Verkehr nimmt nicht generell zu

Vorarlberg / 25.09.2022 • 20:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Auf den Vorarlberger Straßen sind zum Teil weniger Autos unterwegs als vor drei Jahren.

SCHWARZACH „Weniger Verkehr durch die höheren Spritpreise beobachten wir derzeit nicht“, berichtet Alexander Holzedl von der Autobahn- und Schnellstraßengesellschaft ASFINAG. Entwicklungen auf der A14 im Großraum Bregenz, Dornbirn lassen keinen anderen Schluss zu: Beim Grenzübergang Hörbranz wurden heuer im August durchschnittlich 44.030 Fahrzeuge pro Tag in beide Richtungen gezählt.

Das waren um zwölf Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2019, also vor der Pandemie. Bei Dornbirn handelte es sich gar um 64.440 Autos, Lkw und Motorräder. Auch das entsprach zwar einer Zunahme von zwölf Prozent, ist aber eher außergewöhnlich. An anderen Stellen könnte man den Eindruck gewinnen, Grenzen des Wachstums seien erreicht.

Niedrigeres Verkehrsaufkommen

Schon in Feldkirch gab es heuer im August auf der A14 ein etwas niedrigeres Verkehrsaufkommen, genauso wie in Bludenz, wo mit 27.173 Fahrzeugen sogar um fünf Prozent weniger unterwegs waren als vor drei Jahren, dem letzten Jahr ganz ohne Kriseneinflüsse. Dass das Aufkommen hier noch immer unter dem alten Niveau ist, hat laut Holz­edl zum Teil mit Baustellen, wie jener bei der Anschlussstelle Bludenz-Montafon, zu tun. So etwas hat Einfluss.

Es muss jedoch mehr sein. Jörg Zimmermann, der beim Land mit dem Verkehrswesen befasst ist, weist auf einen Bruch in der Entwicklung auf Straßen abseits der Autobahn hin: Bis 2019 habe es eine stetige Zunahme des Verkehrs gegeben. 2020 und 2021 fallen pandemiebedingt überwiegend aus dem Rahmen. Für heuer wären wieder normale Verhältnisse erwartbar gewesen. Im ersten, aber auch im zweiten Quartal seien alles in allem aber noch immer nicht so viele Fahrzeuge unterwegs gewesen wie 2019, so Zimmermann. Da und dort, wie auf der L 190 in Frastanz, waren es zuletzt zwar mehr (im Juni etwa um ein Prozent); auf der extrem stark befahrenen L 204 zwischen Dornbirn und Lustenau aber gleich um elf Prozent weniger als vor drei Jahren (ebenfalls im Juni). Woran das liegen könnte? Zimmermann ist vorsichtig: „Ob das auf die steigenden Benzinpreise zurückzuführen ist, traue ich mich nicht zu sagen.“

Hoher Spritpreis

Immer wieder volle Züge und Busse müssen noch kein Beweis dafür sein, aber Michael Schwendinger vom „Verkehrsclub Österreich“ (VCÖ) ist sich sicher: „Der hohe Spritpreis wirkt dämpfend.“ Es wird weniger Auto gefahren, es werden mehr öffentliche Verkehrsmittel benützt. Außerdem gebe es mehr Homeoffice als früher. Das führt dazu, dass grundsätzlich weniger Menschen pendeln.

Bei einer VCÖ-Befragung hat sich gezeigt, dass es sehr viele Umsteiger gibt: Mehr als 50 Prozent der Fahrgäste benützen die Bahn für Strecken, die sie früher mit dem Auto zurückgelegt haben. In Vorarlberg ist das ein Prozess, der schon länger andauert: Seit Ende der 2000er-Jahre ist der Anteil der Menschen, die mehrmals pro Woche mit dem Auto fahren, laut Statistik Austria von über 70 auf weniger als 60 Prozent gesunken. Umgekehrt ist der Anteil derer, die regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel benützen, um die Hälfte auf rund 30 Prozent gestiegen. JOH

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