Im Homeoffice gegen den Klimawandel

Vorarlberg / 19.09.2022 • 18:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schon ein Tag Homeoffice führt zu starken CO2-Reduktionen.APA/BARBARA GINDL
Schon ein Tag Homeoffice führt zu starken CO2-Reduktionen.APA/BARBARA GINDL

Klimaexpertin Heike Summer über politischen Mut und eine neue Arbeitskultur zur CO2-Reduktion.

WIEN, APPENZELL Starkregen und Dürre: Das Jahr war bislang von Wetterextremen geprägt. Das war auch beim Nachbarn Schweiz nicht anders. Die Feldkircherin Heike Summer leitet seit August das Amt für Umwelt im Kanton Appenzell Innerrhoden. Ihr Themenbereich ist weit: Lärm, Luftreinhaltung, Klima, Nachhaltigkeit, Gewässerschutz, Abwasser, Abfall und Umweltvorschriften bei der Bauordnung. Mit den VN sprach sie darüber, welche Potenziale zur CO2-Reduktion im Homeoffice liegen und wo mehr politischer Mut gefragt ist.

Auch in der Region Schweiz-Liechtenstein-Vorarlberg sind die Veränderungen immer stärker zu spüren. „Extreme Wetterereignisse kommen in kürzeren Abständen.“ Ein möglicher Indikator sei zudem die Apfelblüte, berichtete Summer: Wenn die Apfelbäume blühen, beginnt der Frühling. In der Region setzt die Blüte immer früher ein. Klimaforscherinnen und Klimaforscher verbinden das mit dem Klimawandel. Das führt zu zahlreichen geänderten Bedingungen – auch in ihrem Job. Im Bereich der Bauverordnung verschieben sich die Prioritäten: „Früher haben wir darauf geachtet, dass es im Winter warm bleibt. Jetzt wird es immer wichtiger, dass die Gebäude im Sommer nicht überhitzen.“ Gerade in älteren Gebäuden wird es immer schwieriger, die Hitze wegzubekommen. Da sei die Politik gefordert, Bauvorschriften zukunftsgerichtet zu gestalten. Aber, so Summer: „Bauen kostet schon jetzt sehr viel, das macht Maßnahmen schwieriger.“

Doch nicht nur die Symptombekämpfung ist Teil ihres Jobs. Aktuell arbeitet die studierte Molekularbiologin an einer Klimastrategie der Region. Ein großes Potential an CO2-Einsparung liegt im motorisierten Individualverkehr – und damit im Homeoffice, sagt Summer. Aber das müsse die Politik einmal ansprechen. Ein Modell ähnlich wie ein fleischloser Tag, könnte sich anbieten. „Vieles ist nur mehr Denken und Kopfarbeit, da spricht nichts gegen regelmäßiges Homeoffice. Wenn jeder nur einen Tag machen würde, wäre das eine massive Entlastung.“

CO2-Fußabdruck schrumpft

Das zeigte auch eine Untersuchung der Umweltschutzorganisation Carbon Trust. Arbeitet man 3,5 Tage pro Woche im Homeoffice, schrumpfte der CO2-Fußabdruck jedes Berufstätigen um 72 Prozent. Die Gründe liegen nicht nur im Pendeln. Hinzu kommt der gesunkene Energieverbrauch durch nicht mehr betriebene, oder reduziert betriebene Büros. Dieser Faktor wurde den Angaben zufolge durch Rebound-Effekte, also den gleichzeitigen Mehr-Energieverbrauch in der Heimarbeit, nicht ausgeglichen, so die Autoren. „Wenn man durchbringen würde, dass der Arbeitsweg schon Arbeitszeit ist, würden sich die Verkehrsprobleme schnell auflösen“, sagt Summer. VN-jus

Veranstaltungstipp

Auf Initiative der Vorarlberger Nachrichten diskutieren ExpertInnen über eine klimafitte Zukunft:

Walter Konzett, Direktor und Produktmanager Landverkehre beim Logistiker Gebrüder Weiss,

Heike Summer, Leiterin des Amts für Umwelt im Kanton Appenzell,

Simon Tschannett Stadtklimatologe und Meteorologe 

Daniel Zadra, grüner Landesrat für Umwelt, Klimaschutz, Energie, Öffentlichen Personennahverkehr.

Zur Person

Heike Summer (aus Feldkirch) ist Leiterin des Amts für Umwelt im Bau- und Umweltdepartement im Kanton Appenzell Innerrhoden. Die Molekularbiologin hat an der ETH Zürich studiert und langjährige Erfahrung im Themenfeld Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

Donnerstag, 22. September 2022, 18 Uhr, Alter Landtagssaal, Hypo-Passage 1, 6900 Bregenz; Eintritt kostenlos; bitte anmelden unter: teresa.brunner@russmedia.com