Lisbeth Bischoff: “Ich war die mit der Sachertorte”

Vorarlberg / 29.09.2022 • 05:30 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Lisbeth Bischoff präsentiert ihr Buch "Rückblick" zum 50-jährigen Berufsjubiläum. <span class="copyright">VN/Lerch</span>
Lisbeth Bischoff präsentiert ihr Buch "Rückblick" zum 50-jährigen Berufsjubiläum. VN/Lerch

Buch zum 50-jährigen Berufsjubiläum: Lisbeth Bischoff berichtet von besonderen Begegnungen, Fettnäpfchen und Freundschaften.

Dornbirn Seit 50 Jahren ist Lisbeth Bischoff mit den Stars auf Du und Du und weiß ganz genau, was sich bei den Royals hinter den Palastmauern abspielt. Anlässlich ihres Berufsjubiläums präsentiert die Gesellschaftsjournalistin und Adelsexpertin aus Dornbirn ihr neues Buch “Rückblick”. Mit den VN sprach die 67-Jährige über besondere Interviewpartner, Fettnäpfchen und wie es ihr gelang, auch schwierige Interviewpartner um den Finger zu wickeln.

Welches war für Sie das prägendste Erlebnis in Ihrem Beruf?

Ich war bei der Parfumpräsentation von Dior “J’adore” über den Dächern von Cannes eingeladen. Alle mussten in Weiß kommen, weil ein Werbespot nachgestellt wurde – es war ein riesiges Event mit 1000 geladenen Gästen. Ich war neugierig, deswegen habe ich mich etwas vom Geschehen entfernt. Als ich mich auf dem Gelände umgeschaut habe, habe ich eine Villa entdeckt, an der die Tür weit offenstand. Ein alter Mann hat mich hereingebeten. Sein Name war Martin Gray. Er saß in seinem Schaukelstuhl in der Bibliothek und hat mir bei einem Glas Wein seine Geschichte über seinen Aufenthalt im KZ erzählt. Er meinte zu mir: “Wenn ich das überleben werde, möchte ich an dem schönsten Ort der Welt wohnen.” Dieser Mensch hat mich sehr beeindruckt und es war am Ende die bessere Geschichte als die Parfumpräsentation.

Lisbeth Bischoff mit Sänger Waterloo.
Lisbeth Bischoff mit Sänger Waterloo.

Wie kam die Idee, ein Buch über Ihre Arbeit als Gesellschaftsjournalistin zu schreiben?

Weil mich immer mehr Leute gefragt haben, wie ich überhaupt zu meinen Geschichten komme. Nach außen wirkt der Beruf sehr glamourös, in Wirklichkeit ist es beinharte Arbeit. Ich möchte damit auch ein bisschen eine Lanze für die Gesellschaftsberichterstattung brechen. Es ist am Ende kein privates Buch geworden, aber es gibt Einblicke in meine Gefühlswelt, wie ich zu meinen Informationen komme und wie hektisch der Arbeitsalltag sein kann.

Gab es Interviews, die nicht wie gewünscht verliefen oder bei denen Sie in ein Fettnäpfchen getreten sind?

Ja, Fettnäpfchen gab es (lacht). Ganz am Anfang meiner Karriere habe ich eine Sektpräsentation im Schlumberger-Keller besucht. Einer meiner Interviewpartner, ein bekannter Gastronom, lief vor laufender Kamera knallrot an. Der Grund war meine Frage. Ich hatte ihn gefragt: “Was bedeutet ihnen Sex?”. Es sollte natürlich “Sekt” heißen. Heute kann ich darüber lachen, damals war mir das furchtbar peinlich.

Lisbeth Bischoff mit Fürst Albert von Monaco.
Lisbeth Bischoff mit Fürst Albert von Monaco.

Sie berichten seit 50 Jahren auch über die Königshäuser. Wie hat sich der Blick auf den Adel verändert?

Ich stelle fest, dass sich das Interesse sogar vergrößert hat. Heute klammert man sich gerne an Märchenfiguren, vor allem in unruhigen Zeiten wie diesen. Skandale schaden den Königshäusern im Übrigen nicht. Man sieht nämlich, dass es dort auch so zugehen kann wie bei uns in den eigenen vier Wänden. Das ist der Diana-Effekt. Sie war vor allem deshalb so beliebt, weil sie alles hatte. Geld, Kinder und ein Schloss. Dennoch wurde sie betrogen und war unglücklich.

Wie gehts es mit der Monarchie in England weiter? Kritische Stimmen mehren sich.

Im Tower of London werden die Raben von eigens abgestellten Rabenwärtern bewacht. Die Legende besagt, wenn diese Raben verschwinden, gibt es keine Monarchie mehr. Ich bin mir aber sicher, dass die Monarchie weiterhin besteht. Kritische Stimmen gab es schon früher. Wie sich König Charles III. macht, sei noch dahingestellt. Es gibt die These, dass die Queen beschlossen hätte, dass Charles nur sieben Jahre König sein wird. Das würde mir logisch erscheinen, weil er unpopuläre Sparmaßnahmen setzen möchte und die Spitze der Königsfamilie verkleinern will.

