. Offenbar wurde das Hotel erneut weiterverkauft, um EU-Sanktionen zu umgehen. Derzeit aber ist die Sanktionsfalle am Arlberg zugeschnappt.

Blieb in der Familie

Der russische Oligarch Oleg Deripaska verkaufte Anfang des Jahres das teuerste Skihotel der Welt an seinen Cousin, wie die VN offenlegten. Nach dem Angriffskrieg auf die Ukraine dauerte es schon Wochen, bis Deripaska selbst auf die Sanktionsliste der EU kam – und es sollte bis Juli dauern, bis auch sein Cousin Pavel Ezubov auf die Sanktionsliste kam. Der entsprechende EU-Akt erwähnt unter seinen Besitztümern auch konkret „ein Hotel in Lech (Österreich) über die in Russland ansässige Holdinggesellschaft Gost Hotel Management LLC“ – das Aurelio am Schlegelkopf-Hang über Lech am Arlberg.

Seit Anfang August hat das Bezirksgericht Bludenz deshalb die Aurelio GmbH und das in ihrem Besitz befindliche Grundstück in Lech in den Unterlagen verplombt – die Behörde hat den Besitz von Deripaskas Cousin aufgrund der Sanktionen eingefroren.

Wie VN-Recherchen belegen, wehrt das Hotel Aurelio sich aber seither gegen die Sanktionen. „Diese hätten auf den laufenden Betrieb ohnedies keine Auswirkungen“, sagt Aurelio-Geschäftsführer Axel Pfefferkorn auf unsere Anfrage. Nur der Verkauf des Grundstücks oder von Firmenteilen würde durch die Sanktionen verhindert. Pfefferkorn bestätigt aber den Einspruch gegen die von der DSN, der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst im Innenministerium, gemeinsam mit dem Bezirks- und Landesgericht getroffene Entscheidung. Das Landes- und Oberlandesgericht sind eingeschaltet mit dem Ziel dass die Sanktionen für das Aurelio fallen gelassen werden. „Das Aurelio hat eine neue Eigentümerstruktur, die nicht unter die Sanktionen fällt“, so Pfefferkorn. Wer die Eigentümer sind, darüber will Pfefferkorn nicht sprechen.

Nach den VN vorliegenden Informationen wurde die russische Firma „Tensor“, die an der Spitze der ähnlich einer russischen Matrjoschka-Puppe mehrfach verschachtelten Konstruktion steht, auf drei Aktionäre aufgeteilt. Einer davon ist nach wie vor Deripaskas Cousin – die zwei anderen russische Staatsbürger. Keiner der beiden Neuen steht auf der Sanktionsliste – und Cousin Ezubov hält nur mehr 41 Prozent. Sanktionen treffen nur Firmen, die zu überwiegenden Anteilen sanktionierten Russen gehören. Da der Verkauf im April durchgeführt worden sein soll, versucht das Hotel nun den Sanktionen zu entkommen.

Umstrittener Milliardär Oleg Deripaska.
Umstrittener Milliardär Oleg Deripaska.