Gegenseitige Anschuldigungen

Vorarlberg / 25.09.2022 • 19:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Seit der Ankündigung der Teilmobilmachung versuchen immer mehr russische Männer - wie hier an der Grenze zu Georgien - ins Ausland zu flüchten.AFP
Seit der Ankündigung der Teilmobilmachung versuchen immer mehr russische Männer – wie hier an der Grenze zu Georgien – ins Ausland zu flüchten.AFP

Scheinreferenden in von Russland besetzten Gebieten dauern noch bis Dienstag.

Saporischschja Begleitet von Sicherheitsversprechen Moskaus sind in besetzten Teilen der Ukraine die als Scheinabstimmungen kritisierten Referenden über einen Beitritt zu Russland den dritten Tag in Folge vorangetrieben worden. Kiew und Moskau warfen sich am Sonntag gegenseitig Angriffe auf zivile Ziele vor.

In der von russischen Truppen besetzten ukrainischen Region Saporischschja sprachen sich am 23. September, dem ersten Tag des von Moskau inszenierten Scheinreferendums, angeblich 93 Prozent der Stimmberechtigten für den Beitritt zur Russischen Föderation aus. Das meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS am Sonntag unter Berufung auf Exit-Polls.

Die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA meldete die Bombardierung eines Hotels in der besetzten Stadt Cherson durch ukrainische Truppen. Zwei Menschen seien getötet worden. Zudem hätten ukrainische Truppen Getreidespeicher und Lagerhallen für Düngemittel beschossen. Außerdem versuchte die Ukraine nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau erneut die Gegend rund um das besetzte Atomkraftwerk Saporischschja anzugreifen, wie russische Medien berichteten. Acht „Kamikaze-Drohnen“ seien aber abgeschossen worden. Das Strahlungsniveau sei weiterhin normal. Das AKW war in den vergangenen Wochen immer wieder unter Beschuss geraten, die Ukraine und Russland machten sich dafür gegenseitig verantwortlich.

Angriffe des ukrainischen Militärs

Das ukrainische Militär wiederum beschuldigte russische Streitkräfte, binnen 24 Stunden Dutzende Raketen- und Luftangriffe auf zivile und militärische Ziele ausgeübt zu haben. Zahlreiche Siedlungen seien betroffen gewesen, ebenso wie das Stadtzentrum von Odessa. Weder die Angaben der einen noch der anderen Seite ließen sich unabhängig überprüfen.

Die Ukraine hatte zuletzt im Zuge ihrer Gegenoffensive eine ganze Reihe von wichtigen militärischen Erfolgen gefeiert. Russlands Präsident Wladimir Putin ordnete daraufhin eine Teilmobilisierung weiterer Hunderttausender Soldaten an, während am Freitag in mehreren besetzten Gebieten der Ukraine mit den Beitrittsreferenden begonnen wurde. Der Westen verurteilte diese scharf als Scheinreferenden. Angesichts russischer Repressalien wird allgemein davon ausgegangen, dass der Ausgang der bis Dienstag angesetzten Abstimmungen praktisch schon feststeht und Mehrheiten für einen Anschluss der ukrainischen Gebiete an die Russische Förderation ergeben wird.

Lange Warteschlangen

In Russland gingen unterdessen die zwei ranghöchsten Parlamentarier auf zunehmende Beschwerden über die Truppenmobilisierungskampagne ein. In den vergangenen Tagen gab es aus verschiedenen Teilen Russlands Berichte über Männer, die Einberufungsbefehle erhalten haben, obwohl sie keine militärische Erfahrung oder das Einberufungsalter überschritten haben.

Seit der Ankündigung der ersten Mobilmachung in Russland seit dem Zweiten Weltkrieg versuchen zahlreiche russische Männer einer Einberufung durch eine Flucht ins Ausland zu entgehen. An den Grenzen zur Mongolei, Kasachstan, Finnland und Georgien haben sich zeitweise lange Warteschlangen gebildet.

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