Lisbeth Bischoff überzeugte Bryan Adams mit einer Sachertorte.
Lisbeth Bischoff überzeugte Bryan Adams mit einer Sachertorte.

Heutzutage nutzen auch Königshäuser soziale Medien. Wie hat sich diesbezüglich die Arbeitsweise für Sie verändert?

Früher musste man Leute kennen, um an Informationen oder Termine zu kommen. Heute kann man direkt mit den Promis oder den Königshäusern kommunizieren. Durch die Technik und dadurch, dass kein persönlicher Kontakt mehr notwendig ist, kommt aber leider auch das Menschliche zu kurz.

Lisbeth Bischoff im Interview mit Kronprinzessin Mette-Marit.
Lisbeth Bischoff im Interview mit Kronprinzessin Mette-Marit.

Welche Stars haben einen besonders positiven Eindruck bei Ihnen hinterlassen?

Die Hollywood-Stars sind schon echte Profis. Sie geben dir zumindest das Gefühl, dass sie genau wissen, wer vor ihnen sitzt. Tom Hanks beispielsweise hat einen extremen Slang. Ich habe bei einem Interview öfters nachfragen müssen, weil ich nichts verstanden habe. Er hat sich dann entschuldigt und wir haben sehr darüber gelacht.

Lisbeth Bischoff mit Brigitte Bardot. Auf das Interview wartete sie ein dreiviertel Jahr.
Lisbeth Bischoff mit Brigitte Bardot. Auf das Interview wartete sie ein dreiviertel Jahr.

Ist es für Sie immer noch etwas Besonderes, Prominente zu interviewen?

Der Reiz liegt nicht im Interview selbst, sondern darin, ob ich es schaffe, das Interview zu bekommen. Brigitte Bardot beispielsweise hat nach 13 Jahren ihre Biografie veröffentlicht. Ich habe dem Verlag damals jeden Tag ein Telegramm geschickt. Es dauerte fast ein dreiviertel Jahr, bis ich das Interview bekommen habe.

Wie sind Sie mit schwierigen Interviewpartnern umgegangen?

Bryan Adams galt als extrem schwierig. Ich wusste aber, dass er einmal in Wien gelebt hatte, also habe ich vor dem Interview noch schnell das Haus fotografiert, eine Sachertorte und eine Flasche Wein besorgt. Ich habe stundenlang im Hotelzimmer auf ihn gewartet und dachte mir, das wird nie etwas. Er hat sich unglaublich aufgeführt. Als ich ihm das Foto zeigte, freute er sich und sagte auf Deutsch: “Jetzt rieche ich wieder das Sauerkraut.” Auch über die Sachertorte hat er sich sehr gefreut. Da war das Eis gebrochen (lacht). Lustigerweise hat sich das herumgesprochen. Ich war irgendwann die mit der Sachertorte. Auch Sandra Bullock hat sich immer sehr drauf gefreut.

Lisbeth Bischoff ist heute gut mit Liza Minnelli befreundet.
Lisbeth Bischoff ist heute gut mit Liza Minnelli befreundet.

Gibt es Prominente, mit denen Sie Freundschaften pflegen?

Ja, mit Liza Minnelli. Ich habe damals ein sehr intensives Interview mit ihr geführt, in dem sie mir von ihrer Einsamkeit in fremden Städten erzählt hat. Sie war froh, dass sie jemanden zum Reden hatte. Heute sind wir gut befreundet. Leider hatten wir durch Corona in letzter Zeit wenig persönlichen Kontakt.

Wer fehlt auf Ihrer Liste der Interviewpartner noch?

Nur die Queen, aber diese Chance ist jetzt leider vorbei. Ich habe so viele Dokumentationen und Geschichten über sie gemacht. Man glaubt, man kennt diese Person und dann ist sie nicht mehr. Das war für mich schon traurig. Sie war eine Institution.

Die Lesung von Lisbeth Bischoff am 29. September im Rathaus Dornbirn ist bereits ausgebucht. Nächste Lesung: 6. Oktober um 19:30 Uhr in der Bücherei Rohrbach.

Besuch bei Plácido Domingo.
Besuch bei Plácido Domingo.
Lisbeth Bischoff im ORF-Interview mit Donatella Versace.
Lisbeth Bischoff im ORF-Interview mit Donatella Versace.
Auch Andrea Bocelli traf die Dornbirnerin.
Auch Andrea Bocelli traf die Dornbirnerin.
Lisbeth Bischoff im Gespräch mit Boris Becker.
Lisbeth Bischoff im Gespräch mit Boris Becker.
Bischoff mit Schrifsteller Ephraim Kishon.
Bischoff mit Schrifsteller Ephraim Kishon.
Interview mit Udo Jürgens.
Interview mit Udo Jürgens.

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