Schwarze Tage bei Feldkirchs Schwarzen

Vorarlberg / 02.09.2022 • 17:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Fiel streute Petz-Bechter in sozialen Medien zum Abschied Rosen.VN
Fiel streute Petz-Bechter in sozialen Medien zum Abschied Rosen.VN

Frust und Chaos. Sie galt nicht nur in der Feldkircher Volkspartei als „letzte wirkliche politische Hoffnung für die nächsten Gemeindewahlen“, auch als klare Favoritin für das Erbe von Stadtchef Wolfgang Matt (66, VP) wurde Stadträtin Gudrun Petz-Bechter (46, VP) gehandelt. Jetzt hat die dreifache Mutter von ihrer Partei die Nase offenbar gestrichen voll.

Sie zog die Reißleine, tritt von ihren politischen Funktionen zurück und hat Aussichten auf einen gut dotierten Job bei der Sparkasse in Feldkirch. Petz-Bechters Rückzug schlägt jedenfalls über die Partei­grenzen hinweg Wellen. Unter den Feldkircher Schwarzen sind jetzt frustrierte Gesichter zu sehen und die Frage „Wer soll nun für uns in die Wahl ziehen?“ sorgt für emotionale Debatten.

Während Stadtvertreter wie Christian Fiel (43, VP) Petz-Bechter in sozialen Medien zum Abschied Blumen streuen („Mit Gudrun verliert unsere Stadt eine überaus engagierte, talentierte und qualifizierte Politikerin“), scheint für andere festzustehen, dass Bürgermeister und VP-Stadtparteichef Matt „maßgeblich dafür verantwortlich ist“, dass die Juristin abtritt.

„Es gilt als offenes Geheimnis, dass Wolfgang mit Gudrun nicht konnte und sie als künftige Stadtchefin ausgebremst hat“, heißt es hinter den Kulissen. Matt, der übrigens in wenigen Tagen seinen 67. Geburtstag feiert, fördere vielmehr Jungstadtrat Wolfgang Flach (27, VP) als seinen Nachfolger.

Wirbel gab es bereits bei der Stadtvertretungssitzung im Juli, als Flach von Listenplatz 65 als Nachfolger von Rainer Keckeis als Stadtrat für Energie- und Klimaschutz aufrückte. Die vor ihm Gereihten auf der Liste mussten dafür auf ihr Mandat verzichten. Ein Betroffener weigerte sich zuerst, die Verzichtserklärung zu unterzeichnen.

Was das Erbe von Petz-Bechter im Stadtrat betrifft, so sollen die Stadtvertreter Peter Stieger (50, VP) und Manfred Rädler (57, VP) bereits in den Startlöchern scharren. Rädler saß übrigens bereits einmal im Stadtrat, damals allerdings noch für die Freiheitlichen.

 

Ungewohnt im Festspielhaus. „Ein Schwurblerkongress der besonderen Art“, kommentierte AK-Direktor Rainer Keckeis (64) auf Twitter auf die Frage, was denn das für eine Veranstaltung im Bregenzer Festspielhaus gewesen sei. Auf den Podien der Veranstaltung, die unter dem Titel „1. Internationaler Journalistenkongress“ firmierte: die rechtskonservativen Publizisten Roger Köppel (57, „Weltwoche“) und Roland Tichy (66), Servus-TV-Chefredakteur Ferdinand Wegscheider (62), der aus der Ibiza-Affäre bekannte Richard Schmitt (54, Exxpress) – dazu als Lokalkolorit Corona-Demo-Sprecher Christian Beer (61, Heron, Einheit-Initiative).

Festspielhaus-Geschäftsführer Gerhard Stübe (56) sagte auf Anfrage von den VN: „Der Veranstalter hat uns gegenüber angeben, es handele sich um eine Weiterbildung für junge Journalisten.“ Das sei tagsüber auch der Fall gewesen. „Die Abendveranstaltung war gemäß den Besuchern und am Podium – ,etwas anders’.“ Das dachte sich wohl auch ORF-Innenpolitikchef Hans Bürger (60), der dort den ORF auf dem Podium vertrat und offenbar ebenso vom Titel angelockt wurde wie ein anderer prominenter Vorarlberger: Die Eröffnungsworte sprach der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch (54, SPÖ) höchstselbst, der sich hinterher verschnupft zeigte.

Organisator ist der ehemalige ORF-Redakteur Gernot Hämmerle, der im Vorjahr beim Landesstudio ausschied. Financier ist die Libertatem-Stiftung aus Ruggell, die auch 25,1 % am digitalen Exxpress hält.