“Ich war die mit der Sachertorte”

Vorarlberg / 28.09.2022 • 17:52 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Adelsexpertin mit Fürst Albert II. von Monaco.
Die Adelsexpertin mit Fürst Albert II. von Monaco.

Freundschaften, Fettnäpfchen und Starallüren: Lisbeth Bischoff blickt auf 50 Jahre als Society-Journalistin zurück.

Dornbirn Seit 50 Jahren ist Lisbeth Bischoff mit den Stars auf Du und Du und weiß ganz genau, was sich bei den Royals hinter den Palastmauern abspielt. Anlässlich ihres Berufsjubiläums präsentiert die Gesellschaftsjournalistin und Adelsexpertin aus Dornbirn ihr neues Buch „Rückblick“. Mit den VN sprach die 67-Jährige über besondere Interviewpartner, Fettnäpfchen und wie es ihr gelang, auch schwierige Interviewpartner um den Finger zu wickeln.

 

Welches war für Sie das prägendste Erlebnis in Ihrem Beruf?

Bischoff Ich war bei der Parfumpräsentation von „J’adore“ über den Dächern von Cannes eingeladen. Es war ein riesiges Event mit 1000 geladenen Gästen. Als ich mich auf dem Gelände etwas umgesehen habe, habe ich eine Villa entdeckt, an der die Tür weit offenstand. Ein alter Mann hat mich hereingebeten. Sein Name war Martin Gray. Er saß in seinem Schaukelstuhl in der Bibliothek und hat mir bei einem Glas Wein seine Geschichte über seinen Aufenthalt im KZ erzählt. Er meinte: „Wenn ich das überleben werde, möchte ich an dem schönsten Ort der Welt wohnen.“ Dieser Mensch hat mich sehr beeindruckt und es war am Ende die bessere Geschichte, als die Parfumpräsentation.

 

Wie kam die Idee, ein Buch über Ihren Alltag als Journalistin zu schreiben?

Bischoff Weil mich immer mehr Leute gefragt haben, wie ich überhaupt zu meinen Geschichten komme. Nach außen wirkt der Beruf sehr glamourös, in Wirklichkeit ist es beinharte Arbeit. Es ist am Ende kein privates Buch geworden, aber es gibt Einblicke in meine Gefühlswelt, wie ich zu meinen Informationen komme und wie hektisch der Arbeitsalltag sein kann.

 

Sind Sie auch mal in ein Fettnäpfchen getreten?

Bischoff Ja, Fettnäpfchen gab es (lacht). Ganz am Anfang meiner Karriere habe ich eine Sektpräsentation im Schlumberger-Keller besucht. Einer meiner Interviewpartner, ein bekannter Gastronom, lief vor laufender Kamera knallort an. Der Grund war meine Frage „Was bedeutet ihnen Sex?“. Ich meinte natürlich Sekt. Heute kann ich darüber lachen, damals war mir das furchtbar peinlich.

 

Sie berichten seit 50 Jahren auch über die Königshäuser. Wie hat sich der Blick auf den Adel verändert?

Bischoff Das Interesse hat sich sogar vergrößert. Heute klammert man sich gerne an Märchenfiguren, vor allem in unruhigen Zeiten wie diesen. Skandale schaden den Königshäusern nicht. Man sieht nämlich, dass es dort genauso zugehen kann wie bei uns in den eigenen vier Wänden. Das ist der Diana-Effekt. Sie war deshalb so beliebt, weil sie alles hatte. Dennoch wurde sie betrogen und war unglücklich. 

 

Welche Stars haben einen positiven Eindruck bei Ihnen hinterlassen?

Bischoff Die Hollywood-Stars sind echte Profis. Sie geben dir zumindest das Gefühl, dass sie genau wissen, wer vor ihnen sitzt. Tom Hanks beispielsweise hat einen extremen Slang. Ich habe bei einem Interview öfters nachfragen müssen, weil ich überhaupt nichts verstanden habe. Er hat sich dann entschuldigt und wir haben später sehr darüber gelacht.

 

Wie sind Sie mit schwierigen Interviewpartnern umgegangen?

Bischoff Bryan Adams galt als extrem schwierig. Ich wusste aber, dass er einmal in Wien gelebt hatte, also habe ich vor dem Interview noch schnell das Haus, in dem er lebte, fotografiert, eine Sachertorte und eine Flasche Wein besorgt. Ich musste stundenlang im Hotelzimmer auf ihn warten. Als ich ihm das Foto zeigte, war er sehr überrascht und sagte: „Jetzt rieche ich wieder das Sauerkraut.“ Auch über die Sachertorte hat er sich sehr gefreut. Da war das Eis gebrochen (lacht). Lustigerweise hat sich das bei den Hollywood-Stars herumgesprochen. Ich war irgendwann die mit der Sachertorte. Auch Sandra Bullock hat sich immer drauf gefreut.

 

Gibt es Prominente, mit denen Sie Freundschaften pflegen?

Bischoff Ja, mit Liza Minnelli. Ich habe damals ein sehr intensives Interview mit ihr geführt, in dem sie mir von ihrer Einsamkeit in fremden Städten erzählt hat. Sie war froh, dass sie jemanden zum Reden hatte. Heute sind wir gut befreundet. Leider hatten wir durch Corona in letzter Zeit wenig persönlichen Kontakt.

 

Wer fehlt auf Ihrer Liste noch? Wen würden Sie gerne interviewen?

Bischoff Nur die Queen, aber diese Chance ist jetzt leider vorbei. Ich habe so viele Dokumentationen und Geschichten über sie gemacht. Man glaubt, man kennt diese Person und dann ist sie nicht mehr. Das war für mich schon traurig. Sie war eine Institution. VN-TAS

Lisbeth Bischoff überraschte Bryan Adams mit einer Sachertorte. „Dann war das Eis gebrochen.“ VN/Lerch (1), Bischoff
Lisbeth Bischoff überraschte Bryan Adams mit einer Sachertorte. „Dann war das Eis gebrochen.“ VN/Lerch (1), Bischoff
Mit Hollywood-Star Liza Minnelli (l.) ist die Dornbirner Journalistin bis heute gut befreundet.
Mit Hollywood-Star Liza Minnelli (l.) ist die Dornbirner Journalistin bis heute gut befreundet.
Lisbeth Bischoff mit dem österreichischen Sänger Waterloo.
Lisbeth Bischoff mit dem österreichischen Sänger Waterloo.

Die Buchpräsentation am 29. September im Rathaus Dornbirn ist ausgebucht. Nächster Termin: 6. 10., 19.30 Uhr, Bücherei Rohrbach; Anmeldung: buecherei-rohrbach.at

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