Gefühl wie früher, aber Aufarbeitung tut not

Vorarlberg / 12.09.2022 • 22:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
VN-Chefredakteur Gerold Riedmann war aus Kopenhagen zugeschaltet.
VN-Chefredakteur Gerold Riedmann war aus Kopenhagen zugeschaltet.

Wallner präsentiere sich als Konstante der Volkspartei.

Schwarzach Nach über zweimonatiger gesundheitsbedingter Auszeit ist Landeshauptmann Markus Wallner wieder im Dienst und stellte sich am Montagabend im ersten großen Interview den Fragen von Birgit Entner-Gerhold und Marc Springer. Für VN-Chefredakteur Gerold Riedmann zeigt sich, dass sich Wallner als Konstante in Vorarlberg beweisen will. „Ich glaube, das Gefühl, das erzeugt werden sollte, ist: Der Landeshauptmann war nie weg“, analysiert der aus Kopenhagen zugeschaltete Riedmann im Anschluss an das Gespräch. Aus Wallners Sicht hätte sich nie die Frage gestellt, ob er ins Landhaus zurückkehrt. „Hätte man ihn gefragt, dann wäre er durchgängig geblieben. Es ist tatsächlich gesundheitlichen Themen geschuldet, dass diese Auszeit zu nehmen war“, sagt Riedmann. 

In Sachen Wirtschaftsbund bleibe der Landeshauptmann seiner bisherigen Linie treu. Während sich seine Stellvertreterinnen Barbara Schöbi-Fink und Martina Rüscher öffentlich entschuldigten, bleibt Wallner beim Standpunkt, dass es „keine Werbeeinschaltung für die ÖVP“ war. Die Causa benötige noch einiges an Aufklärung, betont Riedmann. Eine zweite Wirtschaftsbund-Causa wird das neue, transparentere Parteienfinanzierungsgesetz verhindern, stimmt Riedmann mit Wallner überein. „Dieses ist der neue Gold-Standard Österreichs.“

Wallner muss sich auch neuen politischen Themen widmen. Dies fange bei den Energieeinsparungsmaßnahmen der Bundesregierung an und reiche bis zur von seiner Statthalterin losgetretenen Abtreibungsdebatte. Ebenso dürfte die spürbare Ablehnung der Tunnelspinne und S18 durch den Koalitionspartner Wallner beschäftigen. Doch auch neue Töne zu Wind- und Solarenergie hörte Riedmann im Vorarlberg-LIVE-Interview heraus. 

Derweil strahlen die Probleme der Volkspartei nach Vorarlberg: Sowohl die drohende Wahlschlappe in Tirol wie auch der Rücktritt Sachslehners werfen Fragen über den Zustand der ÖVP auf. Wallner bekennt sich hier zur christlich-sozialen Linie der Volkspartei in Abgrenzung zum Erbe von Sebastian Kurz.

Viele blicken nach der Wahrnehmung des VN-Chefredakteurs mit Sorge auf den Herbst, angesichts von Inflation und Energiekrise. In Vorarlberg gelte es, Verarmung und sozialen Verwerfungen vorzubeugen. Haltungsfragen der Volkspartei rücken in den Hintergrund. Eine sorgfältige, aber schnelle Aufarbeitung der Wirtschaftsbund-Causa tue daher not, um nicht von Brandherd zu Brandherd eilen zu müssen. Die bisherige achtseitige Zusammenfassung der BDO, die bisher veröffentlicht wurde, reicht dazu jedenfalls noch nicht aus.