Corona-Herbstwelle baut sich auf

Vorarlberg / 22.09.2022 • 22:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Infektionsgeschehen beschleunigt sich auch aufgrund der niedrigen Temperaturen.

SCHWARZACH Seit Mitte September werden österreichweit mehr und mehr Corona-Neuinfektionen festgestellt. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass mehr getestet wird. In Salzburg hatte Landesstatistiker Gernot Filipp gestern so viele Informationen zusammengetragen, dass der Beginn der Herbstwelle daraus „klar“ abgeleitet werden könne, wie er in einer Aussendung mitteilte.

In Vorarlberg ist die Inzidenz bestätigter Infektionen pro 100.000 Einwohner und Woche seit 13. September um mehr als zwei Drittel auf 336 geklettert. Im Bundesländer-Vergleich ist sie damit noch immer am niedrigsten. In der Tendenz entwickelt sie sich jedoch vom Boden- bis zum Neusiedlersee ähnlich.

Die Zahl festgestellter Infektionen allein ist von begrenzter Aussagekraft. Nur ein Teil der Fälle wird erfasst. Eine bessere Aussagekraft ergibt es erst, wenn man Entwicklungen sowie Taststrategien und Abwasserproben mitberücksichtigt. Für Vorarlberg kommt Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher alles in allem zum Schluss, dass es wirklich immer mehr Neuinfektionen gibt. Ein eindeutiger Grund dafür lasse sich aber noch nicht festmachen, betont er. Ausschlaggebend sei wohl vieles. Nicht nur die Tatsache, dass wieder mehr getestet wird, sondern etwa auch, dass sich das Alltagsleben aufgrund der niedrigen Temperaturen wieder verstärkt in geschlossenen Räumen abspielt. Dort ist die Ansteckungswahrscheinlichkeit größer. Auch der sinkende Impfschutz sowie die Vernachlässigung persönlicher Schutzmaßnahmen, wie Hände waschen, Abstand halten und Maske tragen, könnte laut Grabher eine Rolle spielen. Zudem kommt es nach dem Ende der Urlaubszeit und dem Beginn der Schule wieder vermehrt zu Kontakten an Arbeitsplätzen und in Klassenzimmern.

Gesundheitsexperte Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien bestätigt, dass die Entwicklung des erfassten Infektionsgeschehens mit dem Wetter zusammenpasst. Das begünstige die Ausbreitung von Corona. Armin Fidler, der der Ampelkommission angehört, erwartet, dass es mit einer Verzögerung von ein, zwei Wochen auch wieder etwa mehr Spitals­patienten geben wird. Vorerst fällt die Bewertung für Vorarlberg bestmöglich aus: Die Risikolage wird von der Kommission als sehr gering eingeschätzt. Fidler rät dennoch, zu reagieren. Nämlich insofern, als man sich impfen lassen sollte. Bisher verfügen erst 16.500 Menschen im Land über eine Auffrischungsimpfung. Eine solche wird vom Nationalen Impfgremium allen über Zwölfjährigen empfohlen. JOH