Das Stück heißt „Ich“

Vorarlberg / 06.09.2022 • 22:01 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Das Stück heißt „Ich“

Manchmal lassen uns Fotos ratlos zurück. Da findet jede Urlaubsreise, jeder Sonntagsausflug, jeder Sonnenuntergang den Weg in die sozialen Medien. Und man denkt sich: Da lässt sich’s jemand aber gut gehen an so vielen spannenden Orten! Aber die Orte dienen nur als Kulisse. Diese Menschen reisen von Schloss zu Kathedrale, als wechselten sie lediglich die Bühnenbilder für ein und dieselbe Aufführung. Das Stück heißt „Ich“.

Es gibt das Stück in Varianten. Manchmal heißt es: „Seht her, das alles kann ich mir leisten!“ Dann werfen sich die Absender mit Markenware in Positur oder löffeln in noblen Restaurants das Schäumchen vom Süppchen, das eine Stange Geld gekostet hat. Das Stück namens „Ich“ kann so ein Menschenleben auch in einen nie enden wollenden Sommernachtstraum verwandeln. Dann erzählt es von der ewigen Jugend, und allerlei technische Hilfsmittel werden zu Betonung und Kaschierung ausufernd zu Rate gezogen.

Um die Kulissen ist es schade. Nie findet sich ein Foto von der verschwiegenen Ecke im Park oder der Statue, dem Gemälde, ohne dass sich der Mensch dekorativ davorwarf. Nur manchmal – selten genug – lässt jemand seine Eindrücke Revue passieren, erzählt gewissermaßen seine Reise nach, um anderen eine Freude zu machen. Das sind dann kostbare Momente. Weil da einer mehr zu teilen weiß als sein eigenes Zerrbild.