Ein scheues Miau aus der Wildnis, das alle erfreut

Vorarlberg / 19.09.2022 • 18:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Daniel Leissing machte die Entdeckung mit dem Lockstock möglich. Leissing
Daniel Leissing machte die Entdeckung mit dem Lockstock möglich. Leissing

Die Wildkatze ist in Vorarlberg zurück. Im Ebnitertal wurden genetische ­Spuren entdeckt.

Dornbirn Es ist eine schöne Nachricht in einer Zeit voller negativer News: Vorarlberg meldet die Existenz einer Wildkatze. Nach mehreren Aufnahmen durch Wildkameras gibt es nun auch einen unwiderlegbaren genetischen Beweis. Die Untersuchung von Haaren an einem sogenannten Lockstock im Wald des Ebnitertals erbrachte absolute Gewissheit über das Vorkommen des als ausgestorben geglaubten Vierbeiners in Vorarlberg. Es handelt sich dabei um eine Europäische Wildkatze, ein Wildkatzenweibchen. „Es ist dies der erste genetische Nachweis einer freilebenden Wildkatze in Vorarlberg“, freute sich Daniel Leissing vom Büro für Wildökologie.

Nicht nur Aufnahmen

Eine Überraschung ist die Entdeckung für den Wildbiologen im Land, Hubert Schatz. „Wir hatten bisher zwar Aufnahmen, die durchaus eine Wildkatze zeigten. Aber es hätte genauso gut eine auswilderte Hauskatze sein können, die sich optisch von Wildkatzen nicht unterscheidet. Dass wir nun einen klaren genetischen Beweis der tatsächlichen Existenz des Wildtiers haben, ist eine schöne Sache“, beurteilt Schatz die Entdeckung. Von wo die Katze kommt, wagt Schatz nicht zu sagen. „Wir befinden uns nicht in einer Region, wo Wildkatzen leben. Ich schließe nicht ganz aus, dass Wildkatzen vielleicht gar nie wirklich ausgestorben waren und die wenigen Exemplare ganz einfach unentdeckt blieben.“

Mit dem Lockstock, der für das Anlocken des Tieres verwendet wurde, hat es eine besondere Bewandtnis. Es handelt sich dabei um einen rauen Holzpflock, der im Waldboden eingeschlagen und mit einer Baldrian-Tinktur präpariert wird. Während Baldrian auf Menschen beruhigend wirkt, ist er für Katzen das reinste Aufputschmittel. Eine Wildkatze, die von einem solchen Lockstock angezogen wird, reibt sich an diesem und setzt ihre eigene Duftmarke ab. Dabei bleiben Fellhaare am Stock zurück, die genetisch analysiert werden können. In diesem Fall mit klarem Ergebnis: Beim Tier handelt es sich unzweifelhaft um eine Wildkatze.

Hat die Katze einen Kater?

Wildkatzen ernähren sich von Kleintieren wie Mäusen oder Vögeln. Schatz hält es für möglich, dass sich auch ein Wildkatzenkater im Freschengebiet aufhält. Für den Wildbiologen bedeutet die Existenz der Wildkatze auf alle Fälle eine Vervollständigung des Artenspektrums. „Einen wie immer gearteten Einfluss auf die Ökologie der Wildnis wird die Existenz von Wildkatzen jedoch nicht haben“, hält Schatz fest. VN-HK

„Ich schließe nicht aus, dass sich neben dem Weibchen auch ein Kater bei uns aufhält.“

Sensation: Eine Wildkatze in Vorarlberg. Leissing
Sensation: Eine Wildkatze in Vorarlberg. Leissing
Ein scheues Miau aus der Wildnis, das alle erfreut