Ein Frühstart in die Traubenlese

Vorarlberg / 06.09.2022 • 19:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Im Weinbaugebiet Möth gibt es verschiedene Rebsorten.
Im Weinbaugebiet Möth gibt es verschiedene Rebsorten.

Klimawandel trifft Weinbau: Winzer Josef Möth hat schon mit der Weinernte begonnen. 2022 verspricht ein guter Jahrgang zu werden.

Bregenz Kniend auf dem von den Morgenstunden noch feuchten Gras und die Sonne bereits am Nacken, schneidet Winzer Josef Möth einen großen Cluster ab. So finden die ersten Trauben ihren Platz in der Kiste.

Ganze drei Hektar müssen noch geerntet werden. „Die erste Frühsorte ist dran. In 14 Tagen beginnt dann die Hauptlese“, schildert er. Heuer wurde die frühe Sorte Müller-Thurgau bereits Anfang September gelesen. Das ist drei Wochen früher wie im vorherigen Jahr und etwa zwei Wochen früher als im Zehn-Jahres-Durchschnitt. „Ich kann jetzt schon sagen, dass wir von der besten Ernte reden, die wir hereinbekommen haben.“ Der Vorarlberger erntet jedes Jahr zusammen mit seinen Mitarbeitern die Trauben, die anschließend zur Weiterverarbeitung in den „Heurigen“ gebracht werden, der gleichzeitig auch eine Gaststätte beherbergt – so kann man den Wein an Ort und Stelle genießen.

Weinbau

Im Anbaugebiet Neu Amerika in Bregenz sind unterschiedlichste Sorten wie Grüner Veltliner, Chardonnay, Shiraz und Welschriesling vertreten. Aber auch Frühroter Veltliner und Sauvignon Blanc wurden angebaut, um zu schauen, wie sich die Rebsorten hier entwickeln.

In Vorarlberg werden jährlich rund 50.000 Liter Wein gekeltert. Im Land selbst, mit 20 Hektar Weinbaufläche, variieren die Aromen und der typische Geschmack der Weinsorten. „Uns zeichnet die hohe Individualität der verschiedenen Regionen, die wir haben, aus“, erklärt der Winzer. Damit meint er spezifisch die Weinbauregion Bodensee, zu welcher die deutsche und die Schweizer Seite dazugehören. Damit kommt das Gebiet auf 1500 Hektar Weinfläche – also 75 Mal so viel wie die Weinbaufläche Vorarlbergs. Bodenseeweine sind beliebt, am meisten Müller-Thurgau und Spätburgunder. Dass es den empfindlichen und wärmeliebenden Trauben in der Region gut geht, verdankt man hauptsächlich dem See. Dieser wirkt nämlich wie ein großer Wärmespeicher. „Obwohl wir alle im selben Gebiet sind, unterscheiden sich die Weine voneinander“, erzählt Josef Möth. „Es ist schwer, eine Pauschalaussage zu machen, aber man merkt, dass der Schweizer Wein cremiger ist, der deutsche mineralischer, und dass der Vorarlberger Wein beide Komponenten hat.“
Auch die Klimaerwärmung ist an den Weinhändlern nicht vorbeigegangen: „Für uns als Winzer, war es gut. Wir haben eher von der Hitze profitiert, so bitter wie es ist.“ Die Wärme wirkt sich positiv auf die Trauben aus. Die Zuckergradation geht nach oben und man kann früher mit der Ernte beginnen. „In den 1980ern war man mit der Weinlese erst Ende November fertig. In den letzten zehn Jahren ist das Ganze bis Mitte Oktober vorgerückt“, erklärt Möth. Was dem Winzer für die Zukunft Sorgen macht, ist die Witterung. „Hagelgewitter sind signifikant aufgestiegen und dagegen können wir uns nur bedingt schützen“, weiß er.

Eine Kunst an sich

Das Aroma des Weines bestimmt das Terroir, die Bezeichnung im Wein-Jargon für die Beschaffenheit des Bodens, die Herkunft, Lagentechnik, aber auch der Boden: „Ist er aus Lehm, Mergel, Sand, Schotter? Davon hängt alles ab“, erklärt der Winzer. „Die Natur macht den Wein, nicht der Kellermeister. Wir sind abhängig von ihr und durften über Jahrzehnte lernen, dass wir über hohe Keller-technische Qualität aus durchschnittlichen Jahren auch gute Weine vinifizieren können. Das liegt an der Handwerkskunst. Man muss mit einem Gefühl dabei sein und mit der Natur zusammenarbeiten.“
Für Weinliebhaber hat Josef Möth auch einen Tipp: „Am besten, man geht zu den kleinen Winzern.“ Und dabei sei ganz wichtig, sich auf das neue Abenteuer mit dem Wein einzulassen. „Der Genuss ist gefragt. Der neue Flirt mit dem neuen Wein.“ VN-PEM

„Man muss sich auf das geschmackliche Abenteuer mit dem Wein einlassen.“

Josef Möth hat schon dieses Jahr im April mit dem Austrieb angefangen. VN/Serra
Josef Möth hat schon dieses Jahr im April mit dem Austrieb angefangen. VN/Serra