Digitalisierte Volksschule: Evolution statt Revolution

Vorarlberg / 11.09.2022 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bernd Dragosits nimmt Lehrern und Eltern Bedenken vor den neuen Methoden.<span class="copyright"> VN/RAuch</span>
Bernd Dragosits nimmt Lehrern und Eltern Bedenken vor den neuen Methoden. VN/RAuch

Die Volksschule Wolfurt Bütze ist ein Vorreiter der Digitalisierung. Angst vor der digitalen Tafel braucht es nicht.

Wolfurt Ein Knopfdruck und eine grüne Tafel erscheint auf der digitalen Tafel im Klassenzimmer der dritten Klasse an der Volksschule Bütze. Ein kariertes Raster hilft, ein schönes A in Schreibschrift zu zeichnen. Daneben steht eine klassische Tafel, dank Rädern kann sie mobil zwischen den Klassenzimmern wandern. “Das eine schließt das andere nicht aus”, betont Volksschuldirektor Bernd Dragosits.

Auch an der digitalen Schule gibt es immer noch klassische Tafeln, wenn auch nur als Ergänzung.
Auch an der digitalen Schule gibt es immer noch klassische Tafeln, wenn auch nur als Ergänzung.

Seine Schule zählt zu den Vorreitern einer digitalen Volksschule in Vorarlberg. “Die Digitalisierung findet statt, ob wir wollen oder nicht”, verweist der Schulleiter auf die neue Arbeits- und Lebensrealität, auch nach Corona. Es bleibt nur die Wahl, ob man die Kinder begleiten will und ihnen zeigen, dass die neuen technischen Geräte mehr sein können als Spielgeräte. Die Technik ergänzt dabei klassische Unterrichtsmethoden, wie die Eltern sie noch selbst erfahren haben. “In der ersten Klasse wird weit über drei Viertel analog gearbeitet”, beruhigt Dragosits.

Die kleinen Käfer helfen Kindern bei den ersten Schritten im Programmieren, die auch Kausalzusammenhänge näherbringen.
Die kleinen Käfer helfen Kindern bei den ersten Schritten im Programmieren, die auch Kausalzusammenhänge näherbringen.

“Das erste Lernen ist immer noch durch das Angreifen”, weiß der Direktor um die Bedeutung der Haptik. Basteln, musizieren und selbst einen Stift in der Hand halten, dominieren immer noch den Unterricht. Die Schulbücher haben aber inzwischen digitale Ergänzungen, mit QR-Codes lassen sich individualisierte Lernübungen zusammenstellen. Über die Software kann die Lehrkraft direkt nachvollziehen, wo es noch hapert. Mit dem Fortschreiten der Schulkarriere spielen Tablets und Co. gerade in der Vertiefung der Lerninhalte eine immer größere Rolle. Mit Memory am Tablet kommen auch digitale Kompetenzen wie Ordnerverwaltung und die Bedienung des Geräts zum Zug. Doch das Angebot reicht bis zu 3D-Brillen und -Druckern. “Die Erarbeitung wird bunter und inhaltsvoller, als es ein Mensch und ein Buch allein kann”, betont Dragosits. “Aber es ist immer die Lehrperson, die es den Kindern vermittelt.”

Jede Klasse hat einen Nebenraum, um Lernen in einer ruhigeren Umgebung zu ermöglichen.
Jede Klasse hat einen Nebenraum, um Lernen in einer ruhigeren Umgebung zu ermöglichen.

Dragosits hat das Glück, dass sich neben Leonie Dreher-Simma, die an seiner Schule unterrichtet, noch drei weitere Lehrer entsprechendes Fachwissen aneigneten. Mit niederschwelligen Angeboten von Kollegen an Kollegen machten diese ihre Kollegenschaft mit den neuen Möglichkeiten vertraut und weckten Interesse, sich darauf einzulassen. Dies gilt nicht nur innerhalb der Bütze. Für den 19. Oktober lädt Dragosits Volksschullehrer zu einem praxisnahen Symposium zu digitalen Lernwelten nach Wolfurt. Und auch die Eltern werden begleitet, etwa bei der Suche nach digitalen Lerninhalten für zuhause.

Vom Rechengerät bis zum gut verpackten Tablet hat alles seinen Platz in der Volksschule.
Vom Rechengerät bis zum gut verpackten Tablet hat alles seinen Platz in der Volksschule.

Das Ergebnis: Wer einmal Tablets im Unterricht verwenden konnte, will nicht mehr darauf verzichten. Doch gerade Tablets für Volksschulen sind noch nicht auf dem Schirm der Schulbehörden angekommen, Dragosits hat auch dank dem Land bislang 30 Geräte für seine 240 Schüler anschaffen können. Ohne Sponsoren wären es weniger. “Mein Ziel wäre es, am Ende des Jahres zehn pro Klasse zu haben”, erklärt der Schulleiter. Ideal wäre, wenn er jedem Kind ein Gerät mit nach Hause geben könnte. Kein einfaches Ziel in Zeiten von schmaler werdenden Budgets.