Dorfladen in Gefahr

Vorarlberg / 08.09.2022 • 20:20 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In Gaschurn ist noch ein Sparmarkt. Hier würde Knöferl gern seine Waren abholen, um den Dorfladen erhalten zu können. VN/Rauch
In Gaschurn ist noch ein Sparmarkt. Hier würde Knöferl gern seine Waren abholen, um den Dorfladen erhalten zu können. VN/Rauch

Nach der Schließung der Volksschule muss Partenen um den Nahversorger zittern.

GASCHURN Wenn ein Ort seine Schule verliert, kommt es einem Todesurteil gleich, denn Nahversorger und Gasthäuser werden als nächstes folgen. So warnte Anfang der Woche noch ein betroffener Vater zur Schulschließung in Partenen. Und tatsächlich steht der nächste Dolchstoß gegen den Montafoner Ort an.

Denn mit Jahreswechsel steht Peter Knöferl ohne Lieferant da. Bislang konnte er keine der Lebensmittelketten überzeugen, ihn weiterhin mit Waren zu beliefern. Dabei wäre er bereit, die sprichwörtliche letzte Meile selbst zu organisieren. So ist im Hauptort Gaschurn eine Spar-Filiale. „Ich hab ihnen angeboten, dass ich die Ware in Gaschurn hole. Ich will kein Geld von ihnen, nur Ware kaufen“, versichert Knöferl. „Das müsste doch möglich sein, der Lkw fährt doch eh jeden Tag bis nach Gaschurn“, hofft auch Bürgermeister Daniel Sandrell.

Kein Lieferant

Seit Ende 2019 kämpfen Knöferl und sein Team um den Erhalt des Nahversorgers im Ort am Ende des Montafons. Das Konzept sah vor, den Laden gemeinsam mit der angrenzenden Pizzeria zu betreiben, um Synergien zu schaffen. Zuvor gab es eineinhalb Jahre keinen Nahversorger im Ort. Während der Pandemie sprang Knöferl selbst ein, um den Laden am Leben zu erhalten. Doch nun sieht sich das Handelshaus Wedl mit Jänner nicht mehr in der Situation, die Nah&Frisch-Märkte in Vorarlberg zu bedienen. Und Alternativen zeichnen sich keine ab.

„Vonseiten der Gemeinde haben wir die größtmögliche Unterstützung, die man sich wünschen kann“, betont Knöferl. Doch der Handel konzentriere sich auf die eigenen Premiumstandorte, die Randlagen kommen unter die Räder. „Jetzt haben wir die Schule verloren und ich habe keine Ahnung, wie wir nächsten Jahr tun sollen“, sieht Knöferl eine düstere Zukunft für Partenen. „Klar ist es nicht einfach für so ein Lädele. Aber wenn es weg ist, stirbt das Dorf aus“, macht sich Sandrell nichts vor.

Kampf um Einwohner

Für Parzellen und Ortschaften wie Partenen wird es immer schwieriger, ein attraktives Lebensumfeld zu bieten. Viele Junge versuchen aktiv, ihr Dorf am Leben zu erhalten, weiß sich Sandrell glücklich. Mit Sozialwohnungen will man Menschen im Ort halten, diese seien auch fast alle bewohnt, betont er die Erfolge im Kampf gegen die Abwanderung. „Aber es ist nicht mehr viel da, dass sie nutzen können“, weiß er. Lang ist es her, dass es einen Bäck oder eine Metzgerei in Partenen gab. Heute gibt es nur mehr den Nah&frisch.

„Ich geh sicher nicht in einen Ort ohne Geschäft, weder zum Wohnen noch auf Urlaub“, bringt es Knöferl auf den Punkt. Trotz Vollsortiment kann er nicht immer alles und zu dem Preis anbieten, der gewünscht ist. „Wir haben, was ihr braucht und was wir nicht haben, braucht ihr nicht“, lacht der Nahversorger. Das Brot muss er aus Bludenz beziehen, im Tal fand sich kein Lieferant. Doch Einwohner und Gäste sind froh, dass es ihn gibt. Doch nun steigen die Kosten, jetzt die Probleme mit dem Lieferanten. „Das es keine gemähte Wiese ist, habe ich gewusst“, betont Knöferl. Es geht aber um mehr als Idealismus, damit der Laden funktioniere.

Sandrell hofft nun auf eine verstärkte Unterstützung vonseiten des Landes für die Nahversorger, für kommende Woche ist bereits ein Selbstversorgergipfel angesetzt. Und auch Knöferl will sich mit einem Ende im Dezember nicht abfinden. VN-RAU

Sein Laden ist der letzte in Partenen, doch Peter Knöferl fürchtet ohne Waren dazustehen.  VN/Rauch
Sein Laden ist der letzte in Partenen, doch Peter Knöferl fürchtet ohne Waren dazustehen.  VN/Rauch
Nah&Frisch in Vorarlberg droht, kommendes Jahr ohne Lieferant dazustehen.
Nah&Frisch in Vorarlberg droht, kommendes Jahr ohne Lieferant dazustehen.

Partenen

1499 erstmals in einem Dokument erwähnt, liegt die südlichste Ortschaft Vorarlbergs auf 1050 Meter Seehöhe.

640 Menschen lebten hier 1961, so viel wie nie zuvor. Das zu Gaschurn gehörende Dorf profitierte von den Arbeitsplätzen in der Energiegewinnung, Tourismus und Hochkonjunktur. 

1971 waren es bereits 614 Seelen in Partenen, 1991 noch 551, 2011 noch 464 Einwohner und 2022 nur mehr 363 Partenenerinnen und Partenener.

Wohnhäuser gibt es jedoch immer mehr. Aus den 136 Häusern im Jahr 1951 wurden bis 2001 immerhin 167 Gebäude. Aber die Ladenflächen verschwanden.