Aufweitung der Kapfschlucht vor Baustart: Die Maßnahmen im Überblick

Vorarlberg / 23.09.2022 • 05:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Aufweitung der Kapfschlucht vor Baustart: Die Maßnahmen im Überblick
Das Erscheinungsbild der Kapfschlucht wird sich in den kommenden Jahren ändern. VN/Lerch, Rendering, Volare

Erste Bauphase des Feldkircher Hochwasserschutzprojekts Kapfschlucht startet im November. Am Donnerstagabend wurde die Bevölkerung informiert.

Feldkirch In Feldkirch wird in den kommenden Jahren nicht nur am Stadttunnel weitergebaut, auch das Erscheinungsbild der Kapfschlucht zwischen Ardetzen- und Blasenberg wird sich in naher Zukunft maßgeblich verändern. Die Kapfschlucht ist im Falle eines starken Hochwasserereignisses ein kritisches Nadelöhr, da durch einen Rückstau der Ill die Altstadt gefährdet wäre.

Aufweitung der Kapfschlucht vor Baustart: Die Maßnahmen im Überblick

Aus diesem Grund wird die Illschlucht in den kommenden Jahren aufgeweitet, bis 2026 sollen das Großprojekt fertiggestellt sein. Kostenpunkt: 24 Millionen Euro, die sich Bund, Land und Wasserverband Ill-Walgau im Verhältnis 40/40/20 aufteilen. Am Donnerstagabend (22.09.2022) informierten Feldkirchs Bürgermeister Wolfgang Matt, Stadtrat und Obmann des Wasserverbands Ill-Walgau Wolfgang Flach, Projektleiter Wolfgang Errath sowie Thomas Blank, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes, im Alten Hallenbad über die Pläne zur Verbesserung des Hochwasserschutzes.

Die Heilig-Kreuzbrücke (in der Mitte) und die Montfortbrücke (rechts im Bild) werden beide abgerissen. <span class="copyright">VN/Lerch</span>
Die Heilig-Kreuzbrücke (in der Mitte) und die Montfortbrücke (rechts im Bild) werden beide abgerissen. VN/Lerch
1910 kam es in Feldkirch zu einem verheerenden Hochwasser, in weiterer Folge wurden erste Maßnahmen in der Kapfschlucht getroffen. <span class="copyright">volare/Aufnahme von Alois Gnädinger</span>
1910 kam es in Feldkirch zu einem verheerenden Hochwasser, in weiterer Folge wurden erste Maßnahmen in der Kapfschlucht getroffen. volare/Aufnahme von Alois Gnädinger

Neue Galerie für den Verkehr

Das Großprojekt wird in zwei Bauphasen in Angriff genommen, die erste beginnt im November. Den Anfang macht dabei die Aufweitung Illschlucht, die um bis zu acht Meter verbreitert werden soll, damit sie mehr Wasser führen kann.

Dazu werden die bestehende Kapfstraße und die untere Ardetzenbergstraße auf einer Länge von etwa 80 Metern abgetragen und in Folge der Fels an der Stelle entnommen. “In Zukunft wird der Verkehr durch die Kapfschlucht in einer Galerie unterhalb der Ardetzenbergstraße geführt, mit einer eigenen Spur für Fußgänger und Radfahrer”, erklärt Projektleiter Wolfgang Errath.

Aufweitung der Kapfschlucht vor Baustart: Die Maßnahmen im Überblick
So soll die neue Heilig-Kreuz-Brücke mit Andergassenhaus (r.) und das Galeriebauwerk unterhalb der Ardetzenbergstraße aussehen. Rendering/Wasserverband Ill-Walgau/Lisa Mathis

Behelfsbrücken

Die Heilig-Kreuz-Brücke, die Verbindung in den Stadtteil Kehr, wird dabei komplett abgerissen. Die heutige Brücke wurde 1894 errichtet und im Rahmen der Sicherungsmaßnahmen bereits 1914 erweitert. Ausschlaggebend dafür war das Hochwasser 1910, bei der die Innenstadt bis zu vier Meter unter Wasser stand. Die neue Brücke, die vom Architekturbüro Marte.Marte geplant wird, soll aufgrund des Denkmalschutzes der alten Brücke nachempfunden werden. Dieser erste Bauabschnitt soll 2025 fertiggestellt sein.

