Nichte filmte beleidigenden Onkel

Vorarlberg / 18.09.2022 • 22:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte blieb bei seiner Version der Ereignisse. RWI
Der Angeklagte blieb bei seiner Version der Ereignisse. RWI

Angeklagter vor Gericht durch unabsichtlich gedrehtes Video überführt.

Bregenz “Es ist fast wie ein Belagerungszustand.” So schildert die Privatklägerin in einem Prozess am Bezirksgericht Bregenz die Situation in einer Wohnanlage in Bregenz, die im August zu einem Streit führte, bei dem sie von dem Angeklagten beleidigt worden war.

“Zu alt für den Job”

Seit geraumer Zeit verbrachte der beschuldigte 47-jährige Türke mit seiner näheren Familie – Geschwister, Nichten und Neffen – viel Zeit auf dem Gelände besagter Wohnanlage. „Ich bin fast jeden Tag dort“, schildert er die Lage. Um der krebskranken Mutter beizustehen, die dort bereits seit 35 Jahren wohnt, lautet seine Begründung. Indes waren bei der Verwalterin mehrere Beschwerden über Lärmbelästigung und eine blockierte Parkplatzzufahrt eingegangen, weshalb diese nach eigenen Angaben mehrmals das Gespräch suchte. Am 17. August endete ein weiterer solcher Versuch in einer Schimpftirade des Angeklagten.

Dieser war während eines Besuchs bei seiner Mutter mit dem Hund spazieren gegangen. Als er zurückkam, sah er die Klägerin im Gespräch mit seinen Verwandten. Ein Neffe des Beschuldigten habe sich bedrängt gefühlt und rief die Polizei.

In dem darauffolgenden Streit kam es zur Eskalation: Der Angeklagte beschimpfte die Gebäudeverwalterin, sagte, sie sei zu alt und zu hässlich für ihren Job und warf ihr rassistische Vorurteile als Motiv für ihr Handeln vor.

Vorfall auf Video

“Auf dem Heimweg habe ich mir überlegt, ob ich mir Pfefferspray zulegen soll”, so die Klägerin. Der Angeklagte ist nicht geständig. Für gewöhnlich werden solche Verfahren aufgrund mangelhafter Beweislage eingestellt.

In diesem Fall existiert allerdings ein Video, auf dem der ganze Vorfall festgehalten wurde. Sie habe lediglich ein Video von dem Treiben machen wollen, berichtet die Klägerin, als ihr jemand,vermutlich eine Nichte des Angeklagten, das Handy aus der Hand riss. Doch die Aufnahme lief weiter. Auf dem rund zehnminütigen Video sind die Beleidigungen gut hörbar, von denen der Beschuldigte zu Beginn des Verfahrens bestreitet, sie je ausgesprochen zu haben. Seine Schwester versuchte noch, ihren Bruder zu beschwichtigen, doch dieser war davon unbeeindruckt.

Angeklagter bleibt stur

Der Angeklagte wird wegen des Vergehens der Beleidigung schuldig gesprochen, das Urteil lautet Geldstrafe in Höhe von 160 Tagessätzen zu je vier Euro, gesamt 640 Euro.

Auf die Frage des Richters, warum der 47-Jährige den Vorfall anfangs leugnete, antwortet dieser: „Ich bleibe bei meiner Aussage.“ Er geht in Berufung. VN-RWI