Das bewegte den Höchster Bürgermeister zum Rücktritt

Vorarlberg / 28.09.2022 • 05:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neuneinhalb Jahre im Amt und ab Samstag Pensionist: Herbert Sparr macht den Weg für eine(n) neue(n) Bürgermeister/Bürgermeisterin in Höchst frei. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Neuneinhalb Jahre im Amt und ab Samstag Pensionist: Herbert Sparr macht den Weg für eine(n) neue(n) Bürgermeister/Bürgermeisterin in Höchst frei. VN/Stiplovsek

Herbert Sparr geht ohne Groll. Und doch ist sein Abschied als
Gemeindechef nicht ungetrübt.

Höchst Noch zwei Tage ist der 63-jährige Herbert Sparr Bürgermeister von Höchst. Ab Samstag folgt ihm dann interimistisch Heidi Schuster-Burda nach, ehe das Wahlvolk der 8000-Seelen-Gemeinde am 13. November das neue Gemeindeoberhaupt bestimmt.

Das Leben hat sich verändert

“Ich freu’ mich auf das, was jetzt kommt”, zeigt sich der topfitte frühere Sozialexperte erleichtert. Und fügt an: “Ob mir als Pensionist etwas fehlen wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Das wird sich weisen.” Ganz sicher nicht abgehen wird Sparr der politische Streit, der ihn, und noch mehr dessen vorläufige Nachfolgerin Heidi Schuster-Burda, im Sommer das Regieren verleidete – es ging um die Kinder- und Schülerbetreuung in der Gemeinde. “Aber”, beteuert der Noch-Bürgermeister, “das war nicht der einzige Grund für meinen Rücktritt. Auf mich warten in der Familie Betreuungsaufgaben. Meine Sicht aufs Leben hat sich dadurch grundlegend verändert.

“Auf mich warten in der Familie Betreuungsaufgaben. Meine Sicht aufs Leben hat sich grundlegend verändert.

Herbert Sparr, Bürgermeister Höchst
Zwei Tage vor seinem Abschied als Bürgermeister bekommt Herbert Sparr von seinem Vorgänger Werner Schneider Besuch. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Zwei Tage vor seinem Abschied als Bürgermeister bekommt Herbert Sparr von seinem Vorgänger Werner Schneider Besuch. VN/Stiplovsek

Nicht “starker Mann”

Herbert Sparr war in den neuneinhalb Jahren seiner Amtszeit kein Amtsträger Marke “starker Mann”. “Lösungen im Konsens zu erreichen stand für mich an oberster Stelle. Ich ließ mich lieber entscheidungsschwach schimpfen, als diesem Prinzip untreu zu werden”, sagt er über sich selbst. Tatsächlich sind von ihm keine gravierenden Konflikte mit politischen Mitbewerbern bekannt, noch bei der Wahl vor zwei Jahren fuhr er sowohl mit seiner Fraktion als auch als Bürgermeisterkandidat eine satte absolute Mehrheit ein. Für die anderen Fraktionen war er stets ein politischer Gegner, aber keine Reizfigur mit Empörungspotenzial.

Mit den Jungen in Kontakt. Auf dem Dorfplatz freut sich Sparr über die Begegnungen mit diesen Jugendlichen. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Mit den Jungen in Kontakt. Auf dem Dorfplatz freut sich Sparr über die Begegnungen mit diesen Jugendlichen. VN/Stiplovsek

Steile Polit-Karriere

Als Sohn einer Höchster Familie mit vier Geschwistern musste Herbert Sparr das Miteinander früh üben. Der Der Handelsschulabsolvent fand bald den Weg zuerst in die Sozialabteilung der BH Bregenz, später in die Abteilung Gesellschaft und Soziales im Land. In die Politik verschlug es ihn vor knapp 13 Jahren. Schnell landete er im Gemeindevorstand, wurde Vizebürgermeister und löste am 5. April 2013 Werner Schneider als Höchster Bürgermeister ab.

“Ich bin dankbar dafür, als Bürgermeister den wohl vielfältigsten Job, den es gibt, für mehrere Jahre ausgeübt haben zu dürfen. Ich gehe mit guten Gedanken.” Dass er mit seiner unerwarteten Entscheidung die Mitarbeiter überrascht hat, verhehlt Sparr nicht. Von seinem Leitsatz “Das Wir ein wenig über das Ich stellen” rückt er nun ab. Ab Samstag geht es nur noch um Herbert Sparr, den Pensionisten, der dann nur noch für sich und seine Liebsten da sein wird.

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