Impfschutz bröckelt immer mehr

Vorarlberg / 09.09.2022 • 21:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Land startet gemeinsam mit Partnern aus dem Gesundheitsbereich Covid-Kampagne.

Bregenz Eine neue Kampagne zum Schul- und Herbststart soll wieder zum Impfen und zu mehr Eigenverantwortung im Umgang mit der Pandemie motivieren. Dafür nimmt das Land rund 200.000 Euro in die Hand. Verbreitet wird das Motto „Es liegt in unserer Hand #ehklar“ mittels Inseraten, Plakaten sowie über soziale Medien. Bei der Präsentation der Kampagne am Freitag betonte Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher einmal mehr: „Das Virus ist nicht harmlos und ein Schutz notwendig.“ Doch der bröckelt beständig. Laut Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher verfügen nur noch 55 Prozent der Bevölkerung in Vorarlberg über einen gültigen Impfschutz gegen Covid-19. „Erschreckend“, konstatierte er. Rund 65.000 Personen haben bislang auf den dritten Stich zur Vervollständigung der Grundimmunisierung verzichtet. „Damit sind sie neuerlich für schwere Krankheitsverläufe gefährdet“, warnte Grabher.

Lage derzeit stabil

Derzeit stellt sich die Pandemielage als stabil dar. Die Sieben-Tages-Inzidenz liegt bei 184 für Vorarlberg und 317 für Österreich. Die Situation in den Spitälern ist ebenfalls ruhig. Aktuell müssen 35 Patienten stationär behandelt werden, ein Betroffener liegt intensiv, benötigt aber keine Beatmung. Die Aufnahmen sind in den vergangenen Tagen jedoch gestiegen. „Es ist noch zu früh, von einer Steigerung zu reden“, relativierte Wolfgang Grabher. Eine gewisse Tendenz sei allerdings zu erkennen. Ein genaues Bild zu erstellen erweist sich als schwierig, weil die Testungen insgesamt rückläufig sind und längst nicht mehr alle positiven Tests eingemeldet werden.

Klarere Aussagen liefert das Abwasser-Monitoring. Aufgrund des reduzierten Testgeschehens werde der Abwasserüberwachung künftig eine noch bedeutendere Rolle zukommen, zeigte sich Christoph Scheffknecht, Leiter des Instituts für Umwelt und Lebensmittelsicherheit, überzeugt. Für ihn unverständlich ist deshalb die Reduzierung des nationalen Überwachungsprogramms. „Für Vorarlberg hätte das eine Halbierung der untersuchten Kläranlagen bedeutet“, sagte er. Das Land hat jedoch beschlossen, weiterhin sechs Kläranlagen zu überwachen, was drei Viertel der Bevölkerung einschließt. Ebenfalls erfreulich: Derzeit ist ein leicht sinkender Trend auf niedrigem Niveau gegeben. Bei den Varianten haben BA.4/5 alle anderen verdrängt. Inzwischen weisen 99,2 Prozent der untersuchten Proben die neue Omicron-Variante auf. Sie ist ähnlich infektiös wie ihre Vorgänger, verursacht aber mildere Krankheitsverläufe.

Impfstoffe und Medikamente

Damit es erst gar nicht dazu kommt, wird der Bevölkerung mit Blick auf Herbst und Winter und eine zu erwartende Infektionswelle dringend zur Einhaltung gängiger Hygiene­maßnahmen sowie zur Impfung geraten. In den nächsten Wochen soll sich die Palette der Impfstoffe um weitere ergänzen. Es wird aber davon abgeraten, auf einen neuen Impfstoff zu warten. Beim ersten Variantenimpfstoff von Moderna, der nächste Woche auf den Markt kommt, sei die Schutzwirkung gegen BA. 4/5 zudem fraglich. Martina Rüscher erinnerte noch an die zur Verfügung stehenden Medikamente. Im eigens dafür in Dornbirn eingerichteten Behandlungszentrum wurden mittlerweile über 1100 Therapien durchgeführt. VN-MM

„Das Coronavirus ist nicht harmlos und ein Impfschutz immer noch notwendig.“