Die Schule kann kommen – Valentina ist gerüstet

Vorarlberg / 12.09.2022 • 16:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Valentina (im Bild mit ihrer Mutter Cornelia) freut sich auf den Schulbeginn.
Valentina (im Bild mit ihrer Mutter Cornelia) freut sich auf den Schulbeginn.

Valentina besucht die Allgemeine Sonderschule Götzis. Sie kam mit einer Hirnfehlbildung zur Welt.

Koblach Endlich ist er da, der Brief von der Schule. Valentina (15) hat schon sehnsüchtig auf ihn gewartet. „Die letzten zwei Wochen hat sie jeden Tag im Briefkasten nachgesehen, ob er schon da ist“, verrät Mutter Cornelia Bolter (43). Im Schulbrief wird den Schülern mitgeteilt, wann sie sich an der Schule einfinden und welche Schulsachen sie fürs neue Schuljahr mitbringen müssen.

Valentina kann es kaum erwarten, bis die Schule beginnt. „Ich freu‘ mich auf meine Schulfreunde und meine Lehrer“, sprudelt es aus dem hübschen, dunkelhaarigen Mädchen herzerfrischend heraus. Die junge Koblacherin ist immer schon gern zur Schule gegangen. „Nach dem ersten Schuljahr an der Sonderschule Götzis fragte mich Valentina am Tag der Zeugnisverteilung: ,Mama, wie lange muss ich daheim bleiben‘“, erinnert sich ihre Mutter lächelnd. Heuer kommt ihre Tochter bereits in die 9. Schulklasse. „Mittlerweile kann sie die Ferien auch genießen.“

Valentina half in den Ferien im Betrieb ihres Onkels (Gemüsebau Meusburger) mit.
Valentina half in den Ferien im Betrieb ihres Onkels (Gemüsebau Meusburger) mit.

Valentina wurde in den Sommerferien nicht langweilig. Sie half jeden Tag im Betrieb ihres Onkels („Gemüsebau Meusburger“) mit – auf dem Feld, am Hof und im Hofladen. „Sie brachte mit einem Golfwagen Gemüse vom Feld, packte es ab und räumte die Produkte in Regale ein“, geht ihre Mutter ins Detail. Aber die Muße kam auch nicht zu kurz. Nachmittags badete Valentina im Pool und spielte den Tag mit ihren Puppen oder ihren imaginären Kindern nach. „Wenn sie ihre Rollenspiele macht, ist sie in ihrer eigenen Welt“, plauscht die Mutter aus.

Valentina hat viel Freude mit ihrer neuen Puppe Mijo.
Valentina hat viel Freude mit ihrer neuen Puppe Mijo.

Valentina ist bester Laune. Der Schulstart beglückt sie. Außerdem hat sie vor Kurzem eine neue Puppe geschenkt bekommen. „Valentina hat von klein auf mit Puppen gespielt. Sie hat schon ganz viele“, weiß ihre Mama, wie man ihr eine Freude machen kann. Valentina kümmert sich vorbildlich um ihre „Kinder“. „Sie packt ihnen zum Beispiel immer mit Hingabe den Kindergartenrucksack und richtet ihnen die Jausenbox her.“ Cornelia würde sich für ihre ältere Tochter wünschen, dass sie einmal mit Kindern arbeiten kann. Überhaupt fände sie es schön, wenn sie im Berufsleben Fuß fassen könnte. Ob das gelingt, ist aber ungewiss. Denn Valentina ist seit ihrer Geburt gehandicapt. „Sie kam mit einer schweren Hirnfehlbildung zur Welt. Diese beeinträchtigt sie geistig und körperlich.“

Seit gut einem Jahr gehört Valentina der Jugendfeuerwehr Koblach an. "Sie geht jeden Freitag mit Begeisterung zur Probe", verrät ihre Mutter.
Seit gut einem Jahr gehört Valentina der Jugendfeuerwehr Koblach an. "Sie geht jeden Freitag mit Begeisterung zur Probe", verrät ihre Mutter.

Der Schock war bei den Eltern am Anfang groß. „Als man mir das Baby in die Arme legte, war es mein Kind“, nahm Cornelia Valentina aber sofort an. Aufgrund der Diagnose rechneten die Eltern mit dem Schlimmsten. Aber sie wurden positiv überrascht. Entgegen der Befürchtungen lernte Valentina gehen und sprechen. „Bei der Körperpflege braucht sie auch keine Hilfe. Und seit dem vergangenen Schuljahr fährt sie auch nicht mehr mit dem Schultaxi zur Schule, sondern mit dem Bus“, freut sich die Mutter zweier Mädchen darüber, dass ihre Große so selbstständig wurde. Medizinisch sei das nicht erklärbar. „Andere mit dieser Fehlbildung sind schwerbehindert.“ Cornelia vermutet, dass die Therapien, die Valentina im Lauf der Jahre in Anspruch nehmen durfte, viel gebracht haben.

Die Mutter ist dankbar dafür, „dass man überall Unterstützung bekommt und nicht alleingelassen wird, wenn man ein Kind mit Beeinträchtigung hat“. Dass ihr Kind nicht gesund ist, ist ihr im Alltag oft gar nicht bewusst. „Ich denke nicht jeden Tag daran, dass Valentina gehandicapt ist“, sagt sie mit Blick auf ihre Tochter. Die hat inzwischen ihre Puppe zur Seite gelegt und die Schultasche hervorgezogen. Valentina öffnet sie, um zu zeigen, dass sie bereits fertig gepackt ist und die Schule kommen kann.