So kalt darf es am Arbeitsplatz werden

Vorarlberg / 20.09.2022 • 17:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Temperaturen von 19 Grad sind das untere Limit im Büro.
Temperaturen von 19 Grad sind das untere Limit im Büro.

Die ÖBB kündigen 19 Grad an. Je nach Arbeitssituation wäre sogar weniger möglich.

FELDKIRCH In Deutschland werden Gebäude der öffentlichen Hand nur mehr auf 19 Grad Celsius geheizt, die Schweiz plant im Extremfall selbst Wohnräumlichkeiten nur mehr auf 19 Grad Celsius heizen zu lassen. Und auch die ÖBB verordnen sich selbst und ihren Fahrgästen mit Beginn der Heizperiode Temperaturen von 19 Grad am Arbeitsplatz und Bahnhofsräumlichkeiten.

Mindesttemperatur unter 20 Grad

Die neue Vorgabe sei eine von 30 Maßnahmen, mit denen die Bundesbahn auf die drohende Energiekrise durch die Gaspolitik Russlands reagiert. „Wir werden als Team ÖBB im wahrsten Sinne des Wortes zusammenrücken, uns warm anziehen und als eines der großen Unternehmen des Landes mit gutem Beispiel vorangehen“, erklärt ÖBB-CEO Andreas Matthä.

Die Arbeitsstättenverordnung sieht in Paragraf 28 Temperaturvorgaben für Arbeitsplätze vor. So darf es im Büro, als Arbeitsplatz mit niedriger körperlicher Belastung, nach Möglichkeit Temperaturen von 19 bis 25 Grad Celsius haben. Bei normaler körperlicher Belastung sind Temperaturen von 18 bis 24 Grad, bei schwerer Belastung sind Mindesttemperaturen von zwölf Grad gesetzlich vertretbar.

Im Rahmen des Möglichen

Jedes Grad Raumtemperatur weniger spare etwa sechs Prozent der Energiekosten ein, rechnet das Energieministerium vor. Doch die Wohlfühltemperatur vieler Mensch liegt eher leicht über 20 Grad Celsius. „Es ist halt im Rahmen des Möglichen der Verordnung“, räumt Christian Maier ein. Der Leiter der Abteilung Arbeitsrecht der Arbeiterkammer Vorarlberg sieht den Fokus der Verordnung jedoch vor allem auf der warmen Jahreszeit: „Es scheint niemand daran gedacht zu haben, dass es zu kalt werden kann.“ Eventuell müsste hier der Gesetzgeber nachschärfen.

Bis dahin muss man sich jedoch mit den Gegebenheiten arrangieren, sowohl auf Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerseite. So muss der Arbeitgeber darauf achten, dass die Temperaturen die Grenze nicht unterschreitet. „Falls es Kleidungsvorschriften gibt, beispielsweise beim Kundenkontakt, könnte man diese eventuell lockern“, rät Maier. Denn wem zu kalt ist, wird sich wärmer kleiden wollen und müssen.

Und wer krank ist, sollte natürlich den Arzt aufsuchen. „Wenn die Belegschaft wegen Krankheit ausfällt, wird sich der Arbeitgeber was überlegen müssen“, verweist er auf die Fürsorgepflicht des Unternehmens. Maier könnte sich vorstellen, dass eine schrittweise Senkung der Temperatur bei der Anpassung hilft. Auch empfiehlt er in Werkstätten einen zum Aufwärmen geeigneten Pausenraum. VN-EMK, RAU

Warme Kleidungsstücke werden diesen Winter gefragt sein. VN/Rauch
Warme Kleidungsstücke werden diesen Winter gefragt sein. VN/Rauch
19 Grad sind mir deutlich zu kalt. Mir ist in meiner Wohnung schon kalt genug und da ist es auf jeden Fall wärmer als 19 Grad. Dülge Gülti 48, Dornbirn

19 Grad sind mir deutlich zu kalt. Mir ist in meiner Wohnung schon kalt genug und da ist es auf jeden Fall wärmer als 19 Grad. Dülge Gülti 48, Dornbirn

Wenn man bei 19 Grad im Büro sitzt, braucht man warme Socken und einen Pullover. Auf der anderen Seite haben wir im Moment eine Energiekrise. Irgendwo müssen wir Abstriche machen. Man muss es vielleicht ausprobieren und wenn dann alle krank werden, muss man wieder wärmer drehen. Rita Mittelberger 69, Bregenz

Wenn man bei 19 Grad im Büro sitzt, braucht man warme Socken und einen Pullover. Auf der anderen Seite haben wir im Moment eine Energiekrise. Irgendwo müssen wir Abstriche machen. Man muss es vielleicht ausprobieren und wenn dann alle krank werden, muss man wieder wärmer drehen. Rita Mittelberger 69, Bregenz

Wenn man eine sitzende Tätigkeit hat und nicht wirklich körperlich aktiv ist, sind 19 Grad schon zu kalt. Man sollte ein Mittelmaß finden, sodass man nicht frieren muss, aber trotzdem energiesparend lebt. Leonhard Dünser 63, aus Au

Wenn man eine sitzende Tätigkeit hat und nicht wirklich körperlich aktiv ist, sind 19 Grad schon zu kalt. Man sollte ein Mittelmaß finden, sodass man nicht frieren muss, aber trotzdem energiesparend lebt. Leonhard Dünser 63, aus Au

19 Grad sind nicht so kalt, das ist vertretbar in Anbetracht der Energiekrise. Es ist nicht so kalt, dass man es nicht aushalten kann. Brigitte Fazio 42, Hohenweiler

19 Grad sind nicht so kalt, das ist vertretbar in Anbetracht der Energiekrise. Es ist nicht so kalt, dass man es nicht aushalten kann. Brigitte Fazio 42, Hohenweiler