Die große Sehnsucht nach dem Landidyll

Vorarlberg / 27.09.2022 • 19:14 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Hittisauer Landgespräche thematisieren den Wandel in den Dörfern.

Hittisau Das Dorf ist nicht mehr, was es einmal war. Nachbarschaften erodieren, Vereinen kommen die Mitglieder abhanden, nur noch wenige engagieren sich in der Gemeindepolitik. Es sind alarmierende Feststellungen, die der Einladung zu den diesjährigen Hittisauer Landgesprächen innewohnen.

Prof. Erika Geser-Engleitner bestätigt: „Gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Entwicklungen haben auch in den Dörfern zu einem tiefgreifenden strukturellen Wandel geführt.“ Umso bedeutender sind für die Sozialwissenschaftlerin Veranstaltungen wie die Landgespräche, denn: „Mit dem öffentlichen Diskurs gestalten wir Wirklichkeiten.“

Die große Herausforderung liegt laut Geser-Engleitner darin, wie ein Dorf die Gemeinschaft fördern und sichern kann. Unbestreitbar ist für sie nämlich, dass sich die Menschen trotz aller Urbanisierung nach Begegnungs- und Beziehungsorten sehnen. Beides habe wieder einen Wert bekommen. Erika Geser-Engleitner referiert bei der fünften Auflage der Landgespräche ebenso wie Kriemhild Büchel-Kapeller, Thomas Milic und Reinhard Haller.

Wir-Gefühl stärken

Die Landgespräche finden am Samstag, 8. Oktober, von 13 bis 18 Uhr im Ritter-von-Bergmann-Saal in Hittisau statt. Es geht um Themen, die die zukünftige Rolle des Dorfes betreffen, aber auch dessen Besonderheiten, und wie es gelingen kann, Ansprüche und Interessen von angestammten sowie zugezogenen Gemeindebürgern unter einen Hut zu bringen. „Schnelle Lösungen sind nicht zu erwarten“, stellt Geser-Engleitner klar. Es sei jedoch wichtig, darüber zu reden: „Damit das Wir-Gefühl für möglichst die ganze Bevölkerung gilt und Dörfer wohltuende Begegnungsorte bleiben oder werden.“ Gleichzeitig sagt sie: „Es gibt kein Leben ohne Veränderung.“ Die spielt sich seit gut 40 Jahren auch auf dem Land ab.

Mobilität und neue Kommunikationstechnologien haben das Ausbildungs-, Arbeits- und Freizeitverhalten der ländlichen Bevölkerung wesentlich beeinflusst. „Gerade Mobilität hat einen hohen Wert. Es wird damit Freiheit, Wahlmöglichkeit und Unabhängigkeit verbunden“, erklärt Erika Geser-Engleitner. Die Folge: Menschen verbringen weniger Zeit in ihren Wohngemeinden, was das soziale Miteinander veränderte.

Neue Bio-Oasen

Inzwischen werden sie jedoch wieder als Zukunftsorte gehandelt, als Landidyll. Geser-Engleitner: „Das Bild des Dorfes wird verwendet, um Lebensqualität, Überschaubarkeit, und Beziehungen hervorzuheben. Ein Ort, der Identität schafft und wo sich Leute mit Namen begrüßen.“ Gleichwohl seien Dorfentwicklungsprozesse immer noch zu sehr auf Strukturen ausgelegt statt darauf, Beziehungen zu fördern, aber: „Genau das ist es, was Dörfer brauchen.“ VN-MM

Infos unter www.hittisau.at/kultur/ Anmeldung: 05513/6209-250, E-Mail: tourismus@hittisau.at Eintritt frei

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