Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Zu Hilfe!

Vorarlberg / 21.09.2022 • 10:00 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Der Tsunami kollektiven Frohsinns, der das Bierzelt erfasst hat, bricht an ihm. Er sitzt da wie ein einziges Versehen. Seine Kumpels reißen Späße, er ringt sich ein höfliches Lächeln ab. Wer aber lächelt inmitten schallenden Gelächters, der macht sich verdächtig. Aufmunternd tätschelt ihm sein Nachbar den Hinterkopf im Takt der Musik. Da wirkt Erfahrungswissen: Den Fernseher bringt er daheim ja auch mit gezielten Schlägen wieder auf Empfang.

Aber es wird nicht gelingen. Das sieht ein Blinder. Hier klaffen die Wellenlängen einfach zu weit auseinander. Deshalb wäre es wohl ein Gebot der Menschlichkeit, an solchen Stätten schunkelnder Geschwisterlichkeit Fluchtwege auszuschildern für jene, die sich hierher verirrt haben. Sie sind ganz harmlos, nur keine Angst! Wollen einfach nur nach Hause, ehrlich!

Aber schon hat der Erste auf unsicheren Beinen den Tisch erklommen. Die anderen folgen und ziehen ihn unbarmherzig hoch, die alte Spaßbremse. Sie schwenken die Krüge und torkeln krachledernen Blicks in den goldenen Herbst, während seine Augen flehentlich nach einem Ausgang suchen. Vermutlich hat er sogar Limonade im Bierkrug. Zuzutrauen ist so einem schließlich alles. Wir zittern mit ihm, dass es niemand spitzkriegt!