Auf Lustenaus Spuren in Hohenems

Vorarlberg / 06.09.2022 • 16:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Lustenaus Gemeindearchivar Wolfgang Scheffknecht führte die Geschichtsinteressierten durch Hohenems. Gde
Lustenaus Gemeindearchivar Wolfgang Scheffknecht führte die Geschichtsinteressierten durch Hohenems. Gde

Lustenauer auf Archivspaziergang in der Nibelungenstadt.

Lustenau, Hohenems Kürzlich traf sich eine Gruppe geschichtsinteressierter Lustenauerinnen und Lustenauer in Hohenems vor der Kirche St. Karl zum Archivspaziergang mit Dr. Wolfgang Scheffknecht. Das Motto des Ausflugs war „Auf den Spuren der Lustenauer in Hohenems“. Der ursprüngliche Plan, auf den Schlossberg zur Ruine Alt-Ems zu wandern, wurde aufgrund der unsicheren Wetterverhältnisse fallengelassen, doch ein Spaziergang durch Hohenems bot eine gelungene Alternative.

Nach einem kurzen geschichtlichen Überblick über die Ritter und späteren Grafen von Hohenems und die früheren Herrschaftsverhältnisse vertiefte Wolfgang Scheffknecht seine Ausführungen in der dem Hl. Karl Borromäus geweihten Kirche. Dort erläuterte er die verschiedenen Vorgängerbauten im Kontext ihrer Entstehungszeit und wies unter anderem auf das Grabmal des Grafen Kaspar (1573–1640) hin. Unter Graf Kaspar erlebte Hohenems eine Blütezeit, der italienische Architekt Martino Longhi wurde mit dem Ausbau des Palastes beauftragt, es wurden ein Lusthaus, weitläufige Gartenanlagen sowie ein Tierpark angelegt. Durch einen Schutzbrief legte er den Grundstein für die Ansiedlung einer jüdischen Gemeinde in Hohenems.

Riechshof und Herrschaft Hohenems

Graf Kaspar beauftragte auch den Bau der Karl-Borromäus-Kapelle hinter dem heutigen Rathaus und früheren Gästehaus des Palastes, das die nächste Station der Wanderung bildete. Dort erläuterte Gemeindearchivar Wolfgang Scheffknecht viele Details der Beziehungen des Reichshofs Lustenau zur Herrschaft Hohenems.

Nach dem Besuch der Karl-Borromäus-Kapelle, wo Wolfgang Scheffknecht auf die Fresken mit Szenen aus dem Leben des heiligen Karl Borromäus hinwies, spazierte die Gruppe weiter zur Kapelle „San Toni“ mit dem dazugehörigen Friedhof, die dem heiligen Sebastian und dem heiligen Antonius geweiht ist. Der Friedhof wurde notwendig, als während einer Pestepidemie Anfang des 17. Jahrhunderts der Friedhof hinter St. Karl aus allen Nähten platzte. Weil ein Friedhof damals nicht ohne Sakralbau existieren durfte, wurde auch die Kapelle gebaut. In diesem Kontext entstand auch die Kirche in Ems-Reute, die dem Pestheiligen St. Rochus geweiht ist.

Ältestes Bild eines Lustenauers

Ein Gemälde an der Ostwand zeigt vier Geistliche, die einen Altar gestiftet haben, darunter der Lustenauer Pfarrer Georg Hämmerle. Es handelt sich dabei vermutlich um die älteste bildliche Darstellung eines Lustenauers.

Einer kurzen Friedhofsbesichtigung folgte ein Regenspaziergang zurück zum Palast Hohenems, wo Wolfgang Scheffknecht vor der dortigen Tafel mit dem Grundriss und Geländeplan der Burg Alt-Ems noch einige interessante Details zur Burganlage erläuterte.

Auf dem Gemälde dargestellt ist Pfarrer Georg Hämmerle, das vermutlich älteste Bildnis eines Lustenauers.
Auf dem Gemälde dargestellt ist Pfarrer Georg Hämmerle, das vermutlich älteste Bildnis eines Lustenauers.