„Schulen immer mehr auf sich allein gestellt“

Vorarlberg / 11.09.2022 • 19:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Walter Giselbrecht ist seit 30 Jahren Volksschuldirektor in Schnepfau.
Walter Giselbrecht ist seit 30 Jahren Volksschuldirektor in Schnepfau.

Vieles hat sich über die Jahre verändert, weiß Volksschuldirektor Giselbrecht.

Schwarzach Es braucht nicht jede Schule, aber jeder Ort braucht zumindest eine Schule, sagt Walter Giselbrecht. Seit 30 Jahren ist er Volksschuldirektor in Schnepfau, gleichzeitig auch Sprecher der ARGE Kleinschulen. „Die Nähe zum Wohnort und zur Familie ist vor allem im Alter von sechs bis zehn Jahren ganz entscheidend“, sagt er. Studien würden außerdem zeigen, dass der Verlust eines Schulstandorts zum Verfall von Dörfern führen könne. Ausschlaggebend sei am Ende die Qualität: Die Kinder bräuchten eine Konstante. Die klassenführenden Lehrerinnen und Lehrer dürften in den Volksschulen nicht täglich wechseln. „Jede Schule um jeden Preis ist nicht mehr meine Einstellung.“

Giselbrecht selbst hat Glück, wie er sagt. Er sei in seiner Schule gut aufgestellt. Derzeit zählt die Volksschule Schnepfau 23 Schülerinnen und Schüler mit zwei klassenführenden Lehrpersonen. Eine davon ist der Direktor selbst. „Ich hatte lange Zeit das gleiche Personal. Leider musste es wechseln, weil ich einklassig geworden bin.“ Mittlerweile ist die Schule wieder gewachsen.

Ein ganzes Dorf muss werben

In den vergangenen 30 Jahren habe sich vieles verändert. „Das betrifft die Schulen allgemein“, erklärt Giselbrecht. „Wir haben mittlerweile einen immensen Berg an Administration zu bewältigen. Früher gab es das in diesem Ausmaß nicht.“ Hinzu kämen die gesellschaftlichen Veränderungen, ebenso der unreflektierte Medienkonsum durch die Kinder und die zunehmende Schwierigkeit Personal – vor allem auch leitendes Personal – zu finden. „Gleichzeitig haben wir in den Behörden immer weniger Ansprechpersonen. Die Schulen sind immer mehr auf sich alleine gestellt.“ Das Land bekenne sich zwar zum ländlichen Raum und zu den Kleinschulen. „Das heißt nicht, dass die Behörde das mit jener Vehemenz auch umsetzt, die wir uns erwarten“, findet der Volksschuldirektor auch kritische Worte. „Früher hat es das nicht gegeben, dass sich ein ganzes Dorf auf den Weg machen muss, um einen Lehrer zu finden.“ Das Beispiel Sibratsgfäll zeige aber, dass Bemühungen auch Früchte tragen können. Dort hörten laut Giselbrecht beide Lehrerinnen auf. Die Behörden hätten eine Nachfolge gesucht, diese aber auch nicht aus dem Hut zaubern können. „Dann hat sich die Bevölkerung auf die ­Suche gemacht und eine wirklich tolle Kampagne gestartet. Die Gemeinde musste sich auf die Hinterbeine stellen und zusammenhelfen, dass die Schule weiter bestehen konnte.“ VN-ebi

„Die Gemeinde ­musste sich auf die Hinterbeine stellen und zusammenhelfen.“