Das Auf und Ab im Leben einer Mutter

Vorarlberg / 08.09.2022 • 19:32 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Elke (56) ist seit ein paar Jahren arbeitslos und bringt sich und ihren sechsjährigen Sohn kaum durch.   kuster
Elke (56) ist seit ein paar Jahren arbeitslos und bringt sich und ihren sechsjährigen Sohn kaum durch.   kuster

Elke ist arbeitslos und alleinerziehend. Sie kommt kaum über die Runden.

Schwarzach Elkes sechsjähriger Sohn hat gerade seine Schullaufbahn gestartet. „Ich tue alles dafür, dass er nicht darunter leidet, dass wir arm sind. Das geht so weit, dass ich mich nicht ausreichend ernähre“, bekennt Elke, die seit einigen Jahren alleinerziehend ist. Die finanzielle Situation der 56-Jährigen ist prekär. Denn: „Ich finde keinen Job. Auf meine Bewerbungen für eine Halbtagsstelle bekam ich lauter Absagen. Ich denke, das ist deshalb so, weil ich ein Kind habe, das noch betreut werden muss.“

„Habe ohne Ende gehungert“

Es gab in ihrem Leben schon einmal eine Zeit, in der sie den Gürtel sehr eng schnallen musste. Das Ehe-Aus 2008 leitete keine gute Zeit für sie ein. Nach der Trennung vom Vater ihrer zwei Kinder musste sie sich und ihre Teenager-Tochter allein durchbringen. Der Verlust ihrer Vollzeit-Arbeitsstelle stürzte die Verkäuferin in große Not. „Meine Arbeitszeit wurde auf 80 Prozent reduziert.“ Die Folgen waren fatal. „Meine Tochter und ich lebten von fünf Euro am Tag. Ich habe ohne Ende gehungert. Abends gab es höchstens ein Joghurt.“ Elke nestelt am Kragen ihrer Bluse. Diese harte Zeit – sie dauerte drei Jahre – würde sie am liebsten aus ihrem Gedächtnis löschen.

Aber die 56-Jährige ist nicht undankbar. „Ein Großteil meines Lebens war gut.“ Freilich: Manche ihrer Träume blieben Träume. Aber das Leben ist halt keine Wunscherfüllungsmaschine. Am liebsten wäre Elke Säuglingsschwester geworden. Doch als die Zusage von der Schule kam, hatte sie bereits eine Anstellung in einer Drogerie gefunden. „Ich habe mich dann im Verkauf hinaufgearbeitet.“ Zugute kam ihr die Gabe, mit unterschiedlichen Menschen umgehen zu können. „Das kann man nur bedingt lernen.“ Elke wurde früh Mutter, mit 20. Ihr erstes Kind wurde nur zehn Monate alt. Dieser Schicksalsschlag setzte Elke arg zu. Aber sie verkraftete den Tod der Tochter, „weil mein Umfeld stimmte. Mein Mann und ich haben uns gegenseitig gestützt“. Später bekam das Ehepaar zwei weitere Kinder. „Das Muttersein erfüllte mich. Ich war gerne daheim bei den Kindern“, bekennt sie. Um das Familienbudget aufzubessern, arbeitete sie einige Jahre lang als Tagesmutter, war als solche aber auch nicht pensionsversichert.

Mit knapp 50 Mutter geworden

Die Ehe ging nach 24 Jahren in die Brüche, aber die Liebe kam noch einmal in das Leben von Elke. Nach einer neuerlichen Eheschließung ging es ihr auch wirtschaftlich wieder besser. „Mein Mann und ich teilten uns die Kosten für den Lebensunterhalt.“ Der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind erfüllte sich. Mit knapp 50 wurde Elke nochmals Mutter. „Ich wurde mit einem Nachzügler belohnt, vielleicht deshalb, weil ich mein erstes Kind verloren habe.“ Aber das familiäre Glück war nicht von Dauer. Das Ehepaar ging nach neun Jahren auseinander. „Das war mein bisher schwerster Schicksalsschlag. Denn mein Umfeld brach völlig weg. Jetzt hatte ich niemanden mehr, der mich unterstützte, auch nicht in Sachen Kinderbetreuung.“ Und wieder verschlechterte sich mit dem Zerbrechen einer Partnerschaft ihre wirtschaftliche Situation. „Ich bin seit 2019 arbeitslos.“ Elke möchte auf jeden Fall noch bis zum Pensionsantritt in fünf Jahren arbeiten – nicht zuletzt auch deshalb, um ihr Pensionskonto aufzubessern und somit ihre Existenz abzusichern. „Ich war ein Leben lang fleißig und kann mit Stolz in die Rente gehen. Aber pensionstechnisch bin ich ein Verlierer. Ich steuere in die Altersarmut“, befürchtet sie.

Die arbeitslose Alleinerziehende wäre dankbar, „wenn man mir eine Chance gäbe“. Am liebsten wäre ihr ein Job im Verkauf oder in der Kleinkindbetreuung. Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass Frauenberufe nicht gut bezahlt sind. „Aber ich bin es seit meiner Jugend gewohnt hauszuhalten.“ Derzeit jedoch reicht das Geld kaum zum Überleben. Die Einschulung ihres Kindes treibt Elke Freudentränen in die Augen. Aber der Schulstart bereitete der Alleinerziehende schon Monate vorher Kopfzerbrechen. „Die ersten Schulsachen kaufte ich schon im Februar. Wenn ich was Günstiges entdeckte, griff ich zu. Alles auf einmal hätte ich nicht stemmen können“, sagt Elke, der das Wohlergehen ihres Kindes wichtiger ist als das eigene. VN-kum