Viel Geld für die Pflege

Vorarlberg / 21.09.2022 • 05:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die praktische Ausbildung wird in Krankenpflegeschulen großgeschrieben. <span class="copyright">VOL.AT/Mayer</span>
Die praktische Ausbildung wird in Krankenpflegeschulen großgeschrieben. VOL.AT/Mayer

Ausbildungsförderung und ein Bonus für Pflegekräfte.

Bregenz „Diese Frage ist politisch noch nicht vom Tisch.“ Mit dieser Feststellung spielte Landeshauptmann Markus Wallner auf das Auslaufen der Diplomausbildung an den Gesundheits- und Krankenpflegeschulen an. 2023 beginnt der letzte Diplomkurs, danach soll es für den gehobenen Dienst nur noch die Bachelor-Ausbildung an der Fachhochschule geben. Allerdings läuft es damit aktuell nicht ganz rund.

Von 90 Ausbildungsplätzen sind im neuen Studienjahr gerade einmal 62 besetzt. Mit sieben Interessenten werde noch verhandelt, hieß es beim Pressefoyer nach der Regierungssitzung. Das derzeit zweigleisige System wurde als ein Grund für das geringere Interesse an der Fachhochschul-Ausbildung angegeben. Dennoch schließt Wallner angesichts der massiven personellen Mangelerscheinungen eine Verlängerung der bestehenden Diplomausbildung nicht aus.

Förderungen fließen bald

Gleichzeitig will Vorarlberg mit Nachdruck auf die Realisierung der Pflegelehre pochen. „Sie ist kein Allheilmittel, aber ein weiteres wichtiges Glied in der Angebotskette“, waren sich Wallner und die zuständigen Landesrätinnen Martina Rüscher sowie Katharina Wiesflecker einig. Sicher ist hingegen, dass alsbald die ersten Ausbildungsförderungen zur Auszahlung gelangen. Bekanntlich gibt es als Anreiz 600 Euro. Im September bzw. Oktober fließen rund 300.000 Euro monatlich an etwa 750 Schüler und Studenten. Davon finanziert der Bund zwei, das Land ein Drittel.

Die im Beruf befindlichen Pflegekräfte dürfen spätestens im Dezember mit einem ersten Bonus rechnen, kündigte Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker an. Dafür stellt der Bund für 2022 und 2023 jeweils 285 Millionen Euro bereit. Vorarlberg lukriert zweimal etwa 12 Millionen Euro. Im kommenden Jahr sollen alle Pflegekräfte, egal mit welcher Ausbildung, monatlich gut 160 Euro mehr auf dem Gehaltszettel haben. „Diese Anerkennung ist als Zeichen der Wertschätzung und zur Attraktivierung des Berufs dringend notwendig“, betonte Wiesflecker, dass es nicht nur um die Rekrutierung neuer Pflegekräfte gehe, sondern es auch geboten sei, das Personal zu halten. Vor allem während der Pandemiezeit hätten viele den Dienst quittiert. Als Folge warten 200 Personen auf einen Platz in einem Pflegeheim, wo inzwischen 150 Betten leer stehen. Der Landeshauptmann kritisierte die zeitliche Befristung des Zuschusses: „Da braucht es eine langfristige Finanzierung.“

Klassen statt Internatsplätze

Auf die Gehaltsverhandlungen hat der Bonus keinen Einfluss. Markus Wallner sprach von einer großen Herausforderung, wollte sich aber auf keinen Prozentsatz festlegen. „Wir warten, wie die ersten Branchenabschlüsse ausfallen“, sagte er. Es gelte auf jeden Fall, die Kaufkraft zu erhalten. Immerhin konnte vermeldet werden, dass mit 134 Schülerinnen und Schüler die Plätze in den Krankenpflegeschulen vollständig belegt sind. In der Kathi-Lampert-Schule haben 15 Schülerinnen die Ausbildung zur Pflegeassistenz begonnen, in der Schule für Sozialbetreuungsberufe sind es 97. Dort werden Internatsplätze für eine Million Euro zu vier zusätzlichen Klassen umgebaut. Sie sollen im Herbst 2023 in Betrieb gehen. Das bei der connexia eingerichtete Welcome-Center hat sich ebenfalls bewährt. Seit Juni haben 331 Personen eine Beratung in Anspruch genommen. „Wir müssen alle erreichen, nicht nur junge Nachwuchskräfte, sondern vor allem auch Quer- und Wiedereinsteiger“, lautete die Ansage.