So kalt darf es am Arbeitsplatz werden

Markt / 20.09.2022 • 11:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
So kalt darf es am Arbeitsplatz werden
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Die ÖBB kündigen 19 Grad an. Je nach Arbeitssituation wäre sogar weniger möglich.

Feldkirch In Deutschland werden Gebäude der öffentlichen Hand nur mehr auf 19 Grad Celsius geheizt, die Schweiz plant im Extremfall selbst Wohnräumlichkeiten nur mehr auf 19 Grad Celsius heizen zu lassen. Und auch die ÖBB verordnet sich selbst und ihren Fahrgästen mit Beginn der Heizperiode Temperaturen von 19 Grad am Arbeitsplatz und Bahnhofsräumlichkeiten.

Mindesttemperatur unter 20 Grad

Die neue Vorgabe bezüglich der Raumtemperatur sei eine von 30 Maßnahmen, mit denen die Bundesbahnen auf die drohende Energiekrise durch die Gaspolitik Russlands reagiert. “Wir werden als Team ÖBB im wahrsten Sinne des Wortes zusammenrücken, uns warm anziehen und als eines der großen Unternehmen des Landes mit gutem Beispiel vorangehen”, erklärt ÖBB-CEO Andreas Matthä.

Die Arbeitsstättenverordnung sieht in Paragraf 28 Temperaturvorgaben für Arbeitsplätze in Österreich vor. So darf es im Büro, als Arbeitsplatz mit niedriger körperlicher Belastung, nach Möglichkeit nur Temperaturen von 19 bis 25 Grad Celsius haben. Bei normaler körperlicher Belastung sind Temperaturen von 18 bis 24 Grad, bei schwerer Belastung sind Mindesttemperaturen von 12 Grad gesetzlich vertretbar. Die ÖBB bewegt sich also weiterhin im gesetzlich vorgesehenen Rahmen.

Im Rahmen des Möglichen

Jedes Grad Raumtemperatur weniger spare auf Dauer um die sechs Prozent der Energiekosten ein, rechnet das Energieministerium vor. Doch die Wohlfühltemperatur vieler Mensch liegt eher leicht über 20 Grad Celsius. “Es ist halt im Rahmen des Möglichen der Verordnung”, räumt Christian Maier ein. Der Leiter der Abteilung Arbeitsrecht der Arbeiterkammer Vorarlberg sieht den Fokus der Verordnung jedoch vor allem auf der warmen Jahreszeit: “Es scheint niemand daran gedacht zu haben, dass es zu kalt werden kann.” Eventuell müsste hier der Gesetzgeber nachschärfen.

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AK-Arbeitsrechtsexperte Christian Maier sieht beide Seiten gezwungen, sich anzupassen.VN

Bis dahin muss man sich jedoch mit den Gegebenheiten arrangieren, sowohl auf Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerseite. So muss der Arbeitgeber darauf achten, dass die Temperaturen die Grenze nicht unterschreitet. “Falls es Kleidungsvorschriften gibt, beispielsweise beim Kundenkontakt, könnte man diese eventuell lockern”, rät Maier. Denn wem zu kalt ist, wird sich wärmer kleiden wollen und müssen.

Und wer krank ist, sollte natürlich den Arzt aufsuchen. “Wenn die Belegschaft wegen Krankheit ausfällt, wird sich der Arbeitgeber was überlegen müssen”, verweist er auf die Fürsorgepflicht des Unternehmens. Maier könnte sich vorstellen, dass eine schrittweise Senkung der Temperatur bei der Anpassung hilft. Auch empfiehlt er in Werkstätten zumindest einen Pausenraum, in dem man sich aufwärmen kann.