Schulen brauchen nicht nur Lehrer

Vorarlberg / 14.09.2022 • 22:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Zahl der Schüler mit psychischen Problemen ging während der coronabedingten Schulschließungen deutlich nach oben.Adobe Stock
Die Zahl der Schüler mit psychischen Problemen ging während der coronabedingten Schulschließungen deutlich nach oben.Adobe Stock

Streichung der Sozialarbeit an höheren Schulen lässt Betroffene ratlos zurück.

LUSTENAU Johannes Scheffknecht, Direktor der Handelsakademie Lustenau, legt seine Stirn in Falten. „Gerade wir als Schule mit schwierigem sozialem Umfeld hätten in Zeiten wie diesen die externen Schulsozialarbeiter gebraucht. Und dann wird das einfach vom Bund gestrichen.“ Scheffknecht wird in seinem Unverständnis sekundiert von Kollegin Ursula Fleisch. Die Lehrerin ist eine von zwei Social Networkern aus dem Pädagogenteam. „Doch wir würden dringend die externen Sozialarbeiter auch weiterhin brauchen. Vor allem jetzt, wo sich die psychischen und sozialen Folgen nach Corona deutlich zeigen.“

Lehrer protestieren

Externe Schulsozialarbeit wird künftig nur noch für den Pflichtschulbereich finanziert, aber nicht mehr für die höheren Schulen. Laut Österreichische Lehrer*innen Initiative waren für die 32 Bundesschulen im Vorjahr immerhin noch fünf SozialarbeiterInnen im Einsatz. Energisch protestieren die Lehrervertreter gegen die Streichung.

Das tun auch die Direktorinnen und Direktoren der höheren Schulen im Land. Sie haben ihren Protest in einem Brief an das Ministerium zusammengefasst. Johannes Scheffknecht hat seine Zweifel, ob der Brief auch eine Wirkung erzielt.

Dutzende Problemfälle

„Wir haben mittlerweile viel mehr Fälle von Mobbing, Depressionen und Suizidgefährdung an unserer Schule“, berichtet der HAK-Direktor. „Wir sprechen da von Dutzenden psychisch angeschlagenen Jugendlichen“, präzisiert Scheffknecht. Die psychischen Störungen seien zum Teil millieubedingt. Was Scheffknecht in diesem Zusammenhang auffällt: „Besonders Schüler aus bildungsnahen Schichten sind immer häufiger von psychischen Problemen betroffen. Sie setzen sich unter besonderen Leistungsdruck.“

Ursula Fleisch macht deutlich: „Wir können diese Probleme durch unsere Tätigkeit nicht lösen. Und jetzt wird uns das Know-how durch die externen Experten genommen.“

Der Wegfall der externen Fachleute von IfS und Bildungsdirektion hat die Schulsozialarbeit an der HAK Lustenau um fast 90 Prozent reduziert.

Dornbirn sagte Nein

Laut Direktor Scheffknecht steht ein Versuch, die dringend benötigten Experten durch die Kommunen von Höchst, Hohenems, Dornbirn und Lustenau sowie aus budgetären Mitteln der Schule zu finanzieren, vor dem Scheitern. Schuld daran ist laut Scheffknecht die Stadt Dornbirn. „Während Lustenau, Hohenems und Höchst ihre Bereitschaft erklärt haben, sich aliquot an den Kosten zu beteiligen, gab es von der Stadt Dornbirn diesbezüglich eine Absage. Und nur wenn alle Kommunen mitmachen, kommt von dieser Seite eine Finanzierung zustande“, erklärt Scheffknecht. Bürgermeisterin Andrea Kaufmann sei für ihn nicht zu sprechen gewesen.

Die Dornbirner Bürgermeisterin lässt diese Kritik nicht gelten. „Wir fördern die für mich sehr wichtige Schulsozialarbeit an unseren Pflichtschulen über das hinaus, was der Bund an Mitteln zur Verfügung stellt. Auch die polytechnischen Schulen, in denen viele Lustenauer Schüler sind, gehören dazu. Wir können daher nicht auch noch in anderen Kommunen Schulsozialarbeit mitfinanzieren“, rechtfertigt sich Kaufmann. Sie sei diesbezüglich beim Lustenauer Vizebürgermeister Daniel Steinhofer auf Verständnis gestoßen.

Die Schulsozialarbeit in bisheriger Form mit externen Experten würde für ein Schuljahr an der HAK Lustenau 20.000 Euro kosten.

„Vor allem nach Corona bräuchten wir externe Schulsozialarbeiter weiterhin dringend.“