Um bis zu acht Meter wird die Schlucht verbreitert, damit die Ill mehr Wasser führen kann. <span class="copyright">VN/Lerch</span>
Um bis zu acht Meter wird die Schlucht verbreitert, damit die Ill mehr Wasser führen kann. VN/Lerch

Der gesamte Verkehr durch die Kapfschlucht wird während dieser Zeit umgeleitet. Dafür wird eine eigene Behelfsbrücke über die Ill errichtet. “Die Verbindung durch die Schlucht von und nach Gisingen, Tosters und Nofels kann somit aufrecht erhalten bleiben”, informiert Wolfang Flach. Die Stadtbusse werden den Bereich durch den Ardetzenbergtunnel umfahren.

Im zweiten Bauabschnitt, der 2025 und 2026 über die Bühne gehen soll, wird die Montfortbrücke beim Landesgericht komplett erneuert, verbreitert und höher gelegt. Während diesen Bauarbeiten soll der gesamte Verkehr über eine flussaufwärts situierte Behelfsbrücke umgeleitet werden.

Hochwasserschutz-Projekt Feldkirch

Projektbetreiber: Wasserverband Ill-Walgau

Gesamtprojektkosten: rund 24 Millionen Euro

 

Bauabschnitt 1: Aufweitung Kapfschlucht, Neubau Heilig-Kreuz-Brücke

Baustart: November 2022

Geplante Fertigstellung: Mitte 2025

 

Bauabschnitt 2: Neubau Montfortbrücke

Baustart: 2025

Geplante Fertigstellung: Mitte 2026

Historische Fotos vom Hochwasser 1910

Die Verwüstungen, die das Hochwasser am 15. Juni 1910 in Vorarlberg verursacht hatte, waren so eindrücklich, dass zur Erinnerung daran sogar eine Postkartenserie erschien – die Fotos sind auf Volare zu finden. Es war einer Verkettung ungünstiger Umstände zuzuschreiben, dass viele Flüsse und Bäche in ganz Vorarlberg massiv über ihre Ufer traten. Flächendeckend fielen innerhalb weniger Tage über 200 mm Niederschlag pro Quadratmeter.

Dazu kamen noch die überdurchschnittlichen Temperaturen, die bis ins Hochgebirge für Regen sorgten und den dort noch liegenden Schnee zum Schmelzen brachten. Nach dem niederschlagsreichen Winter und dem kalten Frühjahr lagen im Gebirge noch ungefähr zwei Meter Schnee.

<p class="caption">Feldkirch stand am Morgen des 15. Juni vollständig unter Wasser, die Ill hatte das Städtchen in ein zweites Venedig verwandelt.<span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span></p>

Feldkirch stand am Morgen des 15. Juni vollständig unter Wasser, die Ill hatte das Städtchen in ein zweites Venedig verwandelt. 

<p class="caption">Insgesamt mussten in Feldkirch über 500 Personen mit Booten evakuiert werden.</p>

Insgesamt mussten in Feldkirch über 500 Personen mit Booten evakuiert werden.

<p>Bereits 1910 kam es zu einem verheerenden Hochwasser in Feldkirch, in Folge wurden erste Maßnahmen in der Kapfschlucht getroffen.</p>

Bereits 1910 kam es zu einem verheerenden Hochwasser in Feldkirch, in Folge wurden erste Maßnahmen in der Kapfschlucht getroffen.

Aufweitung der Kapfschlucht vor Baustart: Die Maßnahmen im Überblick
Aufweitung der Kapfschlucht vor Baustart: Die Maßnahmen im Überblick