Keine Abgeltung für Prügelopfer

Vorarlberg / 05.09.2022 • 22:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dem Opfer einer Körperverletzung bleibt nur noch der Weg über das Zivilgericht.
Dem Opfer einer Körperverletzung bleibt nur noch der Weg über das Zivilgericht.

Teenager wurde zusammengeschlagen, bekommt aber außer Schadenersatz für eine Brille keinen Cent.

FELDKIRCH Zwei Jugendliche verprügelten im Februar einen 16-Jährigen. Die drei Oberländer Teenager hatten sich vorher getroffen. Zunächst kam es zu einem verbalen Streit. Unmittelbar danach schlugen zwei auf den Dritten ein. Die beiden Angreifer attackierten den Jungen mit Händen und Fäusten und traten auf ihn ein. Das Opfer lag am Boden, seine Brille ging zu Bruch. Der Junge benötigte eine neue, die kostete 630 Euro.

Amtsbekannte Täter

Beim Prozess am Landesgericht Feldkirch: Der Erstangeklagte hat bereits zwei Vorstrafen, der 16-Jährige ist arbeitslos, eine Lehrstelle hat er angeblich in Aussicht. Der zweite Angeklagte ist zwar noch unbescholten, aber ebenfalls amtsbekannt. Die Prügel hatten beim Opfer eine ausgekegelte Schulter, ein blaues Auge und einen Monat Krankenstand zur Folge. Der Teenager musste eine Armschlinge tragen und hatte zwei Monate Schmerzen.

Als der Bub, der nicht anwaltlich vertreten ist, vom Richter nach einer allfälligen Privatbeteiligung und somit einer Schmerzengeldforderung gefragt wird, tut er sich sichtlich schwer, die Frage zu beantworten. Als ihm erklärt wird, er könne es sich überlegen und sich später immer noch zivilrechtlich mittels Klage an den Schädiger wenden, nickt der Junge schüchtern und meint „ok“. Zuvor hatte die Verteidigerin des Erstangeklagten noch großzügig 200 bis 400 Euro Schmerzengeld angeboten, doch diese Chance hat der junge Mann im Strudel der rechtlichen Details nicht mitbekommen. Somit wird protokolliert, dass seitens des Geschädigten kein Schmerzengeld gefordert wurde. Was die Brille betrifft, erklärt man ihm, dass nur der Zeitwert der beschädigten Brille ersetzt wird und nicht der Betrag, den die neue Brille kostete. 200 Euro werden zugesprochen.

Nur noch über das Zivilgericht

Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) macht jeden Cent geltend, der durch die Krankenbehandlungen entstanden ist. Opfer von Schlägereien werden behandelt, die Rechnung geht normalerweise automatisch an die verurteilten Täter. Der Junge hingegen schaut vorerst durch die Finger. Zivilrechtlich gegen die zwei Täter vorzugehen, kostet weiter Zeit, Geld, Anwalt, und am Schluss ist fraglich, ob die zwei 16-Jährigen überhaupt fähig sind, zu zahlen. Wäre ihm der Betrag im Prozess zugesprochen worden, hätte er einen Titel in Händen und 30 Jahre Zeit, den Betrag relativ unkompliziert zu exekutieren. Die Mutter findet es ungerecht, dass ihr Sohn abgesehen von den 200 Euro kein Geld bekommt. Jetzt bleibt nur noch die Zivilklage. An Strafe wegen schwerer Körperverletzung werden beim Erstangeklagten 800, beim Zweitangeklagten 400 Euro unbedingt und 400 Euro auf Bewährung ausgesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. EC