Rhesi und das Dilemma mit den Details

Vorarlberg / 18.09.2022 • 17:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Immer wieder bringt sich der Rhein bedrohlich in Erinnerung. Vor allem dann, wenn die Vorländer wieder einmal geflutet sind. VN/Steurer
Immer wieder bringt sich der Rhein bedrohlich in Erinnerung. Vor allem dann, wenn die Vorländer wieder einmal geflutet sind. VN/Steurer

Das Hochwasserschutzprojekt schreitet nur mühsam voran. Den Einreichplan soll es nun im November geben.

St. Margrethen Beim Hochwasserschutzprojekt Rhein-Erholung-Sicherheit, kurz Rhesi genannt, liegt die Fehlerquote bei der Erstellung von Zeitplänen bei nahezu 100 Prozent. Als vor vier Jahren das Generelle Projekt präsentiert wurde, gaben die Verantwortlichen das Datum für den Einreichtermin zum Bewilligungsverfahren mit 2021 an, ein möglicher Baustart wurde für 2024 in Aussicht gestellt. Das spielte sich nicht. Auch der danach genannte Termin August 2022 für die Vorlage der Planungen hält nicht. „Aber im November sind wir soweit“, verspricht nun Projektleiter Markus Mähr (48). Soll heißen: Das Projekt wird dann allen Betroffenen und der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt.

Spezielle Maßnahmen

Halten sollte laut Mähr der Termin Ende 2024 als Startschuss für das Verfahren, auch der Zeitraum 2027 als Beginn für die Bauarbeiten sei noch realistisch. Warum aber die permanenten Verzögerungen? Mähr: „Bei einem solch komplexen Verfahren stößt man immer wieder auf neue, zu bearbeitende Details. Konkrete Zeitpläne für den Verlauf des Projekts sind deswegen recht schwierig und werden wohl zu optimistisch angesetzt.“

Das jüngste Beispiel für ein unerwartet aufgetauchtes Detail: das Thema Erdbebensicherheit. „Sachverständige sind draufgekommen, dass im Falle eines Erdbebens Verflüssigungen der Sandschicht unter den Dämmen auftreten. Das erfordert natürlich spezielle Maßnahmen, die in die Planung mit einfließen müssen. Und das braucht eben Zeit.“

Keine Erfahrungen

Das grundsätzliche Problem bei einem Projekt wie Rhesi sei, „dass wir hier nicht auf Erfahrungen mit anderen Projekten dieser Art zurückgreifen können. Dieses Bauvorhaben ist in seiner Art einzigartig“, erläutert Mähr.

Neue Erkenntnisse gibt es auch immer wieder im Rahmen der Untersuchungen am Versuchsmodell in Dornbirn. „Da haben wir zum Beispiel entdeckt, dass wir zur Sicherung der Brückenfpeiler keine Bohrpfeile brauchen, sondern einen Blockteppich.Das sind große Steine, die wir in einem Abstand von rund neun Metern zum Pfeiler an der Fußsohle anbringen. Diese Methode erspart uns einiges an Geld“, sagt Mähr. Ebenso hätten die Versuche ergeben, dass dem Materialtransport nach Aufweitung des Flusses durch Aufschwemmungen nachgeholfen werden sollte, um eine schnellere Ausbildung der gewünschten Flussstruktur zu erreichen.

Stichwort Untersuchungen in der Modellversuchshalle in Dornbirn: Dort ist die letzte Phase erreicht. Untersucht werden zum Abschluss die Auswirkungen eines 100-jährlichen Hochwassers und ein absolutes Extremereignis.

Fingerzeig

Ein baldige Einreichung des mit einer Milliarde Euro budgetierten Projekts ist auch für den Abschluss der Staatsverhandlungen unabdingbar. „Da braucht es eine Vorlage mit Planungstiefe“, betont Mähr. Dass die in immer kürzeren Abständen wiederkehrenden Extremwetterereignisse ein gutes Argument für eine zügige Weiterentwicklung von Rhesi sein könnte, verhehlt der Experte nicht. „Diese Ereignisse sind schon ein Fingerzeig für die Notwendigkeit von Sicherheitsmaßnahmen.“ VN-HK

„Wir können bei Rhesi leider nicht auf irgendwelche Erfahrungen von ähnlichen Projekten zurückgreifen